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Vang Vieng zum letzten

buebo | September 21, 2006 14:24

Der grosse Humbodlt verkatert und meine Wenigkeit schlecht drauf, eigentlich nicht die beste Ausgangsbasis fuer eine Exkursion ins Umland aber im Bungalow die Holzwaende anstarren oder in der Stadt die Hippies scheint die schlechtere Alternative zu sein, also entscheiden wir uns mal eine der vielen Hoehlen anzuschauen. Nach einer eher erfolglosen Exkursion auf einer Strasse die eher an ein trockenes Flussbett erinnert begeben wir uns in Richtung einer ausgeschilderten Hoehle.

Nach einer Fahrt im wackeligen Einbaum ueber den Fluss schauen wir uns zunaechst das Elephant Cave an und sind eher unbeeindruckt. Es gibt ein paar Kitschige Buddhas nebst Buddhas Fussabdruck zu sehen. Ich mache ein Foto, rutsche mit meinen abgelatschten Turntretern im Matsch aus und nun gibt es neben Buddhas Fussabdruck auch noch Buebo’s Arschabdruck zu bestaunen. Der Tourismus kann nur wachsen…

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Buddhas Fussabdruck

Natuerlich findet sich auch direkt ein lokaler Guide der uns zur naechsten Hoehle lotzt. Ein mahlerische Wanderung mit anschliessender Klettertour auf der wir uns bis zur Halskrause mit Matsch und dreck verschmieren und zwischen Kuhfladen Spiessrutenlauf betreiben. Die erste Strecke verlaeuft allerdings recht mahlerisch zwischen Reisfeldern vor dem Bergpanorama entlang.

Guide

Unser Guide

Bergpanorama

Bergpanorama

In der Hoehle angekommen zeigt sich nicht viel. Sie ist hoch, sie ist gross und in den Waenden sind teils Figuren eingemeisselt. Wenn man durch Wasser waten will, kann man noch ein paar hundert Meter weiter Hinein und die gaehnende Dunkelheit bestaunen (unser Guide hat Lampen besorgt aber dunkel ist es natuerlich trotzdem). Ich beschliesse an der Stelle das Hoehlen meine Sache nicht sind. Ich nehme an das fuer Menschen mit einer leichten Platzangst ein grosses Abenteuergefuehl entsteht, weil es irgendwie gefaehrlich erscheint. Der Aesthetiker bestaunt wahrscheinlich die Felsformationen. Was mich betrifft, es ist zwar alles ganz nett anzuschauen, aber dafuer knappe 45 Minuten durch den Matsch stampfen und sich von Moskitos die Ruessel ins Fleisch bohren lassen? Ich nehme die malerische Matschpiste plus Motorrad, wenn ich die Wahl habe

Leiter zur Hoehle

Auf zur Hoehle

Weil wir schon mal da sind wird dann auch noch eine weitere Hoehle besichtigt. Im Angesichts des steilen Abstiegs und meiner abgelatschten Treter beschliesse ich zu kneifen und vertreibe mir die Zeit damit mir eine neue Samlung an Moskitobissen vor dem Hoehleneingang zuzulegen. Tobias kommt zurueck und sagt: “Gross, koennte man ein Flugzeug drinn parken.”

Auf dem Rueckweg schauen wir uns nochmal kurz den Dorfaffen an (mit Kette an einen Baum gebunden), lassen uns wieder im Einbaum ueber den Fluss kutschieren (der kluge Mann laesst sich bezahlen bevor er uns zurueck bringt) und machen uns wieder auf den Weg nach Vang Vieng. Was mich betrifft kann es nun auch das letzte Mal sein das ich in diesem Nest aufschlage.

Dorfaffe

Der Dorfaffe

Wir schreiben den Morgen des 17.9.2006 und es ist viel zu frueh, genauer irgendwas zwischen sechs und sieben. Der um diese fruehe Stunde nicht ganz so grosse Humboldt und meine Wenigkeit packen ihre sieben Sachen, schnallen sie auf die Motorraeder und begeben sich in Richtung der Bus-Station.

Das Ziel des heutigen Tages ist Vietianne, die Hauptstadt der Volksrepublik Laos und wir haben beschlossen die Bikes und unsere Nerven zu schonen und statt dessen Bus zu fahren. Was wir mit den Motorraedern machen? Na Busfahren! Wie genau das von statten gehen soll ist uns auch noch nicht so klar, aber wir vertrauen den Locals und sind zudem auch – angesichts der fruehen Stunde – zu vergraemt um uns gross Gedanken darum zu machen.

Die Loesung ist – wie meistens – einfacher als Gedacht und berueht zu gleichen Teilen auf Know-How und der vereinten Kraft guenstiger Arbeit. Der Laotische Bus hat auf dem Dach einen Gepaecktraeger und hinten eine Leiter ueber die man auf den Traeger kommen kann. Nun wird ein Seil um den Frontreifen des Motorrads gebunden, auf dem Dach ziehen zwei Mann und von unten druecken drei und klettern schiebenderweise dem Stahlross hinterher. Einmal oben wird die Maschine auf den Staender gestellt und festgebunden.

Gruebeln

Die Fachmaenner versammelt

Anbinden

Anbinden

Schieben, Ziehen, Druecken

Schieben, Ziehen, Druecken!

Festbinden

Festbinden

Wir koennen nicht anders als uns zu wundern wie sowas wohl in Deutschland ablaufen wuerde… Der Chefpacker oben auf dem Bus bekommt mittendrinn einen Hexenschuss, der Korinthenkacker will das Motorrad an der Leiter festknoten weil irgendeine DIN-Norm verlangt das Kraftfahrzeuge nicht hoeher als 1,64 Meter transportiert werden duerfen und der Rest verlangt provisorisch eine Gehaltserhoehung plus Gefahrenzuschlag.

Wir nehmen hinter dem Fahrer platz und ueberlegen uns wann wir wohl das erste Motorrad an der Frontscheibe vorbeisegeln sehen, irgendwie sahen diese Leinen doch nicht so stark aus und der Bus bekommt auch ganz schoen Schlagseite in den Kurven. Beim ersten Stop schauen wir nach, doch entgegen allen Vermutungen sind die Motorraeder noch da und wir lehnen uns wieder beruhigt in den Sitzen zurueck. Ich genemige mir eine Lexomil, die ich aus Kambodscha mitgebracht habe. Doch entgegen den Versprechungen der Apothekerin kann ich immer noch nicht schlafen, mache mir jedoch auch keine Sorgen mehr wenn ich niedrig ueber die Strasse gespannten Stromkabel auf den Bus zufliegen sehe.

Alles noch da...

Alles noch da!

Die Busfahrt selbst ist im Uebrigen ganz angenehm. Das Vehikel ist ein alter Chinesischer Reisebus, ohne Klima-Anlage oder irgendwelchen Sperenzchen, dafuer stehen aber alle Fenster und Tueren offen und die Sitze sind leidlich bequem. Bei jedem planmaessigen Stop – von denen es auf den 500km viele gibt – draengen sich Essenverkaeuferinnen an den Fenstern, beliebt scheint gebratenes Huehnchen am Stiel und Gesuesster Reis in allen Varianten zu sein. An einer Bus-Station sehen wir auch Rat-on-Stick (zumindest glaube ich das es Ratte war, Tobias ist fuer Eichhoernchen), alle moeglichen und unmoeglichen Kaefer und Eier am Stiel (ich nehme an gekocht).

Reiseverpflegung

Reiseverpflegung

Rat on a Stick?

Tobias aka der Grosse Humboldt und Chicken-on-a-stick

Die Fahrt geht ziemlich ereignisslos zu Ende und am fruehen Abend kommen wir am Busbahnhof in Vientianne an, es werden wieder ein paar Starke Maenner gefunden die unsere Bikes vom Bus zurueck auf den Boden der Tatsachen befoerdern und wir machen uns auf den Weg ins Stadtzentrum.

Nach einem Beer Lao und etwas Smalltalk mit ein paar Thailaendischen Expats begeben wir uns auf Hotel-Suche und werden auch ziemlich direkt fuendig. Nach ein paar weiteren Bieren machen wir einen Abstecher zu einem Hotel in dem – nach einigen Internetquellen – die Party rocken sollen. Statt einem boxenden Pabst im Kettenhemd finden wir aber nur gaehnende Leere, ein paar devote Zausel in Hoteluniform und das Angebot einen Karaoke-Room zu nehmen. Wir sind nicht gewillt uns den Rest des Abends mit leichten Laotischen Maedchen zu leichter Laotischer Musik in einem teuren Zimmer die Zeit zu vertreiben, lehnen dankend ab und verschwinden wieder ins brodelnde Nightlife von Vientianne.

Party?

Tolle Fassade, nix drinn…

Ueberhaupt! Das brodelnde Nightlive von Vientianne! Die Hoehpunkte sind eine eher schmierige Karaoke-Bar in der man noch vor dem ersten Drink ein Girl angeboten bekommt und Diskos die um zwoelf die Pforten schliessen.

Am naechsten Morgen gehen wir Sightseeing. Wir schauen uns einen Buddhistischen Tempel an, gehen auf den Arc de Triumph von Vientianne, der aus der Entfernung gut aussieht, aus der Naehe aber bald an eine Realsozialistische Interpretation eines Legobausatz aus Beton erinnert. Dafuer hat man von oben eine nette Aussicht. Wir treffen auf zwei Moenche und unterhalten uns kurz, dannach ziehen wir wieder ab.

Dat Wat

Dat Wat

Arc de Beton

Arc de Beton

Aussicht

Aussicht

Dannach begeben wir uns ins Militaermuseum. Ein Haufen Kriegsgeraet, wie Panzer, Flugzeuge und Lastwagen und jede Menge Fotomaterial. Vor dem Eingang stehen die grossen Spielzeuge wie Hubschrauber und Panzer, im Ergeschoss kann man Laster und schuetzenpanzer Bewundern und im Hinterhof vergammeln ein paar Amerikanisch-Imperialistische Panzer und Geschuetze. Steigt man hoch in den ersten Stock kann man jede Menge Fotomaterial, kleinere Nachbildungen von Schlachten, Ausruestungsgegestaende (wie z.B. ein Unterhemd das jemand Wichtiges bei der Flucht aus imperialistischer Gefangenschaft getragen hat – kein Scherz) und jede Menge Gewehre bewundern. Die Beschriftungen sind manchmal informativ, manchmal nur auf Lao und lesen sich ungefaher so: AK-Machine Gun used in 66. Battallion against imperialist forces at Plain of Jars 1977. Falls man es vor lauter Beer Lao vergessen hat, ja, hier wird noch der Sozialismus gelebt…

Nach soviel Waffen ungeahnt blutruenstig gestimmt begeben wir uns auf die Suche nach einer Shooting Range um etwas Sinnlos Pappscheiben zu zerballern. Der erste Tuk-Tuk Fahrer weiss auch gleich wo wir hin wollen und setzt uns an einer unmarkierten Tuer ab. Wir werden eingelassen und schauen uns mit blutruenstigen Augen um. Ich will Kalaschnikov schiessen und am liebsten gleich mit der .45 Super-Magnum (was auch immer, Hauptsache gross!) den Uebelheimern morses geben und auch Holzner macht entsprechende Grunzlaute. Doch wir sehen ganz schnell wieder davon ab. Ein Schuss .45er soll 2.50$ kosten und an Gewehren gibts nur Kleinkaliber und schon gar nicht automatisch. Wir sind wieder befriedet und verschieben die sinnlose Entfesselung von Zerstoerungskraft auf unsere Rueckkehr nach Phnom Penh wo von der Pistole bis zum Raketenwerfer alles zu zivilen Preisen zu haben ist.

Abends geht es wieder auf die Suche nach Nightlife. Der Reisefuehrer sagt Novotel und wir fahren hin. Es stellt sich herraus das der Club noch nicht mal im Novotel ist sondern hinten rum, eine Treppe runter, einer schwarzen Katze die Kloake kuessen und dann bei Mondloser Nacht lebende Kaefer auf jungfraulichen Affen opfern, oder so aehnlich.

Zumindest eher schwer zu finden aber wir schaffen es natuerlich trotzdem. Die lokale Jugend tanzt zu einer Mischung aus Laotischen und westlichen Hip-Hop und es leicht skuril durch den Discovery-Channel der per Beamer an die Wand geworfen wird. Anscheinend beschaeftigt sich die Saendung mit einem eingeorenen Stamm der sich lange Bambusroehren ueber das Geschlecht stuelbt und sich der Vielweiberei hingibt.

Party mit den Locals

Party mit den Locals

Ploetzlich bekommen wir unsere leeren Glaeser wieder mit Beer Lao aufgefuellt. Eine Gruppe Locals hat uns in ihre Mitte genommen und wir feiern nun kraeftig mit. Der Club macht allerdings auch ziemlich direkt zu und wir werden eingeladen uns in irgendeine andere Disko zu begeben, die sich nach stundenlanger Fahrt im Tuk-Tuk auch als geschlossen herrausstellt. Nach diversen verwirrenden Gespraechen voller Mistverstaendnisse und punktlosen Diskussionen landen wir schliesslich wieder am Novotel, nehmen wieder ein Tuk-Tuk und fahren nochmals stundenlang durch die Nacht, bevor wir unser Hotel finden.

Am naechsten Morgen geht es weiter nach Vang Vieng, einer kleinen Stadt die sich voellig auf Traveller und ihre Beduerfnisse (Banana Pancake, Beer Lao und DVD schauen) eingestellt hat. Ungefaehr 80km nach Vientienne macht Motorradfahren wieder richtig Spass. Die Strasse windet sich in engen Kurven durch die Berglandschaft und der bedeckte Himmel sorgt fuer angenehme Temperaturen.

Strasse

Fahrspass pur!

Drogenaufklaerung am Wegesrand

Drogenaufklaerung am Wegesrand

Nach ungefaer 160km erreichen wir Vang Vieng. Die Stadt in der sich die Bars nur dadurch unterscheiden welche DVDs sie zeigen. Ein Guesthouse am Fluss wird gefunden und wir quartieren uns in einem angenehmen Bungalow ein. Ganz aus Holz und abends auch mit romantischem Sonnenuntergang. Aufs Kuscheln verzichten wir und brechen lieber in die Stadt auf.

Sonnenuntergang

Unsere Aussicht

Kneipenwahl in Vang Vieng ist einfach. Man bekommt ueberall die gleichen Gerichte, Getraenke kosten immer das gleiche und die einzige Variable ist die Ausstattung mit Fernsehern und was laeuft. Wir entscheiden uns fuer die Simsons, Tobias trinkt Bier, ich pendele zwischen zu suessen Shakes und zu suessem Vodka Orange. Irgendwann brechen wir auf und finden eine Bar in der ausnahmsweise kein Fernsehen lauft. Unterhaltung wird dafuer von betrunkenen Travellern geboten die sich zusammen auf dem Boden rollen und anscheinend versuchen zu ringen. Auf english nennt sich sowas pissing contest auf deutsch Schwanzvergleich aber was solls, ueber Idioten kann man immer lachen…

Am naechsten Morgen kommen Nachrichten von Thailand. Es hat einen Staatsstreich gegeben. Als echte Politikstudenten entscheiden wir uns fuer Tubing. Hoert sich nach Sport an, ist es aber nicht. Man bekommt einen aufgeblasenen Schlauch aus einem Traktorreifen, wird den Fluss hochgefahren, setzt sich in seinen Schlauch und laesst sich den Fluss runter treiben. Am Ufer gibt es Bars in die man sich reinziehen lassen kann. Die meistens haben eine Schaukel, einen Sprung oder sonst irgendwass das einen Publikumswirksam ins Wasser befoerdert. Wir trinken Bier, Tobias verliert irgendwann unser Geld (irgendwas um die 10$) und gegen Abend sind wir zurueck, Duschen und brechen wieder in die Stadt auf. Auf dem Weg springt Holzner auf ein Motorbike und verspricht dem Fahrer einen Dollar wenn er uns in die Stadt bringt. Ich mag lieber laufen und wir machen einen Treffpunkt aus und das sollte das Letzte sein was ich von ihm sehen sollte an diesem Abend.

Nach noch ein paar Bier verziehe ich mich wieder in den Bungalow und gehe Schlafen. Tobias kommt irgendwann Nachts nach Hause, murmelt Unverstandliches, werkelt an den Fenstern und kriecht schliesslich ins Bett.

Es ist viel passiert und deswegen werde ich die letzten Tage nur ueberfliegen. Vorgestern morgen sind wir wieder aus Phnom Penh aufgebrochen, nachdem der grosse Humboldt endlich die erforderlichen Papiere fuer sein Motorrad bekommen hat. Unser Ziel: Laos; die erste Station: Kratie

Der groesste Abschnitt war einfacher Highway, mit dem ueblichen wahnsinnigen Verkehr, ungefaehr auf der Haelfte des Weges biegen wir vom Highway ab auf eine kleinere Strasse, die sich bald in eine Buschpiste verwandelt. Wir lassen uns aber nicht schrecken und fahren natuerlich weiter. Der Reisefuehrer sagt das die Strasse in der Regenzeit manchmal nicht passierbar ist, allerdings bewegt sich einiges an lokalem Verkehr und so mache ich mir zunaechst keine Sorgen. Laut GPS bewegen wir uns auch weiter auf Kratie zu. Der grosse Humboldt wird allerdings mit jedem Kilometer skeptischer und ploetzlich verschwindet die Strasse unter Wasser. Etwas ratlos stehen wir vor den Fluten. in ungefaehr 150 Metern abstand sehen wir sie wieder auftauchen, aber eine befragung der Locals zeigt das der durschnittliche Khmer wohl bis zur Brust im Wasser steht, was auch fuer unsere Dirtbikes etwas zu hoch ist.

Die Loesung ist allerdings schnell gefunden. Wir fahren einfach an den Fluten vorbei und quer durchs Dorf, was bedeutet sich auf einem ungefaehr 1,20 Meter breitem Lehmpfad zwischen Kindern, Huehnern, Hunden, Wasserbueffeln und durch Gruppen von Menschen, ueber Kartenspiele und durch Wohnzimmer zu schlaengeln, doch schliesslich erreichen wir Kratie nach einem langen Tag und nehmen uns ein Zimmer im sehr angenehmen Heng Heng Hotel (5$/Nacht fuer Doppel mit Ventilator), essen im Heng Heng Restaurant und fallen schliesslich in unsere Heng Heng Betten.

Kuhstall

Wenn das die Franzosen wuessten!

Morgens benehmen wir uns wie die Asketen die wir sind, stehen um sieben (morgens…) auf, fruehstucken karg, tanken und machen uns wieder auf den Weg. Wieder zieht sich der offizielle Highway in Form einer einspurigen Matschpiste praktisch quer durch die Wohnzimmer der Dorfbewohner. Fuer kurze Erheiterung sorgt der Kuhstall im Kolonialgebaeude. Wann das die Franzosen wuessten!

Gegen Mittag treffen wir in Stung Treng ein, eine Stadt in Riechweite des Arschs der Welt, die sich durch genau gar nichts auszeichnen wuerde, wenn sie nicht das Sprungbrett nach Laos oder Rattanakiri waere (die Provinz in der sich die Hippies zum nackten Schakratanz treffen, falls sie nicht schon in Phnom Penh bei der Happy Pizza haengen gebliegen sind).

Ich esse schnell einen gebratenen Reis (schmeckt ueberall), waehrend der grosse Humboldt durch Fasten versucht seine revolutionaere Darmflora auszuhungern, dannach brechen wir wieder auf um gleich wieder anzuhalten. Nanu, eigentlich sollte hier eine Bruecke sein. Sie ist auch da und am Horizont zu erspaehen, nur leider fehlt die Haelfte.

Bruecke

Bruecke?

Statt dessen gibt es eine Faehre, die eher aussieht ein Kambodschanischer Einbaum. Trotzdem zeigt sich der Lademeister (Hawaiihemd aus Kunstseide, Sonnenbrille, Armeemuetze – sichere Zeichen von Autoritaet) durchaus bereit unsere Bikes ueber den Fluss zu bringen. Vor die Wahl zwischen Faehre oder Faehre entscheiden wir uns fuer letzteres und Aktzeptieren. Mit vereinter Kraft schaffen der Meister im Kunstseidenen Hemd und eine paar jugendliche Helfer unsere Bikes an Bord. Holzners innen zwischen Sitzreihen, meines auf den Bug, nur um danach Kartonweise Chinesisches Bier auf einer Seite des Bootes so lange aufzustapeln bis mir vor lauter Schlagseite einfaellt das man in Armeestiefeln (die ich zum Motorradfahren anhabe) nicht mal schwimmen kann. Doch Kunsteide versteht seinen Job und stapelt seine Helfer auf der anderen Seite bis der Kutter wieder grade liegt.

Lademeister

Kunstseide himself

Abladen

Abladen

Das Abladen laueft genau ab wie das Aufladen, nur in anderer Richtung, allerdings bis auf meinen angehenden Herzinfarkt, der bleibt gleich. Als ob der Surrealitaet nicht genuege getan wird laeuft mir auch noch Bolin ueber den Weg, eine ehemalige Angestellte des Ginger Monkeys, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen habe.

Mittlerweile geht es auf den Nachmittag zu und wir nehmen die letzten 50km zur Grenze in Angriff. Nach kurzen Verwirrungen (das GPS zeigt den Weg anders an als die Grenze eigentlich liegt) deutet uns eine Befragung eines einsamen Menschen auf einem Fahrrad den Weg (”Lao, there?” – Nicken). Ploetzlich stehen wir vor einer Huette um die sich ein paar mittelalte Herren in T-Shirts und Jogginghosen scharren, die sich ploetzlich als Grenzwaechter entpuppen. Nachdem sie sich noch einen Dollar fuer die Stempel haben geben lassen geht natuerlich der Zirkus los. Wir sollen irgendwelche Zettel aus irgendwelchen Bueros in Stung Treng bringen, sonst “no go Lao”. Wir wollen nicht. Genug damit gesagt das wir nach langen Verhandlungen und unnoetigem Zeitverlust schliesslich 10$ pro Bock und Nase zahlen und die Herren schliesslich ihre selbstgezimmerte Sperrholzschranke heben und uns durchlassen.

Grenze

Die Grenze

Auf der Laotischen Seite sehe ich schon den naechsten Trubel vorraus und soll mich irren. Die zwei Grenzer machen sich sogar die Muehe ein paar Uniformhemden uebers fleckige Unterhemd zu ziehen, man fuehlt sich direkt willkommen. Wir zeigen unsere Visas, zahlen nochmal einen Dollar pro Pass und Nase (Riel werden gerne genommen, wir haben auch nix anderes) und stehen etwas verdutzt vor einem Matschpfad. Da es das einzige Strassenartige Objekt in Sichtweite ist und an einem Ende sich eine Schranke befindet, ist sowohl Richtung wie auch Strassenwahl klar. Aber seltsam, da sah es ja sogar in Kambodscha besser aus.

Matschpfad

Die ersten Meter in Laos

Nach ein paar Kilometern treffen wir schliesslich auch auf eine richtige Strasse, doch ploetzlich stehen wir schon wieder vor einer Schranke. Der Zoll diesmal. Doch schon wieder verdutz mich ein Uniformierter indem er jede Gelegenheit verpasst uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir stehen vor ihm auf Papierlosen Kambodschanischen Motorraedern, gucken dumm und sehen nach Geld aus. Was will er? “Your Passport, please!” Ich werde aus diesem Land nicht schlau!

Nach einigen weiteren Kilometern auch noch andere Unterschiede zu Kambodscha deutlich. Ausser uns gibt es kaum Verkehr, hoechstens alle 20 Minuten kommt einem mal irgendwer entgegen und wenn dann wirklich mal einer kommt dann faehrt er als haette er Fahren nicht an der Playstation gelernt, sogar Lastwagen und Busse bewegen sich auf der rechten Spur, im Gegensatz zu Kambodscha, wo Fahrer mit einem Fuss auf dem Gas und einem auf der Hupe durch die Weltgeschichte brummen.

Auch die Szenerie hat sich geaendert, am Horizont erblicken wir hohe Berge und statt Schweinen scheinen hier Ziegen das strassenbevoelkernde Tier darzustellen. Die Strasse allerdings verwandelt sich nach ein paar Kilometern in ein makelloses Asphaltband, das auch einem Schweizer Verkehrsfetischisten noch die Gaber im Fondueverschmierten Mund zusammenlaufen lassen wuerde, sogar sowas wie Alpengluehen bekommen wir geliefert.

Alpengluehen

Laotisches Alpengluehen

Trotz der schoenen Szenerie stehen uns noch 160km/h bevor. Das Ziel des Tages heisst Pakse, was wir auch mit Einbruch der Dunkelheit erreichen. Was es zu Pakse zu sagen gibt? Da muss man jemand anders fragen, ich sehe von der Stadt ein (schoenes) Hotelzimmer, eine Massage in der mir innerhalb von einer schmerzhaften Stunde der verbogene Ruecken wieder gerade gebogen wird – damit ich ihn mir am naechsten Tag wieder auf dem Bock verbiegen kann – und ein furchbares Fruehstueck (rote Wuerste aus der Hoelle) das nur durch den exzellenten Lao Coffee wieder gerettet wird.

Am naechsten Morgen machen wir uns auf die Suche nach einem Mechaniker. Die Honda meines Begleiters macht Zicken die ich auf den miesen Sprit in Laos schiebe. Hier hat man an der Tankstelle zwei Moeglichkeiten: Diesel (gelbliche Farbe) und Regular, auch genannt Gasoline (Cocktailkirschrot). Es wird kein Mechaniker gefunden und ich ziehe mich fuer ein anstehendes morgendliches Geschaefft ins Hotel zurueck, waehrend Humboldt noch mal auf Expedition geht. Nach Geschaeft und diversen Wartungsarbeiten (Kette oehlen, bedeutungsvolles Starren auf diverse Motorradteile, begleitet von ratlosen Kinnkratzen) kommt er schliesslich zurueck. Ein Mechaniker wurde gefunden, “Ein weiser Mann”, kommentiert mein Begleiter, “er hat Oel nachgefuellt.”

Dannach die Koffer gepackt und wieder auf die Blechesel geschwungen, Savannakhet heisst das naechste Ziel. Die Strasse bleibt unveraendert gut aber die Langeweile wird schlimmer und Abends angekommen beschliessen wir zu schummeln.

Zwischen Pakse und Savannakhet

And on and on and… ZIEGE!

Die Sache ist das 250 Enduros tolle Bikes sind, aber ein paar Maken haben:
  • Erstens sind sie nicht wirklich auf Reiskomfort gebaut, anders ausgedrueckt sind mir mittlerweile der Ansicht das sogar ein empfindlicher Affe es auf einem eher unkomfortabel geratenen Schleifstein doch recht bequem sitzt.
  • Zweitens bietet sich hier eine eintoenige Abwechslung aus Langeweile und Adrenalin. Hoert sich komisch an? Man faehrt stundenlang bei dem immer genau gleichem Motorengebrumm eine praktisch schnurrgrade leere Strasse entlang. Immmer … bruumm … alles … bruumm … genau … brumm … gleich … ZIEGE IN DER SPUR!

Also haben wir beschlossen den Bus zu nehmen. Der Laotische Busfahrer ist ein technischer Tausendsassa und anscheinend ist es gar kein Problem ein 100kg Motorrad oben auf einem Reisebuss zu befestigen. Das hat uns zumindest grade ein Prachtexemplar (Boxershorts, Kickbox-Tattoos und dicke Oberarme) klar gemacht und fuer 20.50$ pro Nase, Bike und Gepaeck will er uns morgen die letzten 600km nach Vientiane schaffen.

Stay tuned!

Battambang nach Siam Reap

buebo | September 8, 2006 14:08

Angkor Wat Painting

Die Tempel stehen auch noch

Wir sind in Siam Reap angekommen und es gibt nicht viel zu berrichten.

Wer schon mal von Thailand nach Siam Reap gefahren ist, wird die Strecke zwischen Poipet (der Grenze) und Siam Reap in schlechter Erinnerung haben. Ein Taxi – d.h. ein unmarkierter Toyota Camry ausgestattet mit einem meist leicht wahsinnigen Fahrer mit perfektem Verstaendniss von Traegheit, Impuls und Verformungsenergie – macht die 150km in ungefaehr drei bis vier Stunden. Laesst man sich in den Horror-Bus bugsieren, kann man sich die naechsten sechs Stunden auf einen Erlebniss freuen das so sich ungefaehr so anfuehlen muss wie den Sandsack fuer Mike Tyson zu spielen. Wengistens bekommen man nicht in die Ohren gebissen…
Wir haben von Sueden – also nicht von der Grenze kommend – nur ungefaher 120km auf der Sandpiste mitgemacht und ich muss sagen das ich sie schlimmer in Erinnerung hatte. Weninge Schlagloecher und eine Durschnittsgeschwindigkeit von ungefaehr 60 bis 70km/h ist durchaus moeglich, auch wenn man sich darauf gefasst machen kann eine ganze Menge Staub zu schlucken. Die ersten 40km kommt man sich zudem vor wie in der Wueste. Bis zum Horizont ziehen sich die Reisfelder, durch die Mitte geht schnurgerade die Sandpiste und ausser dem Verkehr laesst sich keine Menschenseele blicken.

Der Verkehr allerdings! Wie gesagt eine Sandpiste, daher eher nicht so besonders guter Halt des normalen Reifens, den Kambodschanischen Fahrer an und fuer sich schreckt das gar nicht, oder vielleicht doch und er muss grade deswegen das Gaspedal bis zum Boden durchdruecken. Man koennte ja sterben weil man zu langsam faehrt. Neben suizidalen Toyota Camrys trifft man allerdings auch noch Busse und Lastwagen. Die sind zwar nicht besonders flott unterwegs, werfen dafuer aber jede Menge Staub auf. Teilweise brummt man gutmuetig in eine solche Wolke rein und sieht ploetzlich grade mal nur noch die naechsten fuenf Meter vor dem Vorderrad. Ab dann heisst es wachsam sein, ploetzlich auftauchenden Hunden, Kuehen, Kindern, Geistern und Halluzination nach moeglichkeit ausweichen und hoffen das die naechste grosse Shiluette der Bus und nicht eine Wand ist…

Drecksbaer

Staubig?

In Siam Reap angekommen suchen wir uns ein Hotel, vergammeln den immer noch gluehend heissen Nachmittag und begeben uns Abends in die Pub Street. Das Etablisment unserer Wahl gibt bis zehn Uhr Abends das Draft Beer fuer 30 Cent ab, wenn man etwas zu essen bestellt. Das kleinste Gericht auf der Karte wird geordert und bis zehn haben wir beide etwa genau so viele Bier getrunken. Ein paar Stunden treiben wir uns noch rum und zemetieren die morgendliche Katerstimmung fuer heute.

Morgen steht uns der lange Ritt zurueck nach Phnom Penh (etwa 230km) vor. Eigentlich wollten wir in der Mitte eine Pause fuer einen Uebernachtungsstop machen (150km sind im hiesigen Highwayverkehr schon eine ganze Menge, obwohl wir uns langsam dran gewoehnen) aber es besteht die Chance endlich Nummernschilder fuer Holzners Maschine zu bekommen – ohne die wir nicht nach Laos fahren koenen – und so beeilen wir uns um hoffentlich bald in Richtung Norden aufbrechen zu koennen.

Persoenlich waere ich froh endlich aus den Reisfeldern rauszukommen und zumindest ab und an mal einen Berg hochfahren zu duerfen…

Was tun in Battambang? Die Frage hat uns gestern beschaeftigt und nachdem keine der Optionen sich als wirklich ansprechend gezeigt haben, wurde einfach keine Entscheidung gefaellt. Statt uns also auf den Touristenpfad zu begeben haben wir uns verhalten wie zu Hause.

Nach einem Wechsel ins komfortable Hotel Angkor (11$ fuer Doppelzimmer mit Kuehlschrank, Aircon und warmen Wasser) geht Holzner auf den Markt um ein paar kleine Erledigungen zu besorgen. Er kehrt zurueck mit 15 Dosen Bier.

Die Pyramide von Battambang

Pyramids of Battambang

Nach kurzer Diskussion beschliessen wir das 12 Uhr Mittags eine genauso gute Zeit ist anzufangen zu trinken wie jede andere auch, vor allem wenn man plant sich – ausser zur Nahrungsaufnahme – sowieso nicht aus dem Hotel zu bewegen. Wir beginnen den Bau der Pyramide von Battambang und ich muss zugeben – beim Ramses! – das die Hauptarbeit von meinem Begleiter erledigt wurde. Nachdem ich beim Essen schon fast ins Lallen geraten bin, beschloss ich erstmal von meiner Bautaetigkeit zurueckzutreten und bin daemmerte nach erfolgreicher Kalorienisierung auch direkt weg.

Lehrreiches Entertainment gab es im Uebrigen auch. Waehrend sich im Restaurant der Kochkurs vor lauter Chilli und Knoblauch fast ums Augenlicht kochte, studierten wir im Alkholosierten Zustand die Angewohnheiten des gemeinen Klebstoffsuechtigen. Nach diversen Inhallationen aus der Plastiktuete wird der Gang unstetig, die Kommunikationsfaehigkeit laesst nach (UHUAUAHAU! – man muss kein Khmer sprechen um zu merken das sowas kein Wort ist), das soziale Umfeld hat zu leiden (wechselweise nach den Kumpels treten oder von ihnen geschlagen werden…) und die Nervenbahnen nehmen Schaden (niemand mit normalen Augen schielt ploetzlich eine halbe Stunde lang nur weils Spass macht).

Am Abend ueberlegen wir kurz uns ins lokale Nightlife zu stuerzen, lassen es aber. Wir haben am Tag unserer Ankunft schon mehr als genug bekommen. Einer unserer Motodops sprach genau ein Wort Englisch: “Discoteque?”, und so endeten wir am fruehen Abend in einem Laden der aussah wie Siegfried und Roys Kleiderkammer auf LSD und sich anhoerte als wuerden die Schluempfe nach einer Koksparty auf dem Frankfurter Bahnhofsklo Weinachtslieder zu Hardcore Techno singen. Abends entschlummerten wir also lieber im Konsens noch einen Tag zu bleiben den Schlaf des Gerechten ohne ihn verdient zu haben. Das Tagewerk sollte bis Heute warten.
Morgens goennten wir uns zunaechst ein spaetes Fruehstueck im Coffee Shop. Den Iced Coffee kann ich nur waermestens Empfehlen, falls sich jemand mal in diese Ecke der Welt verirren sollte. Gegen Mittag brachen wir dann Richtung Wat Sampheu auf, da es im Khmer440-Forum empfohlen wurde und wir auch nicht grade viel besseres zu tun hatten.

Strasse nach Pailin und Wat Sampeu Die Strasse nach Pailin und zum Wat

Die Strasse war schlecht aber auf unseren Gelaendemaschinen fast schon wieder spassig. Zwischen Schlagloechern und Matschkuhlen zieht sich eine Reifenbreite Spur im Schlangenlinien ueber die Strasse, zerfasert manchmal in mehrer Spuren und laueft dann wieder zusammen. Dazwischen ein paar Lastwagen, Autos und Locals auf Scootern. Die besseren Abschnitte fahren sich wie auf Wellblech, in den schlechteren schuettelt es einem fast die Plomben aus dem Gebiss.

Das Wat selber ist von unten ein recht eindrucksvoller Anblick, es tront auf einem hohen Kliff ueber einer Landschaft die flach wie ein heisgemangelter Reiskuchen ist. Der Majestaetische Eindruck wird etwas gemildert durch den recht offensichtlichen Verfall, die nervigen Guides (”You need Guide, Mister?”, “No!”, “Mister, do you need Guide?”) und den ziemlich offensichtlichen Verfall. Unsere Informationen – teils von ungebetene Ratschlaegen der Guides, teils aus einem halbverdauten Reisefuehrer, sagen irgendwas von einem Wat, einer Killing Cave und einem Khmer Rouge Staudamprojekt in dem man anscheinend baden kann.

Auf dem Weg nach oben treffen wir auf eine von vielen Baustellen, oben sollten wir kaum eine Buddha-Figur ohne umgebendes Baugeruest finden. Auch wenn sich ausser zwei vielleicht 12 Jahre alten Moenchen und zwei Nonnen die aussaehen als haetten sie Buddha noch persoenlich kennengelernt keine sonstigen Vergeistigten zeigten, scheint sich etwas zu tun im Wat. Leider eher im superkitschigen Stil. Man mag mich fuer pendantisch halten, aber irgendwie faellt es mir schwer sich einen Rosafarbenen Inder vorzustellen, dert ausschaut als haetten sie ihn wegen Ueberzuckerung aus der Marzipanfabrik geschmissen. Gibt natuerlich auch genug blonde, blauaeugige Jesu-Figuren am Schokoladenkreuz…
Das Wat
Wat Sampheu
Das Wat selbst ist auch sieht auch ein bisschen aus wie aus Zucker gegossen und ist zudem in der Mittagshitze auch nicht unbedingt der gastlichste Ort. Seltsamerweise steht oben, praktisch direkt neben dem Eingang eine deutsche Artillerie-Kanone. Warum und wieso kann keiner so recht erklaehren. Ich nehme an das wohl entweder die KR oder die Vietnamesen da einen deutschen Sponsor oder zumindest Lieferanten hatten, vielleicht die DDR?
Kanone
Artillerie
Eindeutig Deutsch
Eindeutig Deutsch
Nach ein paar kurzen Rundgaengen und gebuehrender Bewunderung dem Hausaffen gegenueber steigen wir in eine Hoehle hinab, unten zwei Buddha-Figuren und sonst nicht viel. Es koennten die Killing Cave sein in der die KR Leute umgebracht haben sollen. Holzner, in der Rolle des grossen Humboldt, will ein Stueck Knochen gefunden haben, fuer mich sieht es eher nach einem abgebrochenen Ast aus, aber wer bin ich schon das Genie zu bezweifeln? Nach der Hitze auf dem Berg ist die Hoehle zumindest ganz angenehm.
Hausaffe
Der Hausaffe
Killing Cave?
Killing Cave?
Wir bewundern noch kurz die Aussicht und fahren dann wieder den Berg hinunter auf der Suche nach dem KR Dam-Projekt, das wir aber nach etwas erfolglosem Rumgegurke nicht finden sollten.
Aussicht
Aussicht
Der Rueckweg macht dann wieder richtig Spass. Wir reissen das Gas auf und schlaengeln uns im Zickzackkurs zwischen Motorrollern, Schlagloechern in denen ganze Familien wohnen koennten und Lastwagen ueber die Piste, bis wir nach Rekordzeit Battambang erreicht haben.

Phnom Penh nach Battambang

buebo | September 4, 2006 6:55

Nach einem kurzen Fruehstueck aus Baguettes, belegt mit Salat und Bacon, machen wir uns auf den Weg. Geplant ist sich auf dem National Highway 5 Richtung Battambang zu bewegen, wahrscheinlich mit einer Uebernachtung, entweder in Kampong Chhnang (etwa ein Drittel des Weges) oder in Pursat (zwei Drittel).

Highway und Schoen Wetter!

Auf dem Highway

Unter einem strahlend blauen Himmel – gespickt mit ein paar Woelkchen – machen wir uns auf den Weg. Unser erster Stop ist unvorhergesehen. An einer Polizeikontrolle werden wir herangewunken und darauf hingewiesen das unsere Motorraeder keinen Road Tax Sticker haben. So etwas wie eine Jahresviniette. Ich sehe schon ewige Diskussionen und hohe Preisvorstellungen vorraus, aber nach anfaenglichen Verstaendigungsproblemen wird schnell klar das die offiziellen auch nur den offiziellen Preis von 6$ haben wollen. Wir kaufen zwei von den Stickern und sind wieder auf dem Weg, es wird allerdings deutlich wie sich die Ansichten unterscheiden koennen.

Holzbaer ist entzuernt darueber das sie ausgerechnet uns herangewunken haben. Mir ist natuerlich auch klar das sie uns rausgezogen haben weil wir wahrscheinlich genug Geld haben, auf der anderen Seite bin ich aber positiv ueberrascht das wir nicht nach Tea-Money gefragt wurden und nur den wirklichen und offiziellen Preis bezahlen mussten. Es koennte sein das wir beide Recht haben…

Oudong Mountain

Oudong Mountain

Der naechste Stop ist Oudong, die alte Hauptstadt (vor Phnom Penh). Von der eigentlichen Stadt ist nichts uebrig, ausser zwei Tempeln auf zwei Huegeln mit schoener Aussicht ueber das flache Land – die wir uns schweisgebadet hochquaelen sollten – und einigen Picknickstaenden darunter. Neben der Zufahrt steht dazu noch eine voellig surreale Tempelanlage. Makellos sauber, riesig gross, offensichtlich grade neu gebaut aber voellig verlassen.

Schoene im See

In der leeren Tempelanlage

Bei einer ungefragten Fuehrung durch die lokale Jugend bekommen wir erklaert das die Anlage fuer drei tausend Moenche gebaut wurde. Von wem und wo die Moenche sind, bleibt aber ungeklaert.

Meiner Theorie nach versucht hier jemand mit viel Geld in den spaeten Jahren seines Lebens die karmische Balance noch mal in Richtung einer besseren Wiedergeburt zu tippen. Nach einem Leben voller Korruption, moralischer Verfehlungen und eventuell Verbrechen bekommt doch so mancher kambodschanischer Lexusfahrer das grosse Sausen was nach dem Ende kommt und mitten im Nirgendwo ein neues Angkor hochzuziehen koennte den Unterschied zwischen einer Reinkarnation mitten ins Insektenreich oder zumindest als hoeheres Tier (wobei Tiger in China wahrscheinlich nichts zu lachen haben…), eventuell sogar wieder als Mensch machen. Ich kann mir vorstellen das so mancher Moench diese Ideen begruest.

In Kampong Chhnang (etwa 120km von Phnom Penh) machen wir Mittagspause und suchen das einzige Guesthouse mit westlicher Schrift auf dem Schild auf. Grosser Fehler. Wir bestellen verschiedene Gerichte, bekommen aber beide das Gleiche. Einen Teller Reis und ein paar Huehnerteile, die aussehen als waehre das arme Tier schon vor dem Schlachten an Entkraeftung gestorben. Unser Essen wird begleitet von einem offensichtlich an Down-Syndrom leidenden Bettler und alle Versuche unsere Spendenunwilligkeit klar zu machen scheitern klaeglich, auch das Personal erweisst sich als unwillig ihn zu verscheuchen und bringt uns auf die Theorie das er zur Familie gehoert.
Zuletzt angelt er sich die Reste unseres Huehnchens vom Teller und verschwindet damit.

Der Rest von Kampong Chhang sieht auch nicht viel besser aus als der erste Eindruck im Guesthouse und so machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Battambang. Die Strasse zieht sich – bis auf ein paar Kurven – fast wie mit dem Lineal gezogen zwischen Reisfeldern, gelegentlichen Baeumen und Huetten durch. Ab und zu durchqueren wir eine kleines Dorf (erkennbar an Phone Shop und Western Union), dannach wieder gruene Reisfelder und sonst nicht viel.

Der Verkehr besteht im Wesentlichen aus Reisebussen auf dem Weg zur Thailaendischen Grenze, ein paar Lastwagen, Toyota Camrys und SUVs und natuerlich den allgegenwaertigen Moppeds, mal mit Anhaenger, mal ohne.
Am Nachmittag kommen wir in Pursat an und ueberlegen uns zu bleiben. Die Riverside sieht ganz angenehm aus und es gibt sogar einen kleinen Park doch das einzige Guesthouse sieht teuer aus und hat einen Haufen Rot-Kreuz Land Cruiser vor der Tuer stehen, ist also wahrscheinlich auch teuer. Wir fahren weiter.

Auf halben Weg nach Battambang macht sich langsam die Erschoepfung bemerkbar und auch unsere Ruecken fuehlen sich nicht so besonders an. Dirt Bikes sind nicht auf Komfort gebaut und das beginnt man auch irgendwan zu merken. Nachdem wir in Battambang angekommen sind, checken wir ins Monorom Guesthouse. Der Laden ist ziemlich runtergkommen aber was solls, die Betten sind OK, es gibt eine westliche Toilette (im Gegensatz zur Squat Toilet) und die Dusche ist sauber.

Ein ruhiger Donnerstag Abend im Ginger Monkey. Ein paar Regulars vor dem Tresen, euer treuer Berichterstatter dahinter. Business ist eher maessig, was mir ganz gut passt. Einerseits komme ich nicht ins Schwitzen wenn ich alle viertel Stunde mal eine Dose Bier aus dem Kuehlschrank fische, andererseits macht der Laden sowieso am naechsten Tag zu, so das ich mir um das laengerfristige Geschaeft nun wirklich keine Sorgen mehr machen muss.

Warum macht der Ginger Monkey zu? Lange Geschichte. Die kurze Version geht in etwa so: Der urspruengliche Besitzer ist bei einem Wohnungseinbruch erstochen worden. Die Details sind natuerlich unklar. Die Menschen die den Monkey weiter betrieben haben, sind eher lustlos und ohne den urspruenglichen Besitzer fehlt der Kneipe auch Herz und Seele, wobei die Erblage kompliziert ist und keiner der jetzigen Besitzer sich in absehbarer Zeit in Phnom Penh blicken lassen wird.

Persoenlich finde ich das natuerlich schon schade, aber auf der anderen Seite stehe ich sowieso schon mit einem Fuss im grossen Motorbike-Trip. Mein Fuss sinkt auch gleich etwas Tiefer ein als eine bekannte Stimme ertoehnt. “Du Schwein!”, schallt sie und der grosse Humboldt tritt durch die Pforten des Etablisments.

Nachdem wir ein paar Tage in Phnom Penh verbracht haben und der Grosse Humboldt durch reinen Entdeckerdrang herausgefunden hat das man im Naga Casino – so ungefaehr der kitschigste Ort an dem ich bis jetzt war, komplett mit Indoor Wasserfall und an die Decke gemahltem Himmel – beim Roullette Spielen Freibier bekommt, ging es wieder auf die Strasse um mal ein letztes Mal alles auszuprobieren, die Bikes zu checken und generell zu schauen wie alles so von statten geht.
Ergebniss: Eigentlich ganz gut, vor allem fuer asiatische Verhaeltnisse. Mein Ruecklicht verabschiedet sich bis auf weiteres (es brennt nur bei Tag, dann aber unentwegt), dem grossen Humboldt fallen nach 10km die Sohlen von den Stiefeln (”Mista! Mista! Good Boot! From Thailand!”) und es stellt sich die Frage wieviel Staub man eigentlich schlucken kann.

Am ersten Tag fuehrte uns die Strasse nach Kampot. Eine nette Strecke, auch wenn ich sie bestimmt schon fuenf mal abgefahren habe. Nach einer Uebernachtung geht es in den Bokor National Park und hoch auf die Hill Station (siehe letzter Bericht). Die Strasse ist noch schlechter Geworden und die Rinnen in der Mitte noch tiefer und ich frage mich wie man den Trip auf der Ladeflaeche eines Pickup-Trucks gesund ueberstehen kann. Teilweise bleibe ich mit dem Hinterrad in Steinrinnen haengen und muss die Maschine selbst rauswuchten. Trotzdem gerate ich in eine leicht suizidale Abenteuerlust und rase den Berg hinauf ohne auf Matsch, Geroell, Aeste und gesunden Menschenverstand allzuviel Ruecksicht zu nehmen – wofuer ich spaeter die Quittung bekomme: Meine Arme schmerzen durch das Geruettel so stark das ich sie fuer den Rest des Abends kaum bewegen kann.

Oben angekommen faengt es natuerlich an zu regnen und wird ziemlich frisch. Nach einer Suppe bei den Park-Rangern und einer Unterhaltung mit einem Tourist Guide machen wir uns wieder auf den Weg hinab, diesmal folge ich dem motorisierten Humboldt um nicht auf nassem Geroell in einen wahnsinnigen Fahrstil zu verfallen.

Im Ausgang des Parks ereignet sich noch mein erster Kambodschanischer Motorradsturz. Ich ziehe die Frontbremse, das Vorderrad blokiert und ich lande im Matsch. Schaden: Gedellter Stolz, der durch das meckernde Gelaechter des haemischen Humboldts auch nicht besser wird. Dieser sollte es im uebrigen spaeter schaffen zwischen Casino und Guesthouse in Phnom Penh sowohl Kupplungs wie auch Bremshebel an seiner Maschine abzubrechen…

Am naechsten Tag machen wir einen Abstecher in Richtung Sihanoukville ueber eine sehr malerische Strasse um vor der Kueste auf den flachen Hochgeschwindigkeitshighway Richtung Phnom Penh abzubiegen. Die Highway ist wahrscheinlich der beste in ganz Kambodscha und so koenen die Motorraeder mal alles geben (120km/h – nicht schlecht fuer ein Land in dem 150km/h auch mal 8 Stunden dauernd koennen) und wir fliegen Richtung Phnom Penh.

Auf dem Weg sehen wir eine Abzweigung nach Koh Kong, eine Stadt an der Thailaendischen Grenze. Wir wissen das wir uns irgendwie in der Naehe vom Meer befinden und probieren die breite Dirt Road aus. Vielleicht gibt es ja irgendwo Seafood. Die Aussicht ist sehr schoen, die Strasse ganz gut, aber stellenweise sehr matschig. Ich treffe natuerlich mit gewohntem Geschickt die tiefste aller Matschpfuetzen und bekomme die volle Ladung ab. Nach etwas Fahrerei halten wir schliesslich in Sre Ambel, einer Stadt die im Lonely Planet Reisefuehrer als “somewhat of a smuggler’s port” beschrieben wird. Wir sehen davon nichts geniessen aber ein Mal am Strassenrand. Wieder das altbekannte System. Es stehen ein paar Toepfe rum, man hebt die Deckel und deutet auf das sympathischste Gericht. Ich entscheide mich fuer ein sauer-scharfes Curry und der kulinarische Humboldt bekommt eine Art gruenen Gemuese-Eintopf der mich vage an Kohlsuppe erinnert. Reis und eisgekuehlter gruener Tee erscheinen auch auf dem Tisch. Kostenpunkt 1.25$ US fuer alles zusammen. Willkommen in der Provinz!

Auf dem weiteren Weg machen wir noch einen Abstecher in den Kirirom National Park, wo wir in einem voellig verlassenen Restaurant Cola trinken und auf Plastik Dinosaurierer schauen.

Gegen Abend erreichen wir Phnom Penh und sind einigermassen erschoepft. Unser erstes Ziel “Malis Guesthouse” an der Lakeside – einem der zwei Backpacker Gegenden. Ich war noch nie dort, weiss aber das verschiedene Expats dort leben. Wir finden freundliche Aufnahme und die schweizerisch-kambodschanische Besitzerin laedt uns fuer heute sogar zum Essen ein.

(Fotos folgen)

Motodop Madness!

buebo | August 7, 2006 13:20

Ich befinde mich auf einem Scooter, vor mir der Fahrer, neben und hinter mir eine fast solide Mauer aus anderen Motorraedern, SUVs, schwarzen Rauch ausspuckenden Lastwagen und Cyclos. Ein Elefant treibt sich wahrscheinlich auch irgendwo rum. Kurz gesagt wir schlaengeln uns durch die uebliche Phnom Penh Rush Hour und sind auf dem Weg zurueck zum Ginger Monkey.

Zwischen mir und dem Fahrer balanciere ich einen Karton Vodka und eine Karton Dosenbier, waehrend er in der vorderen Gepaeckablage, zwischen seinen Beinen, eine Tuete mit Milch und Fruchtsaeften verstaut hat.Mein Fahrer beginnt mir sorgen zu machen. Unser Kurs zwischen den Autos, Lastern und anderen Zwei und Dreiraedern ist sogar nach Kambodschanischen Standards als erratisch zu bezeichnen und ich muss mehrmals den Impuls unterdruecken einfach vom Bike zu springen und in der Menge zu verschwinden. “Carefull!”, bruellle ich ihm zu Xten mal ins Ohr und unterdruecke deftige Flueche, nur um ihn lauthals als “Fucking Cunt!” zu bezeichnen nachdem er einen Laster schneidet und uns beinahe in die naechste Inkarnation befoerdert. Doch nicht nur sein Fahrstil laesst zu wuenschen uebrig, er hat auch seine Faehigkeit zum Bargaining verloren. Ein Motodop der nicht unverzueglich anfaengt absurde Preise fuer gerinste Distanzen festzusetzen nachdem er gefragt wird, ist wie ein Hund der den Glanz im Fell verliert.

Nach weiteren Semi-Todesungluecken, voller Adrenalin und Beldeigungen, befinden wir uns im Zielanflug auf meine Bar. Ungefaehr fuenf Minuten vor meiner Pinte haellt er an. Nassgeschwitzt springe ich vom Radl und wundere mich was denn nun kommt.
Er hieft die zwei Kartons von der Sitzbank, klappt sie nach oben, oeffnet den Tank und schuettelt das Bike. Es rauscht und spritzt. Befriedigt nickt er, beugt sich nieder, presst seinen Mund auf die Tankoeffnung und nimmt zwei tiefe Zuege Sprit-Dampf. “Sorry, Sorry” sagt er, schraubt den Tank zu, klappt die Sitzbank wieder nach unten und hieft die Getraenke auf. Kopfschuettelnd setze ich mich wieder auf die Kiste und lasse mich zu meiner Bar chauvieren.
“How much?”, frage ich. “Four Dollar”, sagt er.

Ein paar Tage spaeter gehe ich von meiner Kneipe zur Laundry um Waesche abzugeben, eine strecke die ich zu Fuss in ungefaehr zwei Minuten zuruecklege, von denen ich 45 Sekunden damit verbringe eine heftig befahrene Strasse zu ueberqueren.
Nun muss man wissen das mich – als Bar-Betreiber und Tunichtgut – praktisch jeder touristisch orientere Motodop in der ganzen Stadt kennt, inklusive seiner Onkel, Tanten, Brueder und Schwestern, Freunde und Feinde und allen anderen in seinem sozialen Zirkel. Waherend also der normale Tourist sowas wie “Hello Mister/Lady, wanna go Shooting Range, Killing Fields, Massage, …” gefragt wird, bekomme ich sowas wie “Hello Marc, go Ginger Monkey? Go your house?” zu hoehren.

“Hello Marc, go Ginger Monkey?”, fragt mich also der uninovative Zweirad-Logistiker und bringt mich zum Lachen. Ich deute auf meine vielleicht 100 Meter entfernte Bar und grinse. Verdutzt runzelt er die Stirn. Ploetzlich daemmert es ihm.

“Five Hundert Riel!”

regen in snooky

In Snooky angekommen stolpere ich – ohne mich mit zivilisatorischen Kleinigkeiten wie z.B. den Matsch von den Schuhen zu kratzen oder saubere Klamotten anzuziehen – zunächst mal in die erste Kneipe und treffe dort auch gleich auf Jen, Karrens Schwester.
Mein grummelnder Magen übertönt die Konversation und die zwei Bier in zehn Minuten im grummelnden Magen tuen auch nichts zu meinem Verständnis für die Planung des Abends. Letztlich bekomme ich aber mit das wir uns alle später in einem bestimmten Restaurant treffen. Na gut. Ich suche mir ein Hotel und entdecke prompt das mein Reisepass auch irgendwo in Phnom Penh liegt. Tanzt wahrscheinlich grade mit dem Kupplungszug und allen anderen vergessenen Wichtigkeiten Pogo in meiner Wohnung. Das Feld für die Passport-Number bekommt also einfach eine Fantasie-Kombination verpasst, nachdem ich kurz überlege ob es sechs oder acht Stellen sind und mich schliesslich für acht entscheide. Auf dem Weg zu meinem Bungalow schnappe ich mir noch zwei Bier um den ersten Hotelbetrug meines Lebens zu feiern.
Gegen zehn hat die Welt eine leicht verstörende Tendenz angenommen. Alle Lichter scheinen einen seltsamen Heiligenschein zu haben und jeder spricht nicht mehr wirklich Englisch sondern einen komischen Dialekt den ich zwischen Schottischer Hochlandkomune ohne Kontakt zum Rest der Welt in den letzten 500 Jahren und somalischen Stammeskrieger mit Schluckauf ansiedle.
Entweder war meine gemischte Seafood-Platte schlecht oder ich sollte meinen Alkoholkonsum überdenken. Wahrscheinlich eher letzteres, denke ich mir und ordere noch ein Bier, damit mir bei all den wichtigen Gedanken die Kehle nicht zu trocken wird.
Einige Zeit später befinde ich mich in einer Kneipe irgendwo in der Sihanoukville’schen Innenstadt, wenn man eine Strasse mit eine paar Kneipen an jeder Seite, so nennen kann. Auf einem Beamer läuft Fussball, Brasilien gegen Ghana. Die Brasilianer werden im gewohnten Mangel an Logik schnell als “Motherfucking Cocksuckers” betitelt, während die Ghanesen als “My Good Boys” einzug in mein Herz finden. Sind ja auch praktisch Nachtbarn.
Nach einem Sieg der “Motherfucking Cocksuckers”, diversen verwirrenden Episoden mit manischen Motodops, Verständigungsproblemen und allerlei diversen Fehlfahrten befinden wir uns plötzlich alle in meinem Bungalow. Wir, das sind Jen, Josh der Australier, eine Kanadierin namens Emily – die ich vorher noch nie gesehen habe – und meine Wenigkeit.
Die soziale Interaktion wird weitergeführt. Emily löchert mich mit Fragen von denen ich mich – sobald es Zeit wird zu antworten – nur noch an die letzten paar Wörter erinnern kann. Meine Antworten sind vage, stehen meist in keinem erkennbaren Zusammenhang zur Frage aber sehr enthusiastisch. Irgendwer will einen Joint bauen und produziert etwas, das für mich aussieht wie eine Schultüte die ein Cracksüchtiger Zwergenvater seinem missratenen Sohn zur Einschulung in der Jugendstrafanstalt geben würde. Es schmeckt äquivalent.
Meine letztere Erinnerung, die Kanadierin neben mit blubbert eine ihrer weiteren epischen Fragen vor sich hin, während denen man die Bibel zwei mal lesen könnte. Ich falle ihr ins Wort: “I make you the easy rider, baby!”
Der nächste Morgen war wahrscheinlich verhangen. Nicht das ich irgendwas von ihm mitbekommen habe. Aufgewacht bin ich erst gegen drei und da waren sowohl Himmel wie auch Kopf mehr als verhangen. Draussen schüttet wie in einer CSU-Latrine nach Fassanstich durch Stoiber im Bierzelt und zudem hat irgendwer in meinem Kopf eine Schmiedewerkstatt aufgemacht. Ich überlege flüchtig was nach meinem Easy Rider Angebot passiert sein könnte, komme aber zu keinem Ergebnis. Wahrscheinlich todesartiger Schlaf, zumindest bin ich allein.
Beim Frühstück – Spiegeleier und Brot – beschliesse ich den nächsten Buchladen zu finden und mich den Rest des Tages zu einer Kugel mit möglichst wenig Oberfläche zusammen zu rollen, dem prasselnden Regen zuzuhören und ab und an mal eine Seite zu lesen. Eigentlich müsste ich heute nach Phnom Penh zurück fahren, eine lange Nacht schlafen und morgens auf der Arbeit sein. Keine Chance. Zumal ich auch keine Lust habe vier Stunden durch strömenden Regen zu fahren, also wird der Entschluss gefasst einfach einen Tag in Snooky zu überwintern und am nächsten Tag früh aufzustehen. Zu meiner Verwunderung klappt es sogar und ich stehe morgens um sieben im leichten Nieselregen und schnalle mein Rucksack auf des Bike.
Natürlich konnte auch diese Fahrt nicht ohne Schreckenssekunde ablaufen. Diesmal ein Bild das direkt aus einem Comic stammen könnte. Wahrscheinlich kurz bevor der Protagonist einen höchst erheiternden Tod stirbt.
Highway Ich komme aus einer Kurve gefahren, der Highway ist leer und so bin ich mit knapp 100 km/h unterwegs. Ungefähr 500 Meter vor mir ist ein Arbeiter damit beschäftigt eine bestimmt 3 Meter lange Alu-Röhre zu entladen. Er lädt sich die Röhre auf die Schulter, ich hupe allarmiert, er reist die Augen auf, verfällt in Panik und rennt los, quer über die Strasse! Die Szene hat in meiner Erinnerung eine Surreale Qualität angenommen. Er steht rechts neben der Strasse, die Stange hoch aufgerichtet, plötzlich senkt er und galoppiert wie ein mittelalterlicher Ritter quer über die Strasse, nur schaut er dabei mit weit aufgerissenen Augen auf mein Motorrad und blockiert die ganze Strasse, während ich versuche noch irgendwie zum stehen zu kommen. Ich weiss nicht warum und ich weiss nicht wie. Vielleicht hat er einen Gang zugelegt und ich ein elegantes Manöver vollzogen das ich danach direkt wieder vergessen habe, aber plötzlich bin ich an ihm vorbei ohne auf Alu zu treffen.
Gegen Mittag treffe ich – rechtzeitig für 12 Stunden Arbeit – in Phnom Penh ein.

Zwischen PP und Kampot

Schon seit längerem wollte ich mein relativ neu erkauftes Motorrad mal auf einen längeren Trip nehmen und Bike und sonstiges Equipment einem Test unterziehen, doch die passende Gelegenheit liess lange auf sich warten. Drei eher ungünstig verteilte Tage die Woche Arbeit und restlicher Routine-Kram fressen einen Haufen Zeit und meinen Suche nach einem “Biking-Mate” brachte auch keine Ergebnisse. Schliesslich fasste ich einen Entschluss, raffte meine Entschlossenheit zusammen und machte mich bereit eine kleine Reise alleine anzutreten.
Die Schwester von Karren, meiner Co-Managerin, ist in der Stadt und beide fahren zusammen nach Sihanoukville – in Expat-Kreisen auch Snooky genannt. Karrens Schwester bleibt ein paar Tage länger und der Plan ist mich nach meinen Arbeitstagen auf dem Bock dort runter an den Strand zu schaffen, den Rest des Tages mit Seafood, kalten Bieren, netter Gesellschaft und dem Strand zu verbringen und am nächsten Tage nachmittags nach Phnom Penh zurück zu kehren und frisch und leicht gebräunt den Tag darauf zur Arbeit zurück zu kehren.
Der Abend vorher sieht aus, als würde er meine Planung unterstützen. Der Schein sollte trügen. Eine halbe Stunde vor Schluss taucht eine Gruppe auf und fängt an sich – recht erfolgreich – dumm und dämlich zu saufen. Guter Barkeeper der ich bin, halte ich den Alkoholfluss aufrecht und kann letztendlich gegen vier Uhr morgens den Laden dicht machen. Der Wecker steht auf neun, die Zeit tickt und ich starre schlaflos an die Decke und lausche dem Tagesbeginn meiner Khmer-Nachbarn mit lauter Karaoke. Irgendwann muss ich dann wohl doch weg gedämmert sein.
Ich wache auf, schaue auf die Uhr und bin genervt. 14 Uhr nachmittags. Das Handy blinkt und signaliesiert mir das ich verpennt habe. Danke Handy! Im Schweinsgallop trabe ich unter die Dusche und überlege ob sich der Trip überhaupt noch lohnt. Meine kalkulierte Fahrtzeit nach Snooky dürfte sich zwischen irgendwo bei vier Stunden für ca. 250 km einpendeln. Das GPS sagt Sonnenuntergang ist 18:27 Uhr was mir nach Packen und Duschen noch knapp vier Stunden lässt, wenn ich nicht nach Dunkelheit durch die Kambodschanische Countryside gondeln will. Das ist zwar schön, aber immer etwas gefährlich, weil sich nach Sonnenuntergang immer alles mögliche Getier mitsamt menschlichem Anhang über die Highways wälzt. Was solls! Den Trip habe ich mir verdient. Im Rekordtempo werden also diverse Kleidungsstücke in den Rucksack geschafft, der Rucksack selbst auf dem Bike festgeschnallt und der Gashebel aufgedreht.
Die Fahrt selbst verläuft angenehm genug. Nachdem man die üblichen Gefahren für den Kraftfahrer in Phnom Penh – korrupte Cops, irre Lasterfahrer, etc. – hinter sich lässt, läuft der Highway durch Reisfelder, an Klostern und Dörfern vorbei und bietet sowohl Fotomaterial wie angenehme Zwischenstops. Nicht das ich Zeit für auch nur eines von beiden hätte. Statt dessen wird mit Volldampf durch die Peripherie gedonnert.
Irgendwo zwischen Phnom Penh und Kampot. Ich befinde mich auf einer praktisch leeren Strasse und bin mit ca. 100km/h unterwegs. In professioneller Ignoranz zieht ca. 300m vor mir ein Lastwagen aus einer Einfahrt. Ich ägrere mich noch nicht mal, es ist mal wieder Zeit für eine Vollbremsung und meine Kambodschanischen Motorrad-Instinkte übernehmen, nur leider treten sie ins leere. Die Bremse am Hinterrad reagiert überhaupt nicht. Das Pedal ist zwar durchgetreten aber ich spüre keinen Druck und erst recht keine Bremswirkung. Nun ist es Zeit in Schweiss auszubrechen – was mein Körper auch prompt macht – und die Frontbremse durchzudrücken. Mit schlitterndem Vorderrad komme ich ca. 30cm vor einem riesen Hinterrad zum stehen. Mir fallen nicht mal mehr ein paar deftige Flüche ein.
Am Strassenrand mache ich mich auf Fehlersuche. Eine Schraube – die das Pedal mit dem Bremszylinder befestigt – hat sich gelockert. Ein Fall für den Chinesischen Leatherman von Phnom Penhs Central Market. Die Schraube wird fixiert die Bremswirkung ausprobiert und für gut befunden und weiter geht die Reise – nun etwas vorsichtiger.
Knappe 30km vor Kampot will ich runterschalten um eine Brücke zu überqueren. Die durchschnittliche Kambodschanische Highway-Brücke besteht aus einer Stahlkonstruktion und Holzbohlen als Fahrbahn, wobei durch längs liegende Holzbohlen zwei Bahnen für Autoreifen gebildet werden. Der durchschnittlichen Kambodschanischen Brücke mangelt es auch an Wartung, was bei dieser speziellen Brücke zu einem Loch in der Mitte geführt hat. Kein grosses Problem, man schaltet runter und hält sich auf den längs liegenden Balken. Leider bringt mein versuch runter zu schalten nur ein scharfes “Zing-Boing”. Der Kupplungszug sucht sich genau diesen Moment aus, um zu reissen. Halte ich nun an oder würge das Bike ab, bekomme ich die Kiste nicht mehr angeschmissen ohne einen neuen Zug einzubauen. Meiner liegt natürlich an seinem Stammplatz auf meinem Regal in Phnom Penh. Also nehme ich das Gas etwas runter und donnere mit ca. 60 km/h über die vielleicht 20cm breite Planke, springe förmlich vom Ende der Brücke auf die Strasse und erschrecke ein Schulmädchen auf einem Fahrrad zu Tode.
Eigentlich recht spassig, aber nun muss ich ohne Kupplung nach Kampot kommen und mir dort einen neuen Zug einbauen lassen, was bedeutet entweder ohne Kupplung schalten und das Getriebe über Gebühr abfucken oder nicht schalten und selbst im Getümmel im fünften Gang fahren, also nicht unter 50km/h. Naja, dazu hat Gott die Hupe erfunden.
Nach einigen Nahtoterlebnissen komme ich seltsamerweise unversehrt in Kampot an und kenne natürlich – als weltgewandter Traveller – auch eine Motorradwerkstatt in der ich auch prompt von meinem letzten Besuch wiedererkannt werde.
15 Minuten später und um 5000 Riel (1.25$) ärmer, habe ich einen neuen Kupplungszug im Bike und einen weiteren in der Tasche und kann meine Reise vortsetzen.
Bokor in Wolken In Kampot verschwindet der Asphalt vom Highway und natürlich beginnen die grauen Wolken die seit Tagen am Himmel hängen, in genau der Nanosekunde zu Regnen in der mein Vorderrad auf den ersten Meter ungeteerter Strasse trifft. Im Nu verwandelt sich der rote Staub in roten Matsch und auch meine Bekleidung wird nicht nur nass, sondern nimmt auch eine starke Rot-Färbung an. Irgendwann treffe ich wieder auf Teer und schlagartig schalten die Götter des Missgeschicks (dafür müssen einfach mehrere zuständig sein – einer allein würde an Überarbeitung zu Grunde gehen, Göttlichkeit hin oder her!) den Regen aus. Ich zelebriere Teer auf der Strasse mit Teer in der Lunge und wie praktisch immer wenn man irgendwo in Kambodscha anhält tauchen plötzlich Kinder aus dem Nirgendwo auf. Nach etwas Konversation mit Händen und Füssen und diversen Bewunderern die aufs Motorrad klettern mache ich mich wieder auf den Weg und erreiche schliesslich Sihanoukville Minuten vor Ende der Dämmerung.

to be continued

Kid auf Motorbike

Monkey Business

buebo | Juni 16, 2006 9:19

Morgens um fünf Uhr quäle ich mich aus meinem Hotel-Bett in Bangkok um meinen Flug zu erwischen und rechtzeitig für die Arbeit wieder in Phnom Penh zu sein. “Arbeit?”, höre ich den geneigten Leser fragen. Seit wann arbeitet der ewige Student, Tunichtgut und Müssig-Gangster?

Die Antwort ist: Seit der ewige Student, Tunichtgut und Müssig-Gangster in einen Job gestolpert ist. Zunächst fing alles damit an das der ewige Student (etc. pp.) eine nette Kneipe gefunden hat, nicht zu weit von seiner Residenz entfernt und ausgestattet mit netten Leute von denen einige Freunde wurden. Als einer der Manager zurück nach England ging und sich sein Ersatz als etwas zu sehr dem Alkohol zugetan erwiesen hat, wurde der Job des zweiten Bar-Managers meiner Wenigkeit angeboten. Ich musste nicht besonders lange überlegen. Kulinarische Vollversorgung und andere Boni für Kneipenarbeit an drei Tagen die Woche und das alles in meinem bevorzugten Etablissement.

Doch nun ist es Ein Uhr mittags und ich liege nach ein paar Stunden Schlaf im meinem Bett, lausche dem arythmischen Gepiepse meines chinesischen Weckers und überlege ob der Job wirklich so eine gute Idee war. Meine Pflichten sind spärlich gesäht, aber zur Arbeit aufzutauchen gehört definitiv dazu und genau dafür fühle ich mich nach einem Anstrengenden Wochenende mit dem großen Humboldt in Bangkok nicht in der Lage. Nach einigem Räsonieren raffe ich mich schliesslich auf, schleppen meinen stinkenden Kadaver unter die Dusche und mache mich bereit für die Arbeit. Duschen, Zähne putzen, rasieren und die am wenigsten dreckigen Klamotten raussuchen. Zwischendurch wird noch der Alkohol verflucht, unauffindbare Kopfschmerztabletten gesucht und entdeckt das der Kühlschrank die ganze Zeit aus war und jedes Getränk darin lauwarm ist.

Nach einem kurzen Ritt auf dem Feuerstuhl stehe ich vor dem Ginger Monkey, meiner Bar, zumindest für den kommenden Tag. Anscheinend bin ich etwas zu früh, der der Staff – drei liebenswerte, junge, Kambodschanische Frauen – sind etwas zu spät. Wie dem auch sei, ich trete ein, grüsse die Putzfrau und gehe zum Kühlschrank und angele mir ein Wasser in das ich eine Packung “Royal D” schütte, ein Asiatisches Rehydration Wunderpulver das aus einem ordinären Wasser einen belebenden Trunk macht. Zusammen mit zwei Aspirin und einem Schuss Vodka wird daraus “Bübo’s Bloody Morning”, mein selbstkreierter Cocktail, auf den ich aber heute morgen zugunsten der gesunden Variante verzichte.

Nach einer Zigarette und meinem Drink fühle ich mich wieder Menschlich und der Staff kommt nun auch an. wir tragen die Stühle und Tische raus und die Mädels stellen sie auf dem Bürgersteig auf. Danach öffne ich den Tresor und nehme das Geld für das Tagesgeschäft heraus. Uns gehen die 1$-Noten aus und ich trage sie als erstes auf den Einkaufszettel ein. Danach werden die Getränke gecheckt. Bier, Säfte und die harten Sachen sind alle ziemlich alle. Muss ein gutes Wochenende gewesen sein. Ich trage alles auf meine nun ziemlich Umfangreiche Liste an Einkäufen ein und rufe “Lucky Drinks” an. Entgegen den Namen haben sie nicht nur Drinks, sondern von Toilettenpapier bis zu Dollar-Noten praktisch alles was man für eine Bar braucht.

Das einzige Problem: Während mein Handy eigentlich ganz gut funktioniert habe ich noch nie eine gute Verbindung zu Lucky Drinks gehabt und so ähneln unsere Gespräche eher einem Wettbewerb im Anschreien als einer Geschäfts-Transaktion. Nach zehn Minuten und diversen Missverständnissen – “Mild Seven Light!” “Marlboro Light?” “No Mild Seven!” “Mild Seven!” “Light!” “What Light?” – habe ich meine Order durchgegeben. Normalerweise wäre nun erstmal eine Pause angesagt, aber wir haben eine Party am Freitag und so breche ich mit Karen – meiner Chefin und Herz und Seele der Bar – auf um die Stadt mit unseren Postern zu überziehen. Unser erstes Ziel sind die Guesthouses und Internet-Cafes an der Riverside. Manche wollen kein Poster aufhängen weil sie um ihr eigenes Geschäft fürchten, aber mit Schmeicheleien (”We send most of our friends to your guesthouse!” oder “I stayed here for ten days”) und blinder Ignoranz (”No!” “Not here? Maybe this wall?”) schaffen wir es eine gute Zahl in Guesthouses unterzubringen. Die Internet-Cafes sind dagegen einfach, die meisten haben noch Poster von Veranstaltung vor zwei Jahren an den Wänden…

Unser nächstes Ziel ist die Gegend rund um das Capitol Guesthouse in der sich ein Haufen billiger und meistens einigermassen schäbiger Gasthäuser drängen. Die meisten haben keine Bar und so ist es ziemlich einfach unsere Poster unterzubringen. Gegen halb fünf sind wir wieder zurück in der Bar und ich lasse mir ein “Beef Loc Lac” mit Pommes bringen. Ein ziemlich einfaches aber schmackhaftes Gericht aus gebratenem Rindfleisch in einer Art asiatischer Braten-Sauce bei der ich mir nicht sicher bin aus was sie besteht. Doch Miss Sopia, unsere Köchin und generelle Wissensdatenbank wenn es um irgendwas vage Khmer geht, versteht ihr Geschäft und ich bin gesättigt und zufrieden.

Es tröpfelt ein bisschen und die Geschäfte laufen schleppend. Ich mache etwas Smalltalk mit zwei Kanadischen Backpackern.
“Dude, you ever… err… heard about the Girls?”
“What do you mean?
“The Bars… with all the Girls…”
“Yeah, go to Walkabout, just up one block in this direction.”

Mit Touristen kreisen die Gespräche meistens um die gleichen Themen: Was gibt es zu sehen? Wat Phnom ist ganz amüsant weil man Affen füttern kann, die Killing Fields sind ausserhalb, das Tuol Sleng Museum of Genocide ist im Süden, etc. Drogen sind auch immer beliebt, ja sie können in der Bar rauchen, nein, wir verkaufen keine Drogen, ja, an der Riverside gibt es “Happy Pizza” mit Marijuana, sie koennen sie aber auch hierher liefern lassen. Liefern? Ja, sie wird frei Haus geliefert, übrigens steht auf Besitz bis zu 15 Jahre Haft, nicht das es jemanden interessieren würde, ja, ich lebe gerne in Kambodscha, ja, verrücktes Land.

Die Expats sind ein anderes Thema. Der durchschnittliche Expat sieht sich selbst als höheres Wesen, das in Ländern lebt, die von Touristen nur bereist werden. Man selbst ist Expat, alle anderen sind entweder “Locals” oder “just Tourists”. Ja, ich übertreibe, aber nur ein bisschen. Diese Bargespräche ähneln denen die man auch in Europa hören würde, gemischt mit dem leicht wahnsinnigen Erlebnissen die man in der dritten Welt nicht umgehen kann. Ein Lehrer wundert sich warum sich warum ein Schüler mit Pistole im Holster zum Unterricht kommt. Wahrscheinlich ein Cop, oder ein Gangster mit Holster, die versammelte Gemeinde ist gespalten.

Mittlerweile ist es Abend geworden und ich entschliesse mich Bier zu trinken und zwar in der lokalen Variante. Aus der Dose und auf Eis. Einerseits verhindert das Eis die rapide Erwärmung um schwül-warmen Wetter, andererseits verhindert es die zu schnelle Anhebung des Blutalkohols im Barkeeper. Richtig voll wird es heute Abend nicht, sobald auch nur ein paar Tropfen vom Himmel nieseln verwandelt sich Phnom Penh in eine Stadt mit vollen Guesthouses und leeren Kneipen.

Gegen zwei verlassen die letzten die Kneipe. Der Bangkok-Trip macht seine Nachwirkungen spürbar und in den letzten zwei Stunden hat sich meine Fitness in bohrende Müdigkeit verwandelt. Die Mädels und der Security-Guard beginnen die Stühle rein zu tragen und ich mache mich an die Endabrechnung. 98$ Tagesumsatz. Eher unterdurchschnittlich aber gut für einen Regentag. Das Geld kommt zurück in den Tresor, ich sage “Bye-Bye” zum Staff, schaue dem Security Guard beim Abschliessen zu, schwinge mich auf mein Motorrad und mache mich auf zu Howie´s für ein paar Bier. Diesmal ohne Eis.

Phnom Penh’s groesste Pfuetze

buebo | Mai 31, 2006 9:42

Irgendwann nachmittags in einem Internet-Cafe an Phnom Penhs Riverside, es war schon den ganzen Tag bedeckt und deutete auf Regen hin. Ploetzlich hoere ich Donner und weiss das es bald Regnen wird. Noch bevor ich mich entscheiden kann ob ich den Regen aussitzen, oder schnell die Fahrt nach Hause antreten will, kann ich ihn hoeren.

Ich sitze in einem Raum mit ca. 25 lauten Computern, 10 schnatternden Khmers, einer Amerikanerin die lautstark versucht ueber Internet-Telefonie ihren Boyfriend von irgendwas zu ueberzeugen und einer lauten Klimaanlage. All das geht nun unter in einem alles ueberdeckenden Rauschen. Ein Blick durch die Glastuer zeigt mir das es nicht nur regnet, es schuettet wie aus Eimern.

Die Verbindung wird immer langsamer und bricht bald ganz ab, was mich durch eine loechrigen Tunnel aus Markiesen in das Cafe nebenan treibt. Bei einer Cola und einer Zigarette schaue ich in den Waschmaschinen artigen Regen. Die Sichtweite kann nicht mehr als zehn Meter betragen, die Uferpromenade ist grade noch zu erkennen, dahinter verschwimmt der Fluss im Grau.

Ein knappe Stunde spaeter laesst der Regen langsam nach und der Heimweg wird zur realistischen Option, die ich kurzentschlossen antrete. Mein Weg fuehrt mich am koeniglichen Palast entlang, vorbei an der National Assembly, nach der ich in eine kleine Seitenstrasse einbiege, in der sich mein Haus befindet. Normalerweise eine Fahrt von fuenf Minuten, doch heute erwartet mich eine Ueberraschung.

Die Strasse vor dem Palast hat sich in einen Fluss verwandelt, der an die Palastmauern auf der einen Seite schwappt und sich irgendwo in der aufgeweichten Gruenflaeche auf der anderen Seite verliert. Der Regen hat sich mittlerweile in ein leichtes Nieseln verwandelt und so stehe ich am Ufer meines Heimweges und beobachte:

Jeeps und hohe Laster koennen durchfahren. In der Mitte des Sees steht ein Vertreter vom Kambodschas beliebtesten PKW, ein Toyota Camry, dem das schwarze Wasser bis zu den Tuergriffen reicht. Ein Laster faehrt vorbei und schickt eine Bugwelle bis ueber das Dach des Autos, die Alarmanlage beginnt zu heulen, doch niemand macht den Versuch das Auto aus der Bruehe zu holen.

Die Zahnraeder in meinem Kopf rasten ein und mein Entschluss steht fest, Immerhin bin ich mit meiner neuen Enduro unterwegs, einem Vehikel das die cleveren Ingenieure von Suzuki gebaut haben um Mutter Naturs Gemeinheiten zu trotzen, ein bisschen Wasser wird mich nicht aufhalten. Hoffe ich zumindest.

Meine Geheimwaffe ist der Buergersteig vor dem Royal Palace, der zwar fuer einen Camry zu schmal ist, mein Motorrad aber hoffentlich hoch genug bringt um die Suppe zu ueberwinden. Ich ziehe den Choke, starte die Maschine und mache mich im ersten Gang auf den Weg. Je weiter ich vordringe, deste hoeher steigt die Suppe. Zunaechst bis zu meinen Knoecheln, dann kriecht sie langsam an meinen Schienbeinen empor.

Ich lehne mich zur Seite um einen Blick auf den Motor zu werfen. Das Getriebe ist schon im Wasser verschwunden, der Zylinder ragt aber noch herraus, irgendwo ueber den Zylinder ist der Luftfilter. Sobald der statt Luft Wasser ansaugt habe ich ein Problem das auf den Namen Suzuki Djebel hoert und geschoben werden will, weil der Motor im wahrsten Sinne abgesoffen ist.

Davon trennen mich aber noch gute 50cm und ich befinde mich schon fast am tiefsten Punkt. Mit anderen Worten: Ich mache mir keine Sorgen. Ich sollte mich irren.

Ploetzlich sackt mein Vorderrad in ein Loch, noch bevor ich reagieren kann sackt auch mein Hinterrad ab und das Wasser steigt fast bis zum Tank. Der Motor blubbert dumpf unter Wasser, ich erschreckt mich, ziehe die Kupplung, der Motor stottert und stirbt ab.

Scheisse! Ich schaue mich um, links von mir ein kleiner Khmer, bis zum Bauchnabel im Wasser, er winkt, ich winke zurueck, rechts von mir eine Strasse. Natuerlich! Mein Loch war das Ende vom Buergersteig, also muss ich nur die Strasse ueberqueren und auf den naechsten Buergersteig kommen. Leider produziert der Starter nur ein gedaempftes Juckeln. Bin ich im Worst Case angekommen und kann mein neues Motorrad quer durch Phnom Penh zurueck zum Laden schieben, waehrend ich mich ob meiner eigenen Bloedheit mit einem Palmwedel geissele?

Ploetzlich daemmert es mir. Der Choke! Ich hebe mir das Geisseln fuer spaeter auf und lange in die dunkle Bruehe – immerhin stehe ich schon bis zum Schritt drinn – fummele etwas herum, ziehe erst einen Stock herraus, der in den Motor getrieben ist, finde schliesslich den Choke und druecke ihn wieder in die normale Position.

Ein weiterer Druck auf den Starter erweckt den Motor und meinen Glauben an die cleveren Gnome von Suzuki wieder zum Leben.

Auf der anderen Strassenseite vor mir hat sich ein Park in einem Sumpf verwandelt und ich merke wie sich mein Hinterrad durch den Matsch graebt. Vorbei an winkenden Kindern, durch die Suppe wadenden Moenchen, Motodops die rauchend auf ihren ueberfluteten Maschinen sitzen und mir spoettisch applaudieren, arbeite ich mich wieder aufs Trockene und schliesslich nach Hause.

Endlich angekommen, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, schmeisse meine nassen Klamotten in eine Ecke, greife mir meine Camera, wechsele in meine Badehose und springe wieder aufs Motorrad.

Die Ueberschwemmung hat mittlerweile eine Volksfeststimmung hervorgerufen. In der Mitte spielen Kinder, bis zur Brust im Wasser, am Strassenrand steht eine grinsende Horde Menschen und schaut sich die Autos an, die das Wasser durchqueren oder durchqueren wollen. Mutige Fahrer, die zuegig durchfahren bekommen den erhobenen Daumen, ein Camry der versucht – fast schon am tiefsten Punkt angekommen – zu wenden wird abfaellig bewunken.

Ich helfe einem Schulmaedchen in Uniform ihren Scooter aus dem Wasser zu ziehen und bekomme ein schuechternes Laecheln und ein Ogkun (’Danke’) zur Belohnung. Was fuer seltsame Kreaturen diese Barrangs doch sind! Waehrend ich beginne Fotos zu schiessen, fragt mich ein vorbeilaufender Moench “You like Cambodia?”

“I love it!”, schnappt mein Mundwerk, bevor mein Gehirn einsetzt und ich einen Wai andeute. Der Moench lacht laut auf, bevor er sich an die korrekten Umgangsformen fuer offensichtlich verrueckte Barrangs erinnert und das Weite sucht.

Besuch beim Plastik-Schmied

buebo | Mai 22, 2006 7:39

Die Haustuer meiner Residenz in Phnom Penh ist keine ordinaere Haustuer. Phnom Penh ist eine wilde Stadt in der Einbrueche durchaus vorkommen und so habe ich bevor ich in meiner Wohnung bin zunaechst – vor zwei anderen Schloessern – meine Haustuer zu ueberwinden. Eine ziemlich massive Stahltuer mit einem Sicherheitsschloss in das der Schluessel grundsaetzlich erst nach mehreren Anlaeufen passt.

Diese Tuer hat eine nicht weniger massive Schwelle. Nun habe ich mir fuer ein paar Tage einen Motorroller gemietet um mobil zu sein. Da ich von Natur aus schon mit einer gewissen Paranoia gesegnet bin und mich der taegliche Anblick einer Tuer, die direkt aus Sing-Sing stammen koennte, auch nicht grade entspannt, parke ich also meinen Motorroller jedes Mal wenn ich nach Hause komme im Haus. Das bedeutet jedes Mal wenn ich nach Hause komme, muss ich besagten Roller ueber besagte Schwelle transportieren und jedes Mal machte besagter Roller ein kratzendes Geraeusch.

Jedes Mal, bis auf das letzte. Da machte er ein ganz anderes Geraeusch, naemlich das Geraeusch das Plastik von sich gibt, wenn es bricht. Ergebniss ein Teil der Verkleidung ist sauber an den Verschraubungen rausgebrochen. Das Plastikteil ist voellig in Ordnung, natuerlich bis auf die Schraubloecher. Versuche es einfach wieder reinzustecken, aufschrauben und irgendwie festklemmen und zuletzt deftige Flueche und Zoten bleiben ergebnisslos, bis auf einen Kreis staunender Khmer um mich herrum.

Ich beschliesse Meditation, schaffe denn Roller nochmal ueber die Schwelle um mich in meine Schlafgemaecher zurueck zu ziehen und die Lage zu analysieren.

Lage-Analyse:

  • Der Vermieter hat meinen Pass, denn ich gerne zurueck haette
  • Ich habe einen kaputten Roller, den der Vermieter gerne ganz zurueck haette.
  • Bringe ich den Roller zurueck, bekomme ich keinen Pass sondern eine deftige Rechnung. Bringe ich den Roller nicht zurueck, kann ich ihn mir um den Hals Binden und in den Mekong springen. Ausreisen kann ich nicht.

Moegliche Loesungen:

  • Ich bringe den Roller zurueck und werfe solange Dollar-Noten in einen weit geoeffneten Rachen bis mir die Haende unter dem Rachen meinen Pass zurueck geben.
  • Ich tue irgendwas anderes.

Klug wie ich nun mal bin entscheide ich mich fuer letzteres, ueberwinde den morgendlichen Kater (vom Meditieren), schaffe den Roller wieder ueber die verhaengnisvolle Schwelle (diesmal ohne kratzendes Geraeusch) und stehe nun in der vormittaeglichen Schwuele. Was macht man wenn man nicht weiss was man machen soll? Man fragt!

Natuerlich spricht der naechste Motodop kein Englisch. Was solls! Ich zeige ihm das Plastik-Teil und die Luecke in der Verkleidung wo das Teil sein sollte. Er scheint zu verstehen.

Nachdem ich ihm 10 Minuten durch die morgendliche Rush-Hour gefolgt bin stehen wir an einer Strassenecke. Auf dem Buergersteig sitzt ein junger Mann in den fruehen Zwanzigern vor einer Blechdose in der ein Stueck Kohle glueht und verschiedene heisse Eisen liegen. Neben seiner Blechdose ein kleiner Berg an Plastik-Teilen. Er inspiziert nun auch Teil und Luecke, schraubt noch das Teil ab, an dem das kaputte Teil befestigt war und beginnt sein Werk.

Zunaechst werden verschiedene kleinere Plastikteilchen, kleine Risse und Brueche mit einem duennen Eisen wieder zusammengeschmolzen. Dannach werden Teile aus anderen Verkleidungen ausgeloest und in die Bruchstellen eingepasst. Alles mit Hilfe einer brennenden Blechdose und ein paar heissen Eisen.

Nach ca. 15 Minuten Schmelzen und Hantieren mit den Eisen ist mein Motorroller von aussen wieder wie vorher. Kostenpunkt zwei Dollar fuer alles zusammen.

Mein Leben in Phnom Penh verlaeuft momentan in ungewohnt geregelten Bahnen und das ist nicht mal schlecht.

Man findet ein paar Freunde (indem man sich eine Stammkneipe sucht und sich solange betrinkt bis man jeden kennt und Handy Nummern ausgetauscht hat), organisiert sich ein Appartment (Zwei Schlafzimmer, drei Klos, ja, ich bin dekadent) und sucht nach einem Vehikel (Suzuki Djebel 250ccm ist der momentane Favorit).

Phnom Penh ist eine Stadt in der man recht schnell und oft zu der Ueberzeugung kommt das man den einzigen Punkt auf der Tagesordnung auch noch ein paar Tage verschieben kann und so floss doch recht viel Wasser den Mekong herunter ohne das sich in meinem Dasein als Expat viel Besonderes getan haette.

Waehrend das Leben in Phnom Penh einem taeglich mehr Wahnsinn zumuten kann, als man vertraegt, entwickelt man auch hier eine gewisse Routine. Irgendwann erkennt man auch in einem Pulk von schreienden und winkenden Motodops den bevorzugten Fahrer, die Strassenkinder erkennen den Expat Status an – im Gegensatz zum Touristen – indem sie nur noch halb so aufdringlich sind und Khmer Karaoke morgens um acht vor der eigenen Haustuer wird zur Routine.

Kurz und gut, Phnom Penh und seine Bewohner animieren mich zur Traegheit, Geschaefte haben irgendwie immer irgendwo offen, niemand hat es eilig, Verabredungen zu eiligen Erledigungen enden in endlosen Besaeufnissen (ohne erledigung der eiligen Erledigungen) und die Zeit fliest mal traege mal schnell wie der Mekong dahin.

Damit ist aber bald wieder Schluss! Die Regenzeit ist eingebrochen. Das bedeutet erstens das ich die Blumen auf meinem Balkon nicht mehr giessen muss, zweitens das die Touristenhorden (ja, die gibt es hier) deutlich duenner werden und drittens das die Zeit (kontraer zu meinem Gefuehl) eben doch nicht stehen bleibt, es gilt Wunder zu entdecken und Abenteuer zu erleben.
Kambodschas Sueden habe ich nun innerhalb von zwei Trips nach Kampot und Kep und einem nach Shianoukville schon einigermassen penetriert und obwohl ich es ueberhaupt nicht auschliesse mich nochmal ein paar Tage am Strand im lauwarmen Wasser zu luemmeln, treibt es mich doch zu neuen Ufern.

Nordoestlich von Phnom Penh erstreckt sich eine wildere und vor allem andere Gegend des Landes. Der hauptsaechliche Teil von Kambodscha besteht aus Reisfeldern, mehr Reisfeldern und generell eher flachem Land, waehrend in den beiden Provinzen Mondulkiri und Ratanakiri die Landschaft in Huegel und Schliesslich Berge uebergeht, die nur zum Teil von der ethnischen Mehrheit der Khmer bevoelkert ist. Der Rest der Bevoelkerung besteht aus ethnischen Laoten und anderen Staemmen, jeweils mit ihrer eigenen Sprache und Kultur.

Auch wenn ich mir nicht anmassen will dieses Mischmasch an Kulturen und Sprache zu verstehen (die Khmer selbst sind mir meistens schon voellig unbegreiflich), bin ich doch schon seit einiger Zeit neugierig auf Kambodschas Wilden Osten, zumal auch die Fahrt auf den eigenen zwei Raedern eine der schoensten Routen sein soll, die das Land anzubieten hat.

Mein neuer Masterplan sieht also vor mich etwa 300km an den Baenken des Mekong entlang (falls ueberhaupt passierbar) in noerdlicher Richtung bis nach Kratie (gesprochen so aehnlich wie Krah-Chie!) zu bewegen und mir dort die Mekong Delphine anzuschauen. Dannach wird ein Schlenker nach Sueden gemacht und der National Highway tief ins Herzen der Provinz Mondulkiri genommen. Momentan ist nicht herauszubekommen wie der Strassenzustand ist. Teils ist der Highway geteert, teils nicht, ich kann mich also auf einen interessanten Ritt freuen, zumal die Regenzeit grade startet.

Uebrigens Regenzeit. Ich habe den Titel gewaehlt ohne mir vorher zu ueberlegen was ich eigentlich schreiben will. Nun verbietet mir der Stolz ihn zu aendern (immerhin haette ich mir vorher ueberlegen sollen was ich schreiben will), also gibts jetzt noch eine kurze Lektuere darueber was Regenzeit hier bedeutet. Meine Bild vor diesem Trip sah in etwa so aus:

Die haelfte des Jahres knallt die Sonne vom Himmel und man kann Spiegeleier auf der Strasse braten (die man natuerlich nicht essen sollte). Kein Tropfen Wasser faellt vom Himmel und alles doert aus, die Fluesse werden Trocken und Koepfe platzen wie Bockwuerste in der Mikrowelle. Nach einem halben Jahr rumpelt es ploetzlich, dann knallt es, dann blitzt es und dann regnet es ein halbes Jahr lang ohne zu stoppen, bis die Trockenzeit wieder anfaengt.

Natuerlich ist das alles Bloedsinn. Auch in der Trockenzeit regnet es ab und an (meistens wenn man hinten in einem Pickup-Truck oder auf einem Motorbike sitzt und Stunden vom naechsten Stop entfernt ist) und in der Regenzeit regnet es die groessten Teil des Tages gar nicht. Dafuer bekommt man ein oder zwei mal am Tag eine Dosis aus Gottes eigener Dusch-Brause fuer irgendwas zwischen einer halben und zwei Stunden.

Der wirkliche Unterschied zeigt sich am Himmel und in den Temperaturen. Waehrend sich in der Trockenzeit meistens eine hellblaue Kuppel von den Reisfeldern an einem Ende des Horizonts bis zu den Reisfeldern am anderen Ende erstreckt und man blos mal den Arm aus dem Schatten strecken muss um sich einen Sonnenbrand zu holen, zeigt sich der Himmel im Moment eher in verschiedenen Grau-Toenen, die rein ausserlich dem Deutschen Winter nicht unaehnlich sind. Diese Illusion zerfaellt allerdings sofort wenn man aus der Air-Condition kommt, die Temperaturen sind zwar gefallen, aber sie bewegen sich jetzt in den hoeheren Zwanzigern statt in den hoeheren Dreissigern. Dem Deutschen Winter eher unaehnlich.

Fuer mich und meine Reiselust bedeutet dies eine Erloesung vom roten Staub. Auf dem typischen ungeteerten Highway in Kambodscha faerben sich alle Kleider, Hautpartien und Gepaeck innerhalb von kuerzester Zeit staubig Rot und wenn man unklug genug ist ohne das traditionelle Karo-Tuch der Khmer (Krama fuer die Uneingeweiten) auf einen Motorradtrip aufzubrechen kann man sich darauf freuen auch noch 30 Minuten nach dem Absteigen Staub zu husten.

Statt dessen werde ich in Zukunft den roten Staub gegen roten Matsch eintauschen und mein Krama statt als Staubfilter vor Mund und Nase als Schal gegen den Regen im Jackenkragen tragen und ich prophezeie ein paar Ueberraschungen und Umwegen wenn sich angeblich gute Strassen in Schweinkuhlen und Flussbette verwandeln, aber das ist es was das Leben hier so interessant macht.

Das Naturgesetz

buebo | Mai 3, 2006 14:58

Es gibt eine statistische Korrelation in meinem Leben, gegen die ich machtlos bin. Ich kann keinen Internationalen Flug absolvieren, ohne verkatert zu sein. Ich bin einfach machtlos dagegen. Natuerlich waere die einfache Antwort, nichts zu trinken, aber jeder Mensch der sein Leben nicht in einem Schuhkarton im Regal seiner Grossmutter lebt, weiss das nur sehr wenige Dinge so einfach sind wie sie aussehen. Dies ist keines dieser Dinge.

Aber ich will von vorne anfangen. Bei meiner letzten Einreise ins Koenigreich Kambodscha haben eine Reihe von Faktoren – wie meine generelle Ueberforderung durch die mieseste aller Grenzen und meine Koerpergefuehl nach sechs Stunden Busfahrt, wie auch die brennende Hitze – dazu gefuehrt das ich einfach nur genickt habe bei allen Fragen und zum Schluss von den Waechtern der Grenze mit einem Touristenvisum ausgestattet wurde. Dieses erlaubt den Aufenthalt fuer einen Monat und laesst sich um einen weiteren verlaengern, dannach ist Schluss.

Das vertraegt sich natuerlich schlecht mit dem Plan in Kambodscha zu bleiben und so musste ich einen Visa-Run machen. Da sowieso noch ein paar Besorgungen anstanden und Bangkok das Einkaufsparadies von SO-Asien ist, nehme ich also den Bus nach Bangkok und Quartiere mich in der Naehe der Sukhumvit-Road und damit der Einkaufsmeile ein.

Kommt man aus Europa nach Bangkok, erlebt man eine dreckige, aber lebendige Stadt. Man sieht Elefanten auf den Strassen, Nutten an fast jeder Ecke, betrinkt sich furchbar und glaubt die Dritte Welt zu erleben.

Kommt man von Phnom Penh nach Bangkok sieht man das etwas anders. Bangkok ist aus dieser Perspektive eine futuristische Science-Fiction Stadt und fast schon unglaublich zivilisiert. Thailand mag offiziell ein Land der Dritten Welt sein, Bangkok ist aber eine der modernsten Staedte ueberhaupt, etwas das ich erst nach Kambodscha wirklich begriffen habe.

Aber ich komme vom Thema ab, nach vier Tagen in Bangkok will ich wieder nach Phnom Penh. Die Busse brauchen normal zwei Tage, ein schnellerer ist fuer 20 Euro zu haben, aber ich fuehle mich nicht wirklich nach dem ganzen Mist und ich weiss genau das sie wieder ueber Siam Reap fahren, was bedeutet ich muss mir wieder stundenlang von Schlagloechern in alten russischen Bussen das letzte bisschen Grips aus der Ruebe pruegeln lassen.

Die Entscheidung faellt leicht, nach vier Tagen in Air-Condition, Thai-Massagen und drei warmen Mahlzeiten am Tag liegt mir die Dekadenz nicht fern und ich kaufe mir ein Ticket fuer einen Flug am naechsten Tag. 3400 Baht fuer eine Stunde fliegen gegen 1200 Baht fuer zwei Tage Schmerzen. Einfache Rechnung…

Es kommt der Abend der Entscheidung. Waehrend meiner Zeit in Bangkok habe ich bis Dato keinen Tropfen Alkohol angeruehrt. Nicht mal ein Bier zum Abendessen, nichts. Ich bin stark, unverwundbar und ich will morgen keinen Kater haben. Bitte!

Doch die Verlockung lauert ueberall. Meine Seitenstrasse ist gesaeumt von Bier-Bars voller Thai-Girls die nichts lieber sehen als Chang-Bier das meine Kehle herab rinnt. Doch ich bleibe stark, entschliesse mich zum Abendessen in einem kleinen Restaurant, ich trinke Cola zu meinem Pad Thai mit Seafood.

Dannach stoppe ich auf dem Heimweg in einer Bar um mir ein paar Zigaretten zu kaufen. Der andere Kunde fragt mich ob er eine meiner Zigaretten haben kann, ich sage “na klar!” und wir kommen ins Gespraech.

Er ist ein Seemann und hat grade seine grosse Liebe verloren. Waehrend er auf See war hat sein Girlfriend sich einen Neuen gesucht und heiratet heute. Die Thais sind ein Volk das wirklich viel auf Woerter wie “Big Love” gibt, er erklaert mir mit Traenen in den Augen “My heart is broken”.

Es gibt in der ganzen Welt nichts traurigeres als einen traurigen Matrosen und so kann ich einfach nicht anders als ihm ein Bier zu kaufen und mir auch eines zu goennen. Alles andere waere voellig unmoeglich, wenn nicht gar undenkbar. Fuenf Bier spaeter und wir gehen in einen anderen Kneipe und nach noch ein paar Bieren entschliesst er sich nach einem neuen Girlfriend zu suchen, wenn auch nur fuer eine Nacht. Ich passe, wuensche ihm viel Vergnuegen und wanke in Richtung des naechsten Motorbike-Taxis.

Ab diesem Zeitpunkt hatte sich mein Englisch auf eine Reihe von guturalen, unzusammenhaengenden Grunzlauten reduziert, die in den haeufigen Momenten trunkener Gedankenlosigkeit durch laute deutsche Flueche und hessische Mundart zusammengehalten werden. Ich kann es nur telepathischen Faehigkeiten und hoeherer Intervention zuschreiben das mein Chauffeur es schafft mich unverletzt (auf einem Motorrad wild zu gestikulieren, waehrend der Gleichgewichtssinn wimmernd im Mittelohr rotiert, kann ungesund sein) und im richtigen Hotel abzuliefern.

Neun Uhr morgens, der Wecker klingelt und schickt bohrende Schmerzen durch mein gemartertes Hirn. Das Natuergesetz hat wieder zugeschlagen und ich frage mich wie ich in diesem Zustand meinen Rucksack packen und die Flughafen-Formalitaeten hinter mich bringen soll.

Nichts desto trotz laeuft alles ohne Probleme ab, ich komme rechtzeitig zum Flughafen, zahle die richtigen Summen an die richtigen Laeute (Taxe an den Taxi-Fahrer, Departure Tax am Departure-Tax-Schalter, …), das Essen im Flugzeut ist sogar gut und nach einem Kaffee fuehle ich mich halbwegs menschlich, auch wenn ich innerlich den Himmel dafuer verfluche es mir schon wieder angetan zu haben. Ich hasse es im Flugzeug verkatert zu sein, es ist unbequem, man kann nicht schlafen und nicht mal zehn mal in der Stunde aufs Klo rennen ohne bei den Mitreisenden den Eindruck eines Gefaehrlichen Irren zu machen, der am besten die Funktion der Notrutsche in 8000 Meter Hoehe ausprobieren sollte.

Irgendwann stehe ich vor dem Kambodschanischen Visums Schalter. Natuerlich habe ich es schon geschafft der Letzte zu sein und auch den Unmut der Beamten zu erregen weil ich keinen Stift habe und mir von ihnen einen leihen muss. Der naechste Flug kommt erst in mehr als einer Stunde und ich kann sehen das sie lieber ihre Ruhe haetten als einem schwitzenden Barang zuzuschauen der versucht mit zitternden Haenden in fuenf verschiedene Formulare immer die gleichen Daten einzutragen.

Shit, warum unterscheiden sich die Passport-Nummern in zwei Formularen? Wie kann man es schaffen seinen eigenen Namen innerhalb von fuenf Minuten auf zwei Unterschiedliche Arten falsch zu schreiben, ?

In der Hitze des Moments trage ich bei “Purpose of Visit” natuerlich Hollidays ein, wie ich es bis jetzt in allen Formularen gemacht habe. Dannach faellt mir auf das ich ein Business-Visa will und die fuer Urlauber nicht zu haben sind. Nach kurzer Ueberlegung aendere ich es in Hollidays/Studies um. Dem Beamten gefaellt das nicht.

“This is two things? What Studies? Hollidays no Business-Visa!”

Durch meine vernebelten Sinne kommen nur Fragmente seiner Saetze, will er meinen Ruf als Wissenschaftler in Frage stellen? Wenn ich hier Studien betreiben will, will ich hier Studien betreiben! Ich beginne eine umstaendliche Erklaerung ueber meine geplanten Studien, die natuerlich kompliziert wird durch den Fakt das ich keine Studien geplant habe.

Er unterbricht mich: “Hollidays? I can not give you Business-Visa! Studies I give you Business-Visa!”. Ich borge mir wieder seinen Stift und streiche Hollidays, zehn Minuten spaeter und um die offiziellen 25$ aermer bin ich wieder willkommener Gast des Koenigreichs Kambodscha, ausgestattet mit einem Business-Visa um meine Studien durchzufuehren.

Auf dem Heimweg bekomme ich dann auch gleich noch eine Demonstration in Sachen Korruption. In einem schattigen Fleckchen neben der Ampel haben sich ein Soldat und ein Polizist positioniert und beaeugen den vorbeifliessenden Verkehr.

Ich habe mir in Bangkok eine robuste Camoflage-Hose zum Motorrad-Fahren gekauft, da sie lang ist und mein Rucksack klein, trage ich sie trotz der Hitze. Gesetzeshueter und Landesverteidiger bitten mich zu einem Gespraech auf dem Buergersteig und mir wird erklaert das es nicht erlaubt sei diese Hose zu tragen, da man mich mit einem Soldaten verwechseln koennte. Ich erklaere das schwitzende, rotgesichtige Barang in roten T-Shirts wohl kaum in Verwechslungsgefahr mit den Streitkraeften seiner Majestaet kommen, mit oder ohne Hosen und ungeachtet ihrer Farben. Sie erklaeren mir noch einmal das es mir nicht erlaubt ist die Hose zu tragen.

Ich erklaere meine Herkunft vom Planeten Mars und unsere friedliche Gesinnung, nichts liege mir ferner als einen Soldaten zu geben. Sie erklaeren mir….

Nach ca. 20 Minuten auf dem Buergersteig verlieren wir alle die Lust an Hoeflichkeiten und die Verhandlungen beginnen. Natuerlich wollen sie Geld weil ich die falschen Hosen trage und natuerlich will ich so wenig wie moeglich rausruecken. Sie bieten an mich zur Wache zu eskortieren, damit ich dort die Sache mit einem Offizier klaere. Das ist fuer alle Beteiligten Mist, weil ich letztlich den Offizier bezahlen werde und sie nichts bekommen. Ich biete an in der Deutschen Botschaft anzurufen und jemanden herzubitten der uns behilflich ist. Das ist natuerlich auch Mist fuer alle Beteiligten. Die Lage klaert sich nachdem ich meine altes Visum gezeigt habe und damit deutlich wird das ich in Fakt nicht zum ersten Mal hier bin und daher kein ganz so leichtes Opfer. Schliesslich sind wir ja alle Freunde und versuchen ein Problem aus der Welt zu schaffen.

Letztlich biete ich fuenf Dollar an um die Sache zu bereinigen. Sie wollen mehr, ich frage nach einer Quittung. Oh Wunder, die Quittungen sind grade ausgegangen. Muessen wohl schon ein paar Militaristen durch gekommen sein… Ich druecke dem Polizisten fuenf Doller in die Hand, mache den traditionellen Abschied indem ich meine Haende nor dem Kopf in einer betenden Geste zusammenpresse und huepfe auf mein Motorbike-Taxi. Der Soldat will auch Geld aber ich zeige einfach auf dem Polizisten und sage das ich nur einmal zahle, sie sollen sich einigen.

Mein Motordop will erst nicht losfahren, immerhin sind hier noch ungeregelte Affaere mit dem Gesetz, aber ich bleibe einfach sitzen und insistiere, sicher in dem Wissen das sie bezahlt wurden und sie schwere Probleme bekommen, sobald sie auch nur die Hand an mich legen. Dem Soldaten gefaellt das gar nicht. Der Motodop gibt schliesslich nach, wir fahren los.

Willkommen zurueck!

Meine Nachforschungen haben ergeben das es wohl nicht nur in Kambodscha sondern auch in vielen anderen Asiatischen Laendern verboten ist in Tarnkleidung umherzulaufen. Fremde Laender, Fremde Sitten…