Projekt Balkan: Die Anreise oder wo ist der Groove?
buebo | Juli 26, 2009 13:41Schon mal jemand den Disney-Streifen “Ein Königreich für eine Lama” gesehen? Ich schon, mehrmals, auch wenn ich mich nicht an viel erinnern kann.
Eine Szene ist mir aber im Gedächtnis geblieben. Der junge König wird von einem Diener angerempelt und fühlt seinen Groove gestört. Alle rennen durcheinander und rufen “der Grooove, der königliche Groooooove ist gestört!”
So ungefähr war meine Anreise. Wo bleibt der Groove?
Erstmal die Abfahrt nach dem Abschied von Andi wollte ich eigentlich spätestens um sieben Uhr dreißig los. Mit irgendwelchem Kram, Gepäck verstauen, noch schnell Geld ziehen und was weiss ich für Trödeleien ist es dann doch viertel vor zehn geworden. Also los jetzt!
Auf die Autobahn und hmm… jaa… los jetzt… put put brum brum töff töff. Okay, Einzylinder auf der Autobahn. Mein neues Synonym für Langeweile. Aber wenigstens ergibt sich auch bis zum Abend nicht mehr viel als bohrende Langeweile, ein leicht verspannter Nacken und mehr bohrende Langeweile.
Ist zumindest schon mal besser als unerträgliche Agonie, wie ich sie eigentlich erwartet hätte. Dafür fahre ich auch mit Radlerhose und Airhawk Luftkissen und wenn ich Erwachsenenwindeln und wattierte Unterhosen da hätte, die hätte ich auch noch angezogen.
Ja, KTM fahren ist was für harte Männer, aber nicht nur für harte Männer und wenn jemand wirklich mein meine Fahrleistung von so ungefähr 700km an einem Tag ohne Kissen und Kuschelwäsche toppen zu müssen und sich sein Hintern danach nicht fühlt wie Berlin nach dem Einmarsch der Sowjet-Armee dann bitte schön. Zur Belohnung darf er das dann alles noch mal fahren.
Österreich, Neusiedler See, kurz vor der Ungarischen Grenze. Ich beschließe das es das dann für den Tag sein soll und fahre zum nächsten Campingplatz. Wiso hören sich die Österreicher mit diesem Wiener Akzent eigentlich immer an wie schlechte Falko Doubles? “Jaaa, aanen Kääämbing Platz, den haaahm miiiir!”. Na Super, bis mir auffällt das ich tatsächlich eben nicht meine Hängematte einfach am See aufspannen darf, sondern “gehen’s schon in’s abgezäunte Geländ’ maan Herr”.
Natürlich alle Bäume besetzt bis auf zwei direkt am Weg, aber keine Möglichkeit vernünftig abzuspannen. Wird schon nicht stürmen. Haha, jaja. Natürlich stürmts doch, irgendwann gehts nicht mehr, ich schiebe die Käthe noch rein und bin daran an. Zehn Minuten später schepperts, die Käthe fällt um und alles verheddert sich. Zumindest sehe ich Leute auf mich zu rennen, bestimmt um mir zu helfen.
Die Leute rennen zu ihren eigenen Zelten und legen sich schlafen, ich entwirre mich selbstständig und renne meinem Schlafsack hinterher, der sich laut flatternd zu einem Vollbad im See aufmacht.
Zeit aufzugeben, einzupacken, den spannenden Regensturm aus der ersten Person Singular zu bewundern und im Dorf macht auch schon die dritte Pension die Tür auf. Irgendwie hatte ich mir das alles anders vorgestellt und habe ich eigentlich schon erwähnt das mein Abblendlicht ausgefallen ist?
Nächsten Tag dann durch Ungarn bis nach Rumänien rein. Alles halb so wild wenn auch wieder mal langweilig. Ich bereue etwas nicht lange bei den Pfadfindern gewesen zu sein. Hätte ich wenigsten ein paar Lieder im Repertoire, die ich mir jetzt in den Helm singen könnte.
Kurz vor der Grenze wird die Autobahn zur Landstraße und wenigstens groovt es beim Laster überholen. Bis ich dann die erste Polizeikontrolle sehe. Zum Glück haben die schon wen anders am Wickel und lassen mich passieren.
In Rumänien überlege ich kurz bis nach Brebu Nou durch zu fahren, aber erstens ist das Kaff nicht auf meiner Karte und zweites soll Timiosoara ganz nett sein. Dort angekommen irre ich durch die Stadt und frage mich warum ich eigentlich meinen Reiseführer unten im Koffer vergraben habe. Um da ran zu kommen müsste ich jetzt den mitgebrachten Hinterreifen abschnallen, was allein schon zehn Minuten dauert und das Ding dann auch noch ausgraben.
Mittlerweile ist mir auf der einen Seite klar das ich wohl die coole, günstige Pension durch blosses umher irren nicht finden werde, auf der anderen Seite bin ich aber nach der verdorbenen Nacht und ohne den Tag über irgendwas gegessen zu haben, zu stur um mir die Wahrheit einzugestehen.
Also lande ich letzten Endes in dem prätentiösen Roayal Plaza Hotel für knapp 50€ die Nacht. Schimmel in der Dusche und viel zu weiche Betten und ich frage mich – nicht zum ersten Mal – wo ist der Groove?
Trotzdem und gerade deswegen, es wird besser, die Anreise ist überwunden, die Reise hat begonnen und morgen geht es zur Enduromania. Ich freu mich drauf.
Tags: Österreich,Enduromania,falko,groove,KTM 690 Enduro,Ungarn,Unterwegs
Kategorien: Projekt Balkan
2 Kommentare »













2 Antworten zu “Projekt Balkan: Die Anreise oder wo ist der Groove?”
Statusmeldung von Projekt BB
Teufel und meinereiner konnten keinen Groove finden, können leider nicht weitersuchen der Höllenschlund hat heute Ruhetag. Viel Spaß noch auf Projekt Pulverfass
Ps. Woraus besteht eigentlich die Anreise bei einer Rundfahrt?
)
Mir erscheint die Suche nach dem goldenen Groove eine Familienangelegenheit zu sein….auch Tabbo sucht regelmäßig den Groove, findet ihn aber bei Hasen- bzw. Katzenjagd in Wald, Wiese bzw. elterlichem Garten.
Ein grummelig bis freudiges “Wuff Wuff” aus Hofheim sowie ein anspornendes und gedanklich mitleidendes “toi toi toi” von B.,R. und A
TSCHAKKA!!!!!!!
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