buebo.de präsentiert: Projekt Balkan

buebo | Oktober 7, 2008 13:48

Der Amerikaner nennt es the Wanderlust, ich sage einfach: Ich muss mal wieder weg! Mein näheres Umfeld habe ich schon gebührend genervt. Andi, die beste Freundin von allen, schliesst die Augen, beginnt mit dem Kopf zu wippen und summt genau so unmelodisch wie autistisch vor sich hin bei der bloßen Erwähnung von irgendwas das auch nur vage mit Motorradfahren, Reisen oder dem Balkan zu hat.

Mit anderen Worten: Es ist Zeit den neuen Plan öffentlich zu machen.

Plan ist allerdings schon fast zu viel gesagt. Bisher sieht der Plan ziemlich genau so aus:

Jeder blaue Punkt repräsentiert dabei etwas, das ich mir nächsten Sommer gerne mal anschauen würde. Die Liste ist natürlich überhaupt nicht komplett. Diverse Punkte werden rausfallen und andere werde ich noch aufnehmen. Bisher basiert alles auf den Berichten von ein paar anderen Blogs, dem Lonely Planet Eastern Europe und meiner Fantasie.

Die Idee nach Osteuropa zu fahren hatte ich schon lange, zumindest irgendwo in der mentalen Abstellkammer. Ab an und macht man mal die Tür auf, schaut was sich so angesammelt hat, ach ja, die Osteuropa Tour ist ja auch noch da. Jaja, könnte man irgendwann einmal in Angriff nehmen…

Irgendwann bin ich dann auf die Enduromania gestoßen. Enduromania ist eine Art freie Motorrad-Rally in Rumänien, bei der es eher darum geht sich das Land an zu schauen und Spaß zu haben, als Pokale ab zu räumen.

Es hat dann Klick gemacht und ich habe zwei und zwei zusammen gezählt. Raus kam Projekt Balkan. Wenn man schon Ross und Reiter nach Rumänien transportiert, wieso dann nicht gleich weiter fahren?

Nach einer kurzen Meditation über einer Europa-Karte im Maßstab von ca. 1:viel zu viel (man konnte grade so Montenegro erkennen) und anschließendem Rumspielen mit Google Earth steht die Route ziemlich schnell fest. Zumindest so im groben. Soll heissen: Die Länder. Mehr oder weniger.

Rumänien, Bulgarien, Albanien, Kosovo (zumindest ein kurzer Abstecher), Montenegro und dann entweder über Kroatien nach Österreich und dann heim oder mit der Fähre nach Italien und dann ebenfalls heim.

Zumindest war das die Route, bis mir aufgefallen ist das sowohl Istanbul, wie auch Odessa in erreichbarer Nähe wären.

Was ich da eigentlich will? Keine Ahnung. Zumindest nicht so wirklich, aber Odessa hatte schon immer einen ganz besonderen Klang für mich. Ich denke dabei an… Ehrlich gesagt nichts bestimmtes, ausser das ich es gerne mal sehen will. Der Lonely Planet hat auch nichts negatives darüber zu sagen, abgesehen von Kriminalität und leichten Frauen natürlich. Dafür besteht die Ukraine wohl ziemlich komplett aus Steppe. Das ist zwar mal was anderes aber wahrscheinlich fahrerisch ungefähr so interessant wie einem Postbeamten beim Briefe stempeln zuschauen.

Was Istanbul betrifft; man könnte über den Fluss fahren und schon wäre man in Asien. Wie viele Leute kennst Du, die mit dem Motorrad nach Asien gefahren sind? Die Stadt selbst Interessiert mich allerdings auch. Grenzwertiger zwischen Orient und Okzident geht es eigentlich nicht mehr…

Es gibt auch eine Fähre die von Odessa nach Istambul und zurück fährt. Alles Überlegungen die ich noch mal angehen müsste. Mal schauen ob sich am Tag der Abfahrt noch eine Minute findet…

Wann ich überhaupt fahre? August ‘09 wahrscheinlich, ich warte noch auf die Termine für die Enduromania 2009.

Warum ich es schon so früh bekannt gebe? Zunächst ist es mir einfach schon jetzt eingefallen und ich war noch nie besonders gut darin mit Ideen hinter dem Berg zu halten.

Weiterhin wird das die erste meiner Reisen, die ich halbwegs vorbereitet antreten will, d.h. bis es losgeht sollte ich alle Papier haben, die ich brauche (z.B. Internationaler Führerschein, Versicherungsschutz auch in Albanien und Bulgarien, Karten,…) und einen fahrbaren Untersatz der mich und mein Gepäck (hoffentlich) problemlos für ca. 10.000km über Stock und Stein trägt.

Der fahrbare Untersatz ist denn auch im Moment das Thema, mit dem ich Andi am schnellsten genervt bekomme und die Frau hat eine fast engelhafte Geduld. Ganz am Anfang habe ich noch an eine Schlachtschiffgroße BMW GS gedacht. Allerdings ist die wahrscheinlich ungefähr so nützlich wie eine bayrische Schlachtplatte beim Veganerkongress und nur weil Charlie Boorman und Ewan McGregor damit um die Welt gefahren sind, muss ich mir das nicht auch antuen.

Meine Anforderungen gehen natürlich leicht ins Schizophrene. Auf der einen Seite die Enduromania, bei der die meisten auf federleichten Sportenduros unterwegs sind, die auch wahrscheinlich noch eine 90° Steilwand hinauf fahren und Sitze schmal wie Rasierklingen haben. Auf der anderen Seite komfortabel tausende Kilometer auf Straßen des verschiedensten Zustands, egal ob asphaltiert, Schotter oder unbefestigt unterwegs sein.

Normalerweise schließt die Geländefähigkeit den Komfort aus und umgekehrt. Liest man sich Foren für Motorradreisende (wie z.B. HUBB) durch, bekommt man schnell den Eindruck das die richtige Wahl der Quadratur des Kreises gleicht.

Ich will jetzt gar nicht näher drauf eingehen wie meine Entscheidungsprozesse bisher abgelaufen sind, bis darauf das es wahrscheinlich ungefähr so linear wie ein Opiumtraum und rational wie beim Hahnenkampf zu gegangen ist.

Letztendlich sieht die Zielvorstellung folgendermaßen aus:

  • Fahrbereites Gewicht möglichst unter 200kg, früher oder später wird die Karre umfallen (wahrscheinlich früher) und dann muss ich sie aufheben. Wäre schön dann nicht direkt mit einem Leistenbruch heim zu fahren.
  • 100 bis 120km/h Reisegeschwindigkeit. Mehr ist sowieso Lebensmüde auf den meisten Strecken auf denen ich unterwegs bin. Deutlich langsamer ist einfach nur öde.
  • Leicht zu Warten (Ölwechsel, Ventile einstellen), ich habe zwei linke Hände mit ausschließlich Daumen.
  • Übersichtliche Technik.
  • Ausreichende Zuladung für mich (schwer) und Gepäck (nicht ganz so schwer).
  • Günstig im Unterhalt.
  • Reichweite von 300 bis 400km.
  • Möglichst lange Wartungsintervalle.

Für mich läuft das vorzugsweise auf eine Enduro mit Einzylinder-Motor mit ca. 600ccm hinaus und der momentane Favorit sieht in etwa so aus:

Quelle: Bikepics.com

Quelle: Bikepics.com

Das ist eine Yamaha TT600R. Wie man sieht ein luftgekühlter Einzylinder Motor mit etwas über 40PS, der die Karre mit Rückenwind und zusammen gefaltetem Fahrer auf ca. 150km/h beschleunigt. Aus meiner Sicht das wahrscheinlich das sinnvollste Motorrad für mein Unterfangen. Die Motorleistung ist zwar — nach heutigen Maßstäben — eher mager, dafür ist der Motor auf Normalbenzin ausgelegt, was gut ist wenn man in Südosteuropa Sprit kaufen will und verdichtet nicht zu hoch, was gut ist weil es die Dichtungen weniger beansprucht.

Das Fahrwerk ist sehr gut und die TT galt lange als die einzige “Hard-Enduro” aus Japan.

Außerdem sind die Geräte auf dem Gebrauchtmarkt für einen günstigen Preis zu haben und fast schon reisefertigt. Es fehlt eigentlich nur noch ein größerer Tank für die Reichweite, Handschützer damit nicht gleich die Hebel abbrechen wenn man die Karre mal ablegt und ein paar Kofferträger für mein Gerümpel. Bessere Scheinwerfer wären auch noch eine Idee. Meiner Erfahrung nach ist viel Geld für Beleuchtung auszugeben die beste Garantie das man nie in die Verlegenheit kommt nachts fahren zu müssen.

Das einzige was mir jetzt noch ein bisschen Bedenken bereitet ist der Kickstarter. Bin mal gespannt wie das läuft wenn ich irgendwo im Nirgendwo stehe, die Karre voll beladen ist und trotz Kicken nicht anspringen will…

Quelle: Amazon.de

Quelle: Amazon.de

Trotzdem habe ich mich nicht nur mit irgendwelchen technischen Spielereien (wie Motorrädern) beschäftigt. Viel aber nicht nur. Spätestens seit Andi wieder mal jage… ich meine Einkaufen war und mir einen Russisch-Führer mitgebracht hat (ist sie nicht die allerbeste Freundin von allen?), habe ich mich entschieden und bin ich heute morgen zur Uni getigert und habe mich für einen Sprachkurs Russisch angemeldet.

Die Dame im Sekretariat war hoch erfreut. Der Kurs wird dieses Jahr zum ersten mal angeboten und es haben sich berreits 16 Leute gefunden, so das nun nur noch vier Plätze frei sind. Anscheinend war der Erfolg größer als gedacht.

Fließend Russisch werde ich in zwei Semestern wohl kaum lernen, aber ein paar Brocken werde ich in Bulgarien oder eventuell der Ukraine bestimmt los werden.

Ich werde nun etwas vorarbeiten und mal schauen ob ich nicht schaffe noch vor dem Semesteranfang das kyrillische Alphabet zu lernen (kann ja so schwer nicht sein) und halte euch weiter auf dem laufenden!

Social Bookmarks:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • StumbleUpon
  • Technorati

10 Antworten zu “buebo.de präsentiert: Projekt Balkan”

Marc schrieb einen Kommentar aktiv Oktober 10, 2008

Willst du eigentlich alleine fahren? :D

buebo schrieb einen Kommentar aktiv Oktober 10, 2008

Hab ich zumindest vor, wobei sich dein Russengespann in Albanien und Bulgarien ziemlich wohl fühlen dürfte :)

Alexander schrieb einen Kommentar aktiv Oktober 10, 2008

Schön Schön Schön. :-) Ich hoffe du versuchst auch das ganze live mit zu tracken, so Blogmässig. :-)

buebo schrieb einen Kommentar aktiv Oktober 11, 2008

Auf jeden Fall! Ohne die Chance unsterblich zu werden würde ich sowas doch niemals tun! :D

Onkel J schrieb einen Kommentar aktiv November 27, 2008

Lese gerade von deinem Projekt Balkan, bin begeistert, hast du den Bock schon gekauft?: war ja selbst beruflich in 2006 in Bulgarien und Rumänien und auch zur Beerdigung von Kollegen in Skopje und Tetovo. Viel Wissenswertes und Tips könntest du dir bei Laura’s Freund abholen. Onkel J.

buebo schrieb einen Kommentar aktiv November 28, 2008

Bock ist schon gekauft und fristet im Moment ein eher trauriges Dasein in einer Zeilsheimer Garage.

Dafür wird er in näherer Zeit noch eines eigenen Artikels gewürdigt :)

Im Laufe der Woche kommen dann noch Heizgriffe und Reifen mit Profil und dann kann auch im Winter gefahren werden.

[...] wir Projekt Balkan. Zu Anfang an war mir klar es würde viel Fahrerei werden, ein gut motorisiertes Motorrad [...]

Albi schrieb einen Kommentar aktiv April 28, 2009

Hi,

tolle Sache, die Du Dir da vorgenommen hast. Wünsche Dir schon jetzt viel Glück und schöne Erlebnisse! Habe mehrfach an der ERM teilgenommen und auch sonstige Moppedurlaube gemacht und kann deshalb die Vorfreude nachvollziehen ;-)

Gruss, Albi

P.S: Das Bike-Dilemma kenne ich zur Genüge, my favorite wäre eine DRZ400E gewesen…

Esteffen schrieb einen Kommentar aktiv Mai 9, 2009

Ich suche Mitfahrer für eine Reise auf dem Fahrrad von Krakow nach über Odesse-(Istanbul) nach Teheran. Los gehen solls im April 2010 und Rückflug soll Ende September 2010 sein.

buebo schrieb einen Kommentar aktiv Mai 11, 2009

@Albi:
Die DRZ400 hätte mir auch ganz gut gefallen, aber angeblich soll die Sitzbank aus Beton sein und der 400 zieht seine Leistung wohl primär aus der Kompression und der Drehzahl, was mir beides für ein Reisemopped nicht so zusagt.

Dafür ist die Karre halt deutlich leichter und technisch wahrscheinlich ‘weiter’ als die TT. Was soll’s, das Leben ist ein Kompromiss :)

@Esteffen
Viel Glück :) Ich fahre zwar auch Fahrrad, aber mir reicht es schon ab und an mal von Frankfurt nach Mainz und zurück zu radeln.

Trotzdem Hut ab, wenn das klappt hast du meinen Respekt und falls du selbst am Bloggen bist, immer her mit dem Link. Das würde mich sehr interessieren :)

Lust zu kommentieren?