
Wir sind in Pattaya. Der geneigte Leser mag sich nun mehreres Fragen:
- Wie kommen meine zwei bevorzugten Tunichtgute von verpennten Hippie-Hangout Vang Vien ins Thailaendische Sodom&Gomorra?
- Warum sind meine zwei bevorzugten Tunichtgute nach Pattaya gefahren?
- Was ist mit den Motorraedern, dem grossen Trip und ueberhaupt?
Die erste Frage laesst sich einfach beantworten: Man steigt morgens um sechs Uhr in den Public Bus von Vang Vien nach Vientianne, laesst sich dort zur Thai-Lao Friendship Bridge kutschieren, ueberquert die Grenze nach Thailand, nimmt einen Bus nach Bangkok, faehrt per Taxi vom Northern zum Eastern Bus Terminal und nimmt von dort aus den naechsten Bus nach Pattaya. Dauert alles zusammen ungefaehr 22 Stunden.
Natuerlich beantwortet das eigentlich nicht die Frage.

Laos: Schoen ist’s ja schon…
Nach vor vier Tagen sassen wir in Luam Prabang, einer wunderschoenen Stadt, Wasserfaelle in der Naehe und die Innenstadt besteht aus nichts als Historischen Tempeln, vergoldeten Stupas, Kolonialgebaeuden und netten Kneipen. Sogar die Strecke zwischen Vang Vien und Luam Prabang ist atemberaubend schoen. Trotzdem kommt bei uns nicht so wirklich gute Laune auf. Es ist einfach ziemlich langweilig.
Nun mag man mich nicht falsch verstehen. Ich mag die Laoten ganz gerne, sie sind weniger penetrant und agressiv als die Thais oder die Khmers und auch Nord-Laos ist wunderschoen, man stolpert nur so ueber Tempel, Wasserfaelle, Felsen, mahlerische Fluesse usw. usf., nur leider reicht mir das nicht. Ich brauche auch ab und an mal etwas Nachtleben und gerade daran mangelt es.
Alle Kneipen machen zwischen elf und zwoelf zu, wenn man noch abenteuerlustig ist kann man sich zwar in Luam Prabang noch in eine Vietnamesische Bar kutschieren lassen, die mehr wie ein Hobbykeller in Frankfurt aussieht. In Vientianne gibts wohl noch die Karaoke-Rooms und diverse halbseidene Vergnuegungen aber das alles sumiert sich eher zu einem Nachtroecheln als einem Nachtleben.
Nachtmarkt in Luam Prabang
Wir beschlossen also von Luam Prabang langsam die Rueckreise anzutreten und die Fuehler auszustrecken ob nicht jemand unsere Motorraeder kaufen will. Tobias geht zur Massage und trifft auch gleich auf einen Laoten der interesse ankuendigt und am naechsten Morgen auch mit fuenf Kumpels aufkreutzt. Nach einer dieser wunderbaren Asiatischen Verhandlungen bei denen alle rumstehen, sich untereinander unterhalten und alle halbe Stunde mal ein Preisangebot abgeben koennen wir uns aber immer noch nicht einigen und machen uns so von Luam Prabang wieder auf den Weg nach Sueden, was bedeutet wieder Vang Vieng, wahrscheinlich eine der langweiligsten Staedte des gesammten fernen Osten.
Unsere Fahrt verlaeuft genauso atemberaubend wie der Hinweg. Die Strasse zwischen Luam Prabang und Vang Vien windet sich in engen Serpentinen an ihrer hoechsten Stelle ueber 1000 Hoehenmeter hinauf. Die Luft wird Frisch und die Aussicht mit jedem Meter besser. Der Bus braucht fuer die Strecke ungefaehr zehn Stunden, wir machen es in fuenf und haben viel Spass.
Zwischen Luam Prabang und Vang Vien
Waehrend das Mekong-Tiefland eher zum Wohlhabenderen Teil von Laos gehoert, sind die Menschen hier oben in Nord-Laos arm. Die Doerfer bestehen fast nur aus Strohgedeckten Holzhuetten und wir sehen Muetter die ihre Kinder in der einzigen Wasserstelle des Dorfes waschen und auch der untruegliche Wohlstandsindikator in Suedost-Asien – neue Honda Motorroller – ist nicht zu entdecken. Sobald wir zum Tanken anhalten bekommen wir Opium angeboten und realisieren das sich hier oben das Hauptanbaugebiet befinden soll. Ein Kilo Opium kostet angeblich 30$. Wahrscheinlich kein Wunder das wir hier oben auch viele Soldaten und ueberhaupt einen ganzen Haufen Waffen sehen.
Tankstop
Vom antiquirten Jagdgewehr mit dem ein Jugendlicher in den Wald aufbricht, ueber eine Pistole die ein Lasterfahrer im Guertel stecken hat bis zu diversen AK-47s die von irgendwelchen halb und ganz uniformierten durch die Gegend getragen werden. Bis vor ein paar Jahren gab es hier noch bewafneten Widerstand und die Strasse wahr ohne Gefahr fuer Leib und Leben nicht zu passieren. Kein Wunder, Opium ist wahrscheinlich eine der wirklichen Cash-Crops in Laos und ich kann mir vorstellen das die Herren Generaele auch nicht nur die Wahrung der Sicherheit im Sinn haben wenn sie hier gegen Drug-Lords durchgreifen.

Dorf kurz vor Luam Prabang
Doch sollten sich hier die Ereignisse ueberschlagen. Wir kommen Abends an und drehen eine Runde mit unseren Motorbikes. Nach einigen Versuchen bei den ansaessigen Motorbike-Vermietungen, die allerdings eher Irritation und Unverstaendniss erzeugen, einem Gespraech mit einem Belgier der Quads vermietet, aber nur voellig unsinnige Preisangebote macht landen wir schliesslich etwas ausserhalb beim Maylyn Guesthouse. Man zeigt sich interessiet und sagt dann einfach so “Ja!”. Keine Testfahrt, kein rumgenoergel (”I have to replace screw, give me discount!”), nix. Wir sollen am naechsten Tag wieder vorbeikommen. Wir koennen es zwar nicht so ganz glauben, vergammeln aber doch den naechsten Tag und schauen Abends wieder vorbei, wobei wir ohne grossen Umstand das Geld in die Hand gedrueckt bekommen.
Nun haben wir uns vorher alle moeglichen Schwierigkeiten ausgemalt, ewige Verhandlungen, wuetende Kickboxer, tollwuetige Wasserbueffel, von denen keine aufgetaucht ist, was uns etwas kalt erwischt. Wohin denn nun eigentlich und was machen?
Holzner will nach Bangkok und auch ich ueberlege. Aber eigentlich, was soll ich in Bangkok? Na gut, es gibt einen Militaerputsch zu bestaunen, aber das scheint auch eine eher statische Angelegenheit zu sein (zumindest momentan). Da faellt es mir wie Schuppen aus den Haaren. Es fehlt an dem Irrsinn des asiatischen Nachtlebens? Pattaya! Das Thailaendische Sin City. Ich war noch nie da und habe nur Geschichten gehoert von einer Stadt die sich in ihrer Gesammtheit dem einen (Sex) und dem anderen (Geld) verschrieben hat. “Bangkok”, murmelt der grosse Humboldt, “Pattaya”, machtworte ich und ein paar Stunden spaeter sitzen wir im sechs-dreissig Bus von Vang Vieng nach Vientienne.
…und was ist mit den Motorraedern, dem grossen Trip und ueberhaupt? Die Antwort ist einfach: “Es ist vorbei”
Realistischerweise waere uns aus Zeitgruenden nicht mehr viel geblieben ausser die Rueckreise anzutreten, uns wieder nach Phnom Penh zu schaffen, die Bikes dort zu verkaufen und dann nach Hause zu fliegen. Wir haben es einfach etwas abgekuerzt und legen nun noch ein paar Tage Strand ein.
Soweit uebrigens zu merken ist, ist hier ueberhaupt nichts zu merken vom Militaerputsch, wahrscheinlich ist hier einfach zu viel Geld zu verdienen als das man sich ernsthafte Gedanken ueber solche Nebensaechlichkeiten zu machen koennte. Nach der Grenze haben wir ein paar Soldaten gesehen, die aber eher aussahen wie die Lausbubenbrigade mit neuen Plastikgewehren und auch in Bangkok konnte man ab und an mal ein paar Soldaten an Bruecken oder anderen anscheinend strategisch wichtigen Stellen erblicken, aber hier ist nix, falls man nicht zu den wenigen gehoert die hier Zeitung lesen koennte man es wahrscheinlich auch direkt verpasst haben.
Tags: Lao,Motorrad,Thailand,Unterwegs
Kategorien: Asien '06, Buebo's World
6 Kommentare »
Das habt ihr zu sagen: