Grüße aus Allinclusiveland!

Andi | September 21, 2008 18:43

Von Andi

Wir sind im Urlaub!

Genauer gesagt im All-Inclusive-Urlaub an der türkischen Riviera. Genau der richtige Zeitpunkt für ein Aushilfs-Schreiberling-Debüt während sich der beste Freund von Allen nebenan von seinen Bauchschmerzen kuriert da der letzte Gin-Tonic um 15 Uhr eindeutig schlecht war. Möglicherweise war es auch nur mal wieder eine Folge der Kohlenhydrat-Sucht.

Wie dem auch sei. Wir haben in den letzten 4 Tagen eine Menge Eindrücke gesammelt. Die haben mit denen der herkömmlichen buebo.de Reiseberichte nicht viel gemeinsam, aber fangen wir am besten chronologisch an.

Donnerstag:

Um 3 Uhr morgens aufstehen ist menschenunwürdig und gemein. Auch die Zweifel, ob es angesichts des deutsch-sibirischen Wetters richtig ist, die Sommerklamotten in den Koffer gepackt zu haben sind nicht unzermürbend. Wir sollten zum Glück bald für die Strapazen entlohnt werden.

Kaum den Boden von Antalya betreten habend wurden wir sogleich in einen türkischen Kleinbus verfrachtet, der klischeehafter nicht hätte sein können. Von mit Plastik-Juwelen bestickten Chiffongardienen über abgeliebte Rüschenkissen bis zum Stoffhasi mit Blümchen war an alles gedacht. Auch auf die obligatorische türkische Volksmusik war Verlass. Meine Entzückung wuchs weiter als wir auf dem Weg in den Club sogar eine Esel-Kutsche und einige fast auseinander fallende Fahrzeuge überholten. Das einzige, was zu meinem Glück fehlte war der obligatorische 190er Mercedes mit Waschmaschine und Matratze auf dem Dach, sowie mindestens 6 Insassen. Schade eigentlich.

Nun aber genug vom echten Leben – dafür haben wir schließlich als gute Pauschal-Urlauber nicht gezahlt. Im Club angekommen wurde auch sogleich dafür Sorge getragen, dass wir das tun, was alle guten Pauschal-Urlauber tun: Essen, Trinken und Baden. Nachdem wir die Futterkrippen und die dazugehörigen Servicezeiten auswendig gelernt hatten nutzten wir diese dann auch bis ca. 22 Uhr, danach waren wir nämlich so platt, dass es direkt in die (zugegebenermaßen geschmackvoll eingerichtete) Heia ging.

Freitag:

Ein guter Tag, bei klarem Verstand das Umfeld wahrzunehmen.

Erkenntnis 1: hier laufen viele Russen rum. Spätestens der in alle Richtungen groß gewachsene Herr an der Getränkeausgabe, der ein Bier und einen Vodka bestellte, anschließend die Bedienung nötigte, das Vodkaglas VOLL zu machen um es daraufhin in einem Zug zu entleeren (erlebt um 12 Uhr mittags) sowie die 1,80 großen, komplex verbreitenden Barbiepüppchen (wir erinnern uns – wir sind hier um 5 Mahlzeiten am Tag einzunehmen) lassen keinen Zweifel.

Erkenntnis 2: Es scheint keine echten Türken zu geben! So ziemlich jeder der Türken hier erzählt uns in akzentfreiem Deutsch, er sei in Deutschland aufgewachsen und der Rest hat zumindest ein paar Brocken deutsch gebüffelt. Selbst die Gözleme-Frau, die in ihrem Zelt auf dem Weg zum Strand orientalisches Flair verbreiten und vor allem leckere Teigfladen backen soll, schleudert hin und wieder lautstark „Chaaggefleeeeis“ [nach 3x hinhören: Hackfleisch] und „Chäääääse“ [Käse] in den Raum. Dies tut sie mit einer Freude, dass das Wort Hackfleisch sich fast schon zum Gruß mausert.

Erkenntnis 3: Begrüßungscocktails vom Reiseveranstalter sind reine Verkaufsveranstaltungen – ein Wunder, dass wir noch keine Rheumadecken besitzen. Klar – es liegt nichts näher, als im Rahmen eines All-Inclusive-Urlaubs noch ein paar kostenpflichtige Ausflüge zu buchen, bei denen immerhin das Abendessen in der Pauschale enthalten ist… äääh… naja.

Erkenntnis 4: Luftgewehrschießen macht nicht halb soviel Spaß wie erwartet. Auch wenn das Erscheinungsbild des Animateurs (türkischer stark geschminkter Mann bekleidet mit rotem Dirndl) sehr interessant war.

Erkenntnis 5: Türkische Friseure sind gnadenlos! Da es auch bei hellblond bewimperten Menschen wie mir Blödsinn wäre, sich im Badeurlaub zu schminken, beschloss ich, den hoteleigenen Friseur aufzusuchen um mir Wimpern & Augenbrauen färben zu lassen, sowie letztere zu zupfen. Als Bedienstete der Kosmetikindustrie würde ich mich eher als hart gesotten bezeichnen. Als mir aber die Friseurin nach Massakrierung der Augenpartie auf die Oberlippe deutete und auch schon begann, die Fäden über mein Gesicht zu schwingen, schossen mir doch kurzfristig die Tränen in die Augen. Auch wenn ich meiner Meinung nie die Veranlagung zu einem Damenbart hatte – da wächst garantiert nie wieder was.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, unsere wasserdichte neue Kamera wie auch schon am Vortag kräftig einzuweihen, uns zu sonnen und vor allem zu essen und zu trinken. Als wir wieder gegen 22:30 Uhr gen Bett abwanderten nahmen wir uns fest für den Folgetag vor, die Russendisco zu bestaunen. Baden und sonnen macht müde!

Samstag:

Leider nur bedecktes Wetter. Trotzdem badeten wir pflichtbewussten Touristen unverdrossen, bemühten uns, jede Mahlzeit einzunehmen und ließen uns bequatschen, für den nächsten Tag einen Aufenthalt im Hamam (türkisches Bad) zu buchen, da für den nächsten Tag Regen angekündigt war.

Zweifelloses Highlight des Tages war, als gen Ende des Abendessen fast ohne Vorwarnung sintflutartige Regengüsse aus dem Himmel kamen und das darauf folgende Gewitter für kurzfristige Dunkelheit im Feriendorf sorgte. Gute Laune hatten wir trotzdem – wir hatten uns ja rechtzeitig einen Platz auf der überdachten Veranda des Hauptrestaurants gesichert und sahen bei ausreichend Vodka-Lemon und Gin-Tonic dem munteren Treiben, flitzender Urlauber und noch schneller flitzender Bediensteter, die die Grillstationen räumen mussten zu. Russendisco fiel aus.

Sonntag:

Hamam-Tag und ordnungsgemäß angekündigtes Sauwetter. Das Hamam war ein Erlebnis für sich. Während der beste Freund von allen es genoss, sich von der Masseurin auf die Füße hauen zu lassen, wurden wir durch geschrubbt, geknetet und ein geschäumt. Da wir ein Paket gebucht hatten, bekamen wir letztendlich auch BEIDE eine Gesichtsmaske. Der Spaßfaktor war demnach hoch. Relativ entspannt aus dem Hamam entlassen standen wir nun wieder draußen im Regen, nach wie vor in Badebekleidung. Nur die Harten kommen in den Garten!

In diesem Sinne schickt euch die Andi viele Grüße aus dem All-Inclusive-Land und hofft auf besseres Wetter!

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2 Antworten zu “Grüße aus Allinclusiveland!”

Nadine Rehn schrieb einen Kommentar aktiv September 21, 2008

Vielen Dank für diesen Lern- & Erfahrungsbericht! Bin begeistert und will mehr ;)
Wünsche euch noch einen wunderschönen Urlaub! Stichwort Karte und bitte keine gemeinen Kommentare mehr über meine “Familie”.

LG,
Nadinka

Anja schrieb einen Kommentar aktiv September 21, 2008

Der Bericht hat meinen zugegebenermaßen nicht halb so interessanten Tag wie euren extrem bereichert. Debüt gekonnt gelungen und schreit nach Wiederholungstat. Ganz liebe Grüße an euch zwei. Genießt eure erlebnisreichen Tage und lasst uns teilhaben!!!
Schwester (oder Quasi-Schwägerin), Eltern (oder Quasi-Schwiegereltern) und Y und H (Quasi-Y und Quasi-H) geht es gut, KnuBu !!! Anuschka

Folgende Anmerkungen hätte ich aber noch:
- ich vermisse das Gesichtsmaskenbild :-) )
- ich hoffe du hältst dich auch im Urlaub an die 5 Gänge in 1 Std Regel….
- seit wann wächst dir unter Wasser ein Füßlein aus dem Kopf *lach*
- sehe ich da Sommersprossen…?
- Mitbringsel sind natürlich erlaubt und gern gesehn, aber bei eurer Beschreibung wird mir dann doch angst und bange

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