Ich befinde mich auf einem Scooter, vor mir der Fahrer, neben und hinter mir eine fast solide Mauer aus anderen Motorraedern, SUVs, schwarzen Rauch ausspuckenden Lastwagen und Cyclos. Ein Elefant treibt sich wahrscheinlich auch irgendwo rum. Kurz gesagt wir schlaengeln uns durch die uebliche Phnom Penh Rush Hour und sind auf dem Weg zurueck zum Ginger Monkey.
Zwischen mir und dem Fahrer balanciere ich einen Karton Vodka und eine Karton Dosenbier, waehrend er in der vorderen Gepaeckablage, zwischen seinen Beinen, eine Tuete mit Milch und Fruchtsaeften verstaut hat.Mein Fahrer beginnt mir sorgen zu machen. Unser Kurs zwischen den Autos, Lastern und anderen Zwei und Dreiraedern ist sogar nach Kambodschanischen Standards als erratisch zu bezeichnen und ich muss mehrmals den Impuls unterdruecken einfach vom Bike zu springen und in der Menge zu verschwinden. “Carefull!”, bruellle ich ihm zu Xten mal ins Ohr und unterdruecke deftige Flueche, nur um ihn lauthals als “Fucking Cunt!” zu bezeichnen nachdem er einen Laster schneidet und uns beinahe in die naechste Inkarnation befoerdert. Doch nicht nur sein Fahrstil laesst zu wuenschen uebrig, er hat auch seine Faehigkeit zum Bargaining verloren. Ein Motodop der nicht unverzueglich anfaengt absurde Preise fuer gerinste Distanzen festzusetzen nachdem er gefragt wird, ist wie ein Hund der den Glanz im Fell verliert.
Nach weiteren Semi-Todesungluecken, voller Adrenalin und Beldeigungen, befinden wir uns im Zielanflug auf meine Bar. Ungefaehr fuenf Minuten vor meiner Pinte haellt er an. Nassgeschwitzt springe ich vom Radl und wundere mich was denn nun kommt.
Er hieft die zwei Kartons von der Sitzbank, klappt sie nach oben, oeffnet den Tank und schuettelt das Bike. Es rauscht und spritzt. Befriedigt nickt er, beugt sich nieder, presst seinen Mund auf die Tankoeffnung und nimmt zwei tiefe Zuege Sprit-Dampf. “Sorry, Sorry” sagt er, schraubt den Tank zu, klappt die Sitzbank wieder nach unten und hieft die Getraenke auf. Kopfschuettelnd setze ich mich wieder auf die Kiste und lasse mich zu meiner Bar chauvieren.
“How much?”, frage ich. “Four Dollar”, sagt er.
Ein paar Tage spaeter gehe ich von meiner Kneipe zur Laundry um Waesche abzugeben, eine strecke die ich zu Fuss in ungefaehr zwei Minuten zuruecklege, von denen ich 45 Sekunden damit verbringe eine heftig befahrene Strasse zu ueberqueren.
Nun muss man wissen das mich – als Bar-Betreiber und Tunichtgut – praktisch jeder touristisch orientere Motodop in der ganzen Stadt kennt, inklusive seiner Onkel, Tanten, Brueder und Schwestern, Freunde und Feinde und allen anderen in seinem sozialen Zirkel. Waherend also der normale Tourist sowas wie “Hello Mister/Lady, wanna go Shooting Range, Killing Fields, Massage, …” gefragt wird, bekomme ich sowas wie “Hello Marc, go Ginger Monkey? Go your house?” zu hoehren.
“Hello Marc, go Ginger Monkey?”, fragt mich also der uninovative Zweirad-Logistiker und bringt mich zum Lachen. Ich deute auf meine vielleicht 100 Meter entfernte Bar und grinse. Verdutzt runzelt er die Stirn. Ploetzlich daemmert es ihm.
“Five Hundert Riel!”
Tags: Der tägliche Wahnsinn,Kambodscha,Unterwegs
Kategorien: Asien '06, Buebo's World
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