Sibiu, Targu Mures und mein Problem mit Städten
buebo | August 4, 2009 17:18Sibiu, auch genannt Hermannstadt, wirklich schön und toll, trotzdem werde ich nicht richtig warm mit der Stadt und es dauert eine Weile, bis ich realisiere, warum nicht. Eigentlich dauert es noch bis zur nächsten Stadt. Dazu aber gleich mehr.
Zunächst mal Sibiu, auch genannt Hermannstadt: Schöne Altstadt, nette Leute, zentrales Hostel. Ankunft nachmittags und erst mal Wäsche machen. Meine Socken riechen langsam, als wollten sie bald von alleine los laufen.
Gegen Abend mache ich mich auf zum zentralen Platz und schaue mir das Nachtleben an, das meiste scheint sich hier in der Altstadt auf den drei mit einander verbundenen zentralen Plätzen abzuspielen. In meinem verknitterten Hemd und dreckigen Jeans komme ich mir leicht underdressed vor, allerdings ist meine Kamera groß genug um jedem sofort klar zu machen, dass ich sowieso ein Tourist bin und daher außerhalb der Konventionen agiere.
Also auf in die nächste Pizzeria (wenn es ein überall vertretenes Nahrungsmittel in Rumänien zu geben scheint, dann Pizza und zwar mit Ketchup!) und erstmal Abendessen, dann noch zwei Bier in zwei verschiedenen Kneipen und ab ins Bett.
Am nächsten Tag durchwandere ich etwas die Stadt, kann mich aber nicht so richtig aufraffen irgendwelche Museen oder andere kulturelle Geschichten zu absolvieren. Letzten Endes verbringe ich den Nachmittag dabei meiner Wäsche beim Trocknen zu zuschauen und Trash Serien auf RTL zu schauen.
Der 30 Jahre alte XY lebt noch bei seiner Mutter, hat nun eine Telefonrechnung von 800€ und sich angeblich verliebt. Mutter engagiert eine Privatdetektei, die seine Geliebte letztlich in einem runtergekommenen Wohnblock in irgendeiner Vorstadt auftreibt. Alles stellt sich als Schwindel und SMS-Abzocke heraus und genau um das zu sehen bin ich nach Rumänien gefahren…
Ein Tag weiter und ich fahre wieder nach Norden. Die Landschaft wechselt von den Schroffen Felskanten zu weich dahinrollenden Hügeln. Erster Stop ist Sighişoara, wo angeblich Dracula geboren wurde. Man darf zweifel haben, was aber die Horden von Touristen auch nicht zu interessieren scheint. Ich drehe drei Runden durch die Stadt, kann keinen plötzlichen Sympathieschub fest stellen und beschließe kurzerhand weiter zu fahren.
Letzten Endes verschlägt es mich nach Târgu Mureş, noch ein Stück im Norden. Târgu Mureş scheint mir eine ziemlich normale rumänische Stadt zu sein. Am Stadtrand die üblichen sozialistischen Norm-Blocks, dahinter mehr oder weniger chaotisch angeordnete Straßen. In der Mitte gibt es ein bisschen Habsburg-Architektur zu bewundern, die man allerdings innerhalb von einer halben Stunde abgelaufen hat.
Letzten Endes vetreibe ich mir die Zeit damit ein paar Fotos zu schießen, mir die orthodoxe Kapelle von innen anzuschauen und etwas durch die Gegend zu laufen.
Irgendwas stimmt nicht und es dauert etwas bis ich darauf komme, was es ist.
Motorrad fahren ist eine Tätigkeit, die ihrer Natur nach immer allein ausgeführt wird. Man kann zwar in der Gruppe fahren, die gleichen Straßen nehmen und sich unterwegs über Funk unterhalten.
Trotzdem hält man den Lenker allein in der Hand, trifft unendlich viele Mikroentscheidungen in jeder Zeiteinheit und setzt sich den positiven, wie auch negativen möglichen Folgen allein aus. Insofern lässt sich auch das Erlebnis nur unvollständig mit anderen Teilen. Selbst bei einer gemeinsamen Ausfahrt, fährt doch niemand die exakt die gleiche Strecke auf exakt die gleiche Art.
Kultur, Essen, Gemälde, Theater, Nachtleben sind Dinge die vom gemeinsamen Erleben ihre Bedeutung erhalten. Nur durch die gemeinsame Reflektion wird es wirklich lebendig.
Entweder besorge ich mir also einen Papagei, Affen, Pottwahl oder irgend ein anderes halbwegs intelligentes Säugetier mit dem ich meine Erlebnisse teilen kann, oder ich ändere irgend etwas grundsätzliches.
Hier erstmal ein paar Fotos von Sibiu und Târgu Mureş.
Und morgen fahre ich in das abgelutschteste Traveler Guesthouse, das ich finden kann und mache mal richtig auf Gesellschaft.
Tags: Motorrad,Rumänien,Tour,Unterwegs
Kategorien: Projekt Balkan
1 Kommentar »























Eine Antwort zu “Sibiu, Targu Mures und mein Problem mit Städten”
Tolle Bilder!
Denk an das Konzept Korzo, müsste es da unten auch geben, auf zentralen Plätzen von ca. 18-21 Uhr zeigen sich die Dörfler in aller Pracht…
Gruß
t.
Lust zu kommentieren?