Brasov oder die Hostel-Erfahrung
buebo | August 6, 2009 17:09Ankunft in Brasov und im Hostel, nur noch ein Bett im Sechsbett-Zimmer frei? Kein Problem, was solls, heute will ich Gesellschaft. Also erstmal runter in den Keller und mein Bett bezogen. Riecht ein bisschen wie Tigerkäfig, aber wenigstens brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben mit den muffigen Motorrad-Klamotten die Luft noch weiter zu verdicken.
Trotzdem will sich die gesuchte Gruppendynamik nicht recht einstellen, scheinbar hat mal wieder jeder seine Kumpels dabei, nur ich bin (ebenfalls mal wieder) allein unterwegs.
Abends pilgere ich erstmal ins Irish Pub der Stadt, wenn schon einen auf Gesellschaft machen, dann aber auch richtig. Leider nur Rumänen am start und denen fehlt scheinbar völlig die Kneipenkultur. Als Deutscher kann ich eigentlich darüb schlecht klagen, immerhin kann man doch bei uns sechs Stunden lang am Tresen hocken ohne auch nur ein Wort mit einem anderen Gast zu wechseln. Ich bin wohl noch von Asien verwöhnt, wo es durchschnittlich gefühlte zwei Sekunden gedauert hat, bevor man mit wildfremden Menschen Gespräche führen dürfte, manchmal auch musste.
Hier dagegen sieht es für mich eher mediterran aus, soll heißen alle hocken im Straßencafe an ihren Tischen und bleiben unter sich. Also Irish Pub, wobei sie hier halt auch alle unter sich an ihren Tischen hocken. Statt mich also mit Feuerzeug-Benzin zu übergiessen und anzustecken trinke ich einfach ein paar Bier, lese die lokale Expat-Zeitung und begebe mich dannach zurück ins Hostel, wo ich ziemlich direkt einschlafe und damit wahrscheinlich den Schnarchkonzerten der anderen entgehe.
Na gut, beim nächsten Frühstück wirds schon mal besser und die ersten Gespräche ergeben sich auch ziemlich direkt. Irgendwie gefällt mir das Hostel-Leben schon ganz gut, gibt man sich ein bisschen aufdringlich, ist immer jemand in der Gegend um sich zu unterhalten. Natürlich ist das nichts für ewig, aber für ein paar Tage hier und da funktioniert es besser, als ich es mir vorgestellt habe.
Nach dem Frühstück fahre ich in Richtung Bran, wo angeblich Draculas Schloss stehen soll. So wie ich es verstehe streiten sich die Experten ob er tatsächlich einmal oder niemals das Schloss betreten hat.
Unten im Ort türmen sich schon die Touristen übereinander und vor dem Eingang zieht sich die Schlange für geschätzte 50 Meter.Spontan beschliesse ich es einfach wo anders zu probieren, steige wieder auf das Motorrad und fahre richtung Sibiu, wo ein Schloss im Stile von Neuschwanstein stehen soll, das sich der erste Rumänische König (anscheinend ein Hohenzoller) hat bauen lassen. Scheinbar auch eines der ersten mit elektrischen Strom, zentralem Staubsauger, Aufzügen und Klimaanlage. Gebaut im 19. Jahrhundert wohlgemerkt.
Auf dem Rückweg werde ich von der Polizei angehalten. Ich sehe schon sämtliches Bargeld aus meinem Geldbeutel verschwinden, doch es kommt mal wieder anders.
“Papers please, what kind of bike is this?”
“My friend rides a Yamaha 450cc, I just like ATV.”
“Turn light on, have a nice day!”
Mit Handschlag verabschieden wir uns, meine positive Überraschung brauche ich wohl kaum zu betonen…
Wenig später holt mich natürlich der Regen ein und ich frage mich wieder einmal warum ich eigentlich eine wasserdichte Jacke dabei habe, aber keine Hose. Zumindest kann ich mich damit vergnügen, mit mir selbst zu wetten wie lange es wohl dauert bis das Wasser durch die Hose gesickert ist und mir von oben in die (wasserdichten) Stiefel läuft…
Es wird Zeit richtung Süden zu fahren, das Transsilvanische Wetter zerrt mir etwas an den Kräften.
Tags: Balkan,Bran,Dracula,Motorrad,Sebes,Unterwegs
Kategorien: Projekt Balkan
2 Kommentare »



















2 Antworten zu “Brasov oder die Hostel-Erfahrung”
Wer hat die Wette gewonnen, wie schnell das Wasser durch die Hose sickert?
Ich natuerlich, kenne mich doch aus
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