Ein Sonnestrahl verirrt sich und trifft vor mir auf die Straße, spiegelt sich in einer Pfütze, erhellt kurz ein fahrendes Auto und verschwindet wieder hinter einer Wolke.

Ich genieße das sonore Brummen des Einzylinders unter mir und muß grinsen. Es tut einfach gut mal wieder mit dem Motorrad unterwegs zu sein und dabei auch ein konkretes Ziel vor den Augen zu haben. In diesem Fall Müden an der Mosel. Wer von dem Dorf noch nichts gehört hat, kann sich beruhig zurück lehnen. Ausser Mosel, Wein und Burg Elz scheint es hier auch nicht viel zu geben.

Was Müden an der Mosel für mich interessant macht, ist das es direkt neben Pilliger Heck liegt, und dort findet das Dirt4Fun Einsteiger Training statt. Die Teilnahme hat mir meine Freundin geschenkt, als Gegenleistung habe ich versprochen ohne gebrochene Glieder wieder zu kommen – ich versuche es, Schatz! – und auf mich auf zu passen und nicht zu fremden Männern ins Auto zu steigen und nicht zu viel zu trinken und erst recht nicht zu fremden FRAUEN ins Auto zu steigen und noch eine Reihe anderer Sachen, deren Details ich hier nicht ausbreiten will.

Der grundsätzliche Plan ist am Freitag anzureisen, irgenwo in einer Pension bis Sonntag einzuchecken und Samstag Morgens frisch und fröhlich die letzten paar Kilometer abzureissen. Genauso habe ich es auch gemacht. Jeder, der das wissen wollte, kann nun aufhören zu lesen.

Natürlich entgeht jedem, der nun aufgehört hat, eine kleine Saga mit seltsamen Japanern, einem zerfetzten Schaal, unvergleichlicher Schusseligkeit, demewigen Kampf gegen den Kickstarter und der größten Schlammschlacht meines kleinen Universums.

Mal von vorne: Natürlich ist doch nicht alles ganz so glatt gelaufen, wie es sollte. Die TTR hatte leider immer noch ein etwas seltsames Heißlaufproblem. Grundsätzlich deutet das auf eine zu magere Verbrennung hin.

Der Profi reisst dann erstmal den Vergaser raus, schaut sich Nadeln, Düsen, Schwimmer und Zuleitungen an, säubert die ganze Chose im Ultraschallbad und baut dann alles mit verbunden Augen wieder zusammen, während er paralel noch etwas Quantenphysik betreibt.

Ich bin kein Profi. Das wurde mir direkt klar, nachdem ich den Doppelvergaser erstmal gelöst hatte.
Die Jungs aus dem TTR-Forum (LINK EINFÜGEN), gehen von einem irgendwie porösen Ansaugstutzen aus, über den Falschluft in den Zylinder gelangt, das Gemisch abmagert und die Verbrennung erhitzt.

Für mich hörte sich das alles ganz logisch an, bis ich den Vergaser erst mal in der Hand hielt, um mich herum Schellen, Schrauben, mysteriöse Unterlegscheiben und anderer technischer Kram. An diesem Punkt war mir alles egal und ich wollte das Ding nur wieder eingebaut wissen. Von mir aus soll doch der Kolben mit dem Getriebe verschmelzen, wenn ich jetzt nur nicht einen Tag vor der Abfahrt dieses Ding auseinander nehmen und – vor allem – wieder zusammen bauen muss.

Also kniff ich den Schwanz ein und trat einen galoppierenden Rückzug an. Alles was ich wollte, war ein laufendes Motorrad und hier stand ich, die Lunge des Patienten in der Hand im Blindflug durch unbekanntes Territorium. Wie konnte es eigentlich dazu kommen? Das war mal eine Antwort, die ich überhaupt nicht hören wollte.

Ich baute zurück. Natürlich blieben ein paar Schrauben übrig und eine Schelle zerkrümmelte sich, denn nach “fest” kommt meistens “ab”.

Die Schrauben liegen nun auf der Fensterbank als ewige Erinnerung daran, daß man Dinge, die man nicht zu Ende bringen kann besser gleich lässt und die Schelle wurde durch ein billiges Teil aus dem Baumarkt ersetzt und tatsächlich lief die Kiste nicht nur, sie schien auch lange nicht so heiß zu werden.

Am nächsten Tag ist Abfahrt, doch nach den ersten 100 Metern war dann aber mal wieder umdrehen angesagt. Aus dem Ölkühler sprudelte es nur so herraus. Ich hatte die Schrauben mit Teflon-Band umwickelt um sie abzudichten. Nur den oberen Teil des Gewindes und auch schön sorgfältig, so wie es mir erklärt wurde. Trotzdem nicht dicht. Schlimmer konnte es aber nicht mehr werden, also vor der Hütte direkt das Werkzeug ausgepackt, Teflonband raus und fast eine halbe Rolle auf beide Schrauben gewickelt, nicht sorgfältig und auch nicht schön, aber dicht.

Nichts hält länger als ein gutes Provisorium, sagt der Philosoph.

Dann also richtig Aufbruch und siehe da, alles läuft super. Das Wetter ist zwar durchwachsen aber nicht schlimm, die Klamotten halten dicht und sogar die Geländereifen meinen es gut mit mir und der Strasse, nachdem ich sie auf 1,5 Bar abgelassen habe.

Ich gondel gemütlich am Rhein entlang, genieße die Fahrt und freue mich endlich mal wieder unterwegs zu sein. Bis mich das Navi über eine Fähre schickt. An der Fährstation habe ich schon ein ungutes Gefühl dabei die Karre auszumachen. Werde ich sie Kraft meiner Beine wieder zum Leben erwecken?

Der Kickstart und ich sind noch nicht die besten Freunde. Genau genommen bestraft er meine Fehler gnadenlos. Finde ich den OT nicht, gibt er nur ein röchelndes Furzen von sich. Gas versehentlich auf drehen bedeutet das Knie wird gegen den Lenker geschlagen und dauert das alles zu lange dann säuft die Kiste sowieso ab.

Irgendwie mag ich Kickstarten und diesmal klappt es auch vorbildlich. Die Fähre kommt, ich kicke, der Motor brummt und meine Wundwinkel kriechen in Richtung Ohrmuscheln, während ich langsam auf die Fähre rolle.

Ich hasse Kickstarten! Die Fähre legt an, die Autos fahren los. Ich kicke, kicke, kicke, schiebe. Scheisse!

Was ist jetzt los?

Irgendwo sifft Benzin raus und die Karre springt auch nicht an. Ich drehe den Benzinhahn zu und will eben wieder kicken, als ich eine Gruppe Japaner auf Urlaubstour sehe. Neugierig schauen sie zu mir hinüber, plötzlich geht ein Raunen durch die Gruppe: “Ya-Ma-Ha!”.

Sie kommen rüber und schauen mir beim Kicken zu. Ich schwitze etwas: OT vergeigt. Der OT oder obere Totpunkt ist der Punkt, wenn der Kolben ganz oben im Zylinder steht. Den muss man so halbwegs treffen. Steht man in voller Montur, schwitzend auf der Rheinpromenade, umringt von einer andächtig “Ya-Ma-Ha” murmelnden Gruppe Japaner, ist dieser Bereich kleiner als Dieter Bohlens Talent für Operngesang.

“Ya-Ma-Ha!”, raunt es wieder aus der Gruppe, “Yes, Yes, very good!” sagt ich und verfluche diesen miesen Krapfen innerlich und siehe da: Die Göttin der Metall gewordenen Einzylinderfasznination schenkt mir ihr brabbelndes Lied. Die Gruppe Japaner wendet sich faszinierenderen Zielen zu, bis auf einen.

Der sagt “Ya-Ma-Ha!”. Ich sage “Yes, very good!” um höflich zu sein.

Er sagt “Hoon-Da!”. Ich sage “Ähm, Yes, also very good!”, weil er mir langsam Angst macht.

Er sagt “Ya-Ma-Ha”. Ich sage gar nix mehr. Mir kommt die Idee das ein kleines Japanisches Dorf jetzt gerade im Moment seinen Idioten vermisst. Trotzdem ganz schön massiv gebaut der Kerl. Bestimmt Karate-Meister.

Dann fällt mir ein das dieses Geschepper hinter mir von meinem Fahrzeug kommt. Ich rufe “Yamaha, Krutzitürken! Hossa!”, schwinge mich auf den Bock und verschwinde in einer Wolke feinster japanischer Abgase. Leider komme ich nur genau 500 Meter weit, bevor der Motor abstirbt.

Ganz schön dummes Gefühl.

Das Beste was ich dem Motor entlocken kann, sind röchelnde Furzgeräusche. Also woran liegt’s diesmal? Ich kicke, kicke nochmal, ziehe mir wieder die Klamotten aus, ach stimmt ja! Benzinhahn wieder aufmachen hilft und siehe da, beim ersten Kick an. Also Klamotten wieder anziehen und los.

500 Meter später tut es einen seltsamen Schlag vom Ritzel her und ich frage mich wo ist eigentlich mein Schal?

Bei der Abfahrt lag er noch auf der Sitzbank. Also anhalten, die Fetzen aus dem Ritzel ziehen. Zwei Wanderer kommen vorbei und ich sage “Aha!”, so als ob meine schlimmsten Vermutungen über die Weltverschwörung sich gerade bestätigt hätten. Lassen die Leute hier also hier einfach ihre Klamotten auf der Straße liegen, bis sich unschuldige Motorradfahrer das Zeug in die Kette ziehen. Schweinerei!

Bin ich etwa schon wieder der Depp? Irgdendwo in der Ferne meine ich Japanisches Lachen zu hören…

Der Schal ist raus, ich fahre los, doch warum sprotzt und hüstelt der Motor so? Bevor ich noch die Hand am Benzinhahn habe geht die Kiste wieder aus. Im Rückspiegel sehe ich die beiden Wanderer. Der eine lacht, der andere schüttelt nur den Kopf. Zum Glück ist die nächste Tankstelle nur 300 Meter entfernt und nach dem Tanken verschwinde ich möglichst unauffällig.

Etwas später fängt es dann richtig schön an zu regnen. Die Klamotten halten zwar dich aber das Fahrgefühl mit den Stollenreifen ist anders, oder einfach nicht vorhanden. Irgendwie werde ich überhaupt nicht warm mit den Dingern, das Ganze fühlt sich an als hätte man gar keinen Kontakt mit der Straße, statt dessen fühlt es sich an, als ob das Hinterrad leicht rutschen würde. Sogar im Schritttempo bei leichten Kurven. Was ja eigentlich nicht sein kann.

Hoffe ich zumindest.

Trotzdem, man muss auch mal loslassen können, nicht immer alles kontrollieren, Dinge einfach mal passieren lassen. Ich gebe Gas und werde mit dem schönsten Drift der Welt belohnt. Schade nur das die letzte Kurve von nun an eine lang gezogene, braune Spur schmückt.

Man sollte auch mal zu seinen Fehler stehen. Ja die Reifen machen mir Angst im Regen. Ja ich fahre wie eine Mimose in Ballerina-Schüchen. Ja, mich hat eben ein kleines Mädchen auf einem Dreirad in der Kurve überholt.

Dafür komme ich an!

Der nächste Morgen:

Es ist dumm und unnötig sich über das Wetter aufzuregen. Es ist das Wetter, globale Tendenzen, die sich nicht im mindestens von Greinen, Schreien, Haare raufen oder Faust-Gegen-Den-Himmel-Schütteln beeinflussen lassen, treffen aufeinander, Warm und Kaltfronten umtanzen sich über dem Atlantik, in New York schlägt ein Schmetterling mit den Flügeln, irgendwo am Rhein sagt jemand in tiefer Verwirrung “Ka-Wa-Saki?!” und schon regnet es.

Man hat weder ein Ziel für die eigene Erregung, noch irgendeine Chance den Missstand zu verändern. Menschen, die sich über das Wetter aufregen, müssten eigentlich auch gegen die Schwerkraft demonstrieren und versuchen den Mond abzuschaffen.

Trotzdem, manchmal ist das Wetter einfach zu… präsent. Zum Beispiel wenn einem eiskalter Regen waagrecht ins Gesicht schlägt, während man auf einer völlig verschlammten Wiese Kreise und Achten fahren soll.

Morgens sah es noch sehr schön und viel versprechend aus. Nach der nassen Anfahrt schien die Sonne, der Himmel war blau und die TT sprang schon auf den ersten Tritt hin an.

Beste Zustände und auch die Auffahrt aus dem Moseltal hinauf nach Pilligerheck kam geradewegs aus den feuchten Träumen eines jeden Motorradfahres. Eine gute Straße,  mehr Kurven als ein Korb voller Schlangen, kaum Verkehr, keine Geschwindigkeitsbegrenzung und eine Malerische Aussicht.

Das Navi hatte ich vorher abgebaut um die Verletzungsgefahr zu reduzieren. Natürlich war mir nicht ganz klar wo ich eigentlich hin musste. Kaum erblicke ich dann das Schild Dirt4Fun fängt es natürlich an zu regnen. Aber man regt sich ja nicht über das Wetter auf, wozu auch? Ändern kann man ja doch nichts. Alles Easy. Was solls?

Im Hof warten schon ein ganzer Haufen Leute, die später in drei Gruppen aufgeteilt werden. Die Fortgeschrittenen, die Anfänger und die Anfänger mit Leihmotorrädern. Ich werde zu den Anfängern ohne Leihmopeds geschickt.

Erste Übung ist im Stehen im Kreis zu fahren. “Dein Arsch ist viel zu weit hinten”, bekomme ich gesagt und versuche von da an den Schritt über den Tank zu bekommen. Am Anfang fühlt es sich sehr seltsam an im Stehen zu fahren, während das Motorrad unter einem anscheinend macht, was es will.

Irgendwann finde ich jedoch mit den Knien eine Art Kuhle im Tank, die mir so vorher noch gar nicht aufgefallen war. Von da an geht es sehr gut sich mit den Knien am Tank fest zu halten und sich mit den Armen (”Ellenbogen raus! Aktive Fahrposition!”) auf den Lenker zu stützen.

Der Vormittag vergeht mit Grundfahrübungen, wie sie wahrscheinlich fast jeder aus der Fahrschule kennt. Im Kreis fahren, Slalom, Achten, Beschleunigen und Bremsen. Dieses Mal allerdings im stehen und auf einer Wiese die sich im rasenden Tempo in ein Matschloch mit der Konstistenz von Seifenschaum verwandelt.

Wer so etwas mal gemacht hat weiß es ist anstrengend. Ich hatte es noch nie gemacht. Jaja klar, anstrengend. Butter aufs Brot schmieren ist auch anstrengend. Haha. Von Wegen! Irgendwann geht mir die Puste aus, ich komme zum stehen und schaue zurück. Grandios, das müssen mindestens, hmm, neee, mehr, also mindestens 300 Meter sein, die ich eben zurück gelegt habe. Da kann man sich ja mal ein Päusschen gönnen. Bei dem Wetter auch noch. Dem Scheiss-Wetter.

Im Gegensatz zum Rest der Gruppe bin ich auch der einzige, der sich mit einem Kickstarter abplagen muss. Wer nun zum nächsten Absatz springt um dem üblichen Genörgel zu entgehen, kann auch wieder zurück springen. Tatsächlich brauchen die E-Starter oftmals länger als ich um den Motor zum laufen zu bringen. Einzig auf matschigen Boden die Karre im Stehen und ohne Ständern anzukicken mag mir noch nicht so recht gelingen.

Sogar als ich mich später mehrmals lang mache springt die Karre auf den ersten oder zweiten Kick wieder an. Reine Technik-Frage und ich habe das Gefühl mich langsam aber sich der der richtigen Technik anzunähern. Abends tut mir trotzdem der rechte Fuß mehr weh, als der linke.

Pünktlich zum Mittagessen zeigt das Wetter dann auch noch mal Präsenz. Blauer Himmel während der Grill angefeuert wird und kaum sind die Steaks fertig, regnet es. Nicht das es sich lohnen würde sich aufzuregen. Gehört alles dazu und mit Helm und Handschuhen fühlt man sich fast wie in einem kleinen, wasserdichten und warmen Schneckenhaus. Jetzt müsste man nur das Steak irgendwie einfädeln können. Aber egal, selten hat mir warmes Fleisch so viel Vergnügen bereitet, auch wenn es in einer Regen-Suppe schwimmt und ich die Faust gegen den Himmel schütteln will.

“Ist das alles was du kannst?!”, schreie ich aus voller Brust gen Himmel.

Nicht.

Am Nachmittag kommen wir zu etwas anspruchsvolleren Übungen und fahren einen kleinen Hügel rauf und runter. Bei der Auffahrt nach vorne lehnen und bei der Abfahrt Kupplung ziehen und Gewicht nach hinten bringen, ich habe das Gefühl so langsam mein Rhythmus zu finden und mich ganz gut zu schlagen.

Zwischendurch fahren wir immer mal wieder eine Runde um das Gelände, wobei sich dann auch an der einen oder anderen Stelle mal die Gelegenheit ergibt tatsächlich bis in den zweiten Gang zu beschleunigen. Nun reizt mich auf der Straße der Anzug von der TT nicht wirklich vom Hocker, aber hier im Schlamm und Schmodder fühlt es sich an als ob ich auf dem schnellsten Gerät überhaupt unterwegs währe. Man steht in den Rasten und scheint förmlich über die Spurrinnen und Matschlöcher zu fliegen. Bis man dann wirklich fliegt, aber hier zeigt sich der Boden von seiner besten, weichen Seite. Man hat nur etwas Angst das der Schiet über einem zusammen schlägt und man einfach drin verschwindet.

Der Rest des Nachmittags vergeht bei weiteren Übungen, wie dem Bremsdrift oder einer kleinen Steilauffahrt und so langsam fordert die Erschöpfung ihren Tribut in der Gruppe und immer mehr lassen es für heute gut sein. Ein paar wenige üben noch die Auffahrt und für die letzte Runde um den Platz bin ich der einzige, der sich noch meldet.

Auf der letzten Auffahrt erwischt es mich dann auch direkt zwei mal. “Normalerweise ist das gar kein Hindernis”, kommentiere das einer der Instruktoren. Jetzt ist jedoch die Erde derartig aufgeweicht das man fast keinen Grip mehr aufbauen kann um den lang gezogenen Hügel hinauf zu kommen. Wüsste ich nicht, das es geht, würde ich es nicht mal versuchen. Was am Morgen noch ein Feldweg war, hat sich mittlerweile in ein einziges Matschloch verwandelt, durchzogen von tiefen Spurrrinnen und Pfüzten, deren Tiefe nicht abzuschätzen ist.

Beim ersten Mal kann ich nicht genug gegensteuern, die TT stellt sich quer und fällt im Zeitlupentempo um, ich hinterher. Ich liege im Matsch und versuche erst mal zu Atem zu kommen. Irgendwann rappel ich mich auf und versuche die Karre aufzurichten. Keine Chance, der Untergrund ist so rutschig das ich schlicht wegrutsche anstatt das Motorrad zu bewegen. Mit der Hilfe von Hans, dem Instruktor, kriegen wir die Karre dann doch aufgestellt. Also wieder Kicken aber entgegen meiner Befürchtungen ist sie direkt wieder da.

300 Meter weiter erwischt es mich dann aber direkt wieder. Gleiche Situation und wieder bekomme ich die Karre nicht aufgestellt. Okay vielleicht bin ich doch erschöpfter als ich gedacht hatte. Wieder hilft mir Hans, doch  diesmal schickt er mich mit seiner KTM vorran um die TT selbst hoch zu fahren.

Auf der KTM oben angekommen entgegne ich als Antwort auf die fragenden Blicke der anderen “Er ist auf Yamaha umgestiegen. Hat gemeint KTM taugt nix.”, stelle die Karre ab und wundere mich das er nicht kommt. Dann fällt mir etwas ein und ich laufe zurück. Er steht auf der Auffahrt und Kickt wie ein Wilder. “Das wird jetzt gleich weh tun”, denke ich mir und rufe runter

“Benzinhahn ist zu, den mache ich immer zu wenn sie liegt!”.

Sein Komentar: “Heute Abend gibst du einen aus!”

Am Sontag verpenne ich etwas die Zeitumstellung und muss mich morgens beeilen. Gar nicht so schlimm, immerhin bleibt dann weniger Zeit sich um die Matschflecken auf dem Teppich Gedanken zu machen. Am Vorabend habe ich noch versucht Schadensbegrenzung zu betreiben und mir die Klamotten noch auf dem Innenhof ausgezogen. Trotzdem sind bei jedem Schritt faustgroße Brocken vom besten Lehmboden aus meinem Klamottenbündel gebrochen und haben sich direkt im grünen Teppich zu größter Bräune ausgebreitet.

Auf unserem Matschspielplatz angekommen, werden die Gruppen neu aufgeteilt. Einerseits gibt es eine Gruppe, die sich weiter mit den Grundübungen beschäftigen soll und andererseits eine, die etwas sportlicher zur Sache gehen soll. Ich lande in letzterer, darf aber zurück kommen, falls mir die Kickerei zu sehr zu schaffen macht.

Als Aufwärmtraining fahren wir wieder eine Runde um das Anwesen. Anscheinend hat es Nachts nochmal geregnet denn die verschlammte Auffahrt macht uns allen eher noch mehr zu schaffen, als am Tag vorher. Hier kommt man nur hoch, wenn man es wirklich hart angeht. Auf die Rasten stellen, Gewicht schön nach vorne, das Gas voll aufreissen und und hochschalten sobald es geht. Dreht sich das Hinterrad schnell genug, fliegt der Matsch ab und es bekommt wieder mehr Grip.

Hinter mir steigt eine Dreckfontäne in die Höhe und die Hinterhand schwänzelt wild von Links nach Rechts und zurück, aber irgendwie geht es tatsächlich voran.

Bis ich vor der ersten Kurve etwas den Mut verliere, das Gas zumache, den Schwung verliere und prompt wieder im Matsch lande.

Unter anderem probieren wir noch eine verschlammte Steilabfahrt im Wald – dieses mal aber auf einem von den Leihmotorrädern – und wie man das Motorrad von einer Abfahrt wieder runter bekommt, auf der es nicht mehr weitergeht. Dazwischen fahren wir immer wieder die Hausrunde, auf der es irgendwann nur noch über den Acker neben dem Feld weitergeht.

Gegen 15 Uhr beschließe ich dann den Heimweg anzutreten, die meisten anderen Teilnehmer sind sogar schon weg, anscheinend hat die Anstrengung des Wochenendes ihren Tribut gefordert.

Mein Weg führt mich über die schönen, kurvigen Nebenstraßen zwischen Rhein und Mosel. Doch etwas fühlt sich ungewohnt an, ich komme mir wie entkoppelt vom Motorrad vor. Nach kurzer Zeit fällt mir auf, das ich zu ersten Mal seit zwei Tage mehr als eine kurze Strecke im Sitzen fahre. Trotzdem, das Fahrgefühl hat sich verbessert. Zwar rutscht und scharwenzelt der hinten montierte Mefo Stonemaster noch immer etwas unkontroliert durch die Gegend, doch macht es mir lange nicht mehr so viel aus. Ich habe mich wohl an das Gefühl der rutschenden Hinterhand gewöhnt.

Dieses Mal halte ich mich auf der linken Rhein-Seite, vermeide die Fähre und nehme ab Mainz die Autobahn, auf der ich reichlich Zeit habe das Training noch einmal Revue passieren zu lassen und mein Fazit zu ziehen.

Lohnt es sich? Auf jeden Fall. Mal abgesehen davon das Guido und sein Team Fachlich mehr als Kompetent sind, haben sie es auch geschafft eine super Atmosphäre herzustellen und das trotz widriger Umstände.  Das Wochenende kostet 210,- € zzgl. Unterbringung und Verpflegung, die man sich selbst organisieren muss. In meinem Fall waren das 74€ für zwei Übernachtungen inkl. Frühstück. Rechnet man das zusammen kommt man auf 284€ für zwei Tage. Ich habe schon für sehr viel weniger Amüsement mehr Geld ausgegeben, so das es alleine schon als Gaudi sein Geld wert sein dürfte.

Dazu kommt auch noch der Sicherheitsaspekt. Natürlich fährt man auf der Straße deutlich anders, als im Gelände. Trotzdem lernt man sehr viel über sein Motorrad, das Fahren auf losem Untergrund und Motorrad-Beherrschung; Fähigkeiten die man auch auf der Straße gut gebrauchen kann und nicht nur wenn der Bauer den halben Acker über die Piste gezogen hat.

Zu Hause angekommen fragt mich die beste Freundin von allen, wie mein Wochenende war.

“Das war das beste Geschenk überhaupt, Schatz!”

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2 Antworten zu “Dirt4Fun Einsteiger-Training oder “Ya-Ma-Ha!” oder Woodstock auf dem Einzylinder”

dagoolli schrieb einen Kommentar aktiv April 3, 2009

also selbst wenn du kein großer schrauber werden solltest … zum hochklassigen literaten würde es wohl reichen!
einfach klasse!

Jenny schrieb einen Kommentar aktiv April 4, 2009

Geil geschrieben!

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