Kurztrip nach Vorarlberg (Teil 1)
buebo | Juli 26, 2008 21:48Es begab sich zu einer Zeit, in der etwas Leerlauf herrschte. Die Uni pausierte, die letzten kritischen Stunden diverser Hausarbeiten und anderer Zimperlein hatte noch nicht angeschlagen und auch die beste Freundin von allen hatte sich – anstatt mich mit diversen Aufmerksamkeiten auf Trab zu halten – zufrieden schnurrend auf dem Schaf-Fell zusammen gerollt und betrachtete durch halb geschlossene Augenlider die Welt mit Wohlgefallen, frisch manikürten Nägeln und seidig glänzender Haarpracht.
Gelegenheit also mal wieder raus zu kommen und mich mit neuen Eindrücken und den Rest der Welt mit einem neuen Artikel zu erfreuen. Freund Wolfgang und Nachbar Benny sind sowieso gerade in Vorarlberg und ich nutze die stehende Einladung um auch hinunter zu fahren.
Vorarlberg liegt (wenn man Liechtenstein mitrechnet) in einem Vierländermehreck aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Das heißt man kann – wenn man wirklich viel rumkommen will die Deutschen Spritpreise bezahlen und zusätzlich auch noch zwei verschiedene Vignetten kaufen. Für die paar Tage beschränke ich mich aber zunächst auf Österreich, was mit 4,40€ auch recht zivil ausfällt.
Sontag morgen soll es losgehen. Der Abend vor der Abfahrt fällt etwas hektisch aus: Im Wohnzimmer wird gepokert, im Arbeitszimmer installiere ich noch schnell MapSource und den Motorrad Routenplaner auf einem geliehenen Notebook, während ich auf meinem Rechner schon mal die Route für den nächsten Tag klarmache. Es sind ca. 450km bis nach Lustenau und ich hoffe mindestens 420 davon durch Kurven zu fahren. Nebenher packe ich auch noch alles was irgendwie nützlich erscheint in Rucksack und meinen Kriega-Bags.
Am Morgen danach herrscht alles andere als die große Ernüchterung und selbst nach einer Roßkur aus eiskalter Dusche, lauwarmer Spezi und alten Brötchen wird es kaum besser. Ich schmeiße mich trotzdem in die Lederklamotten, schulter mein Gepäck und begebe mich in die Garage. Eine schweißtreibende viertel Stunde später habe ich die Kriega-Taschen am Motorrad festgezurrt und schwinge mich selbst auf den Bock. Zwei Minuten später halte ich an der Bank, ziehe Geld aus dem Automaten und beschließe grummelnd noch mal zurück zu fahren. Wie die Österreicher sagen: Es geht sich nicht aus.
Der Rucksack stößt an die Taschen und drückt mir gleichzeitig viel zu schwer auf die Schultern. Zurück in der Garage wird ausgemistet. Die Regenkombi fliegt raus, die Windjacke wandert in die Taschen und der Rucksack selbst wird auf’s knappste zusammen geschnürt. Viel besser ist es immer noch nicht aber mir fehlen die Nerven jetzt alles noch mal neu zu packen und den unbenötigten Kram rauszuwerfen. Also rauf auf die Bahn und ab dafür, alles ist besser als in der Garage zu stehen und sich die, im kalten Alkohol-Schweiß stehende, Birne zu kratzen, während man eigentlich unterwegs sein sollte.
So viel zur Kurvenroute…
Auf der Autobahn wird es schon recht bald recht stauig. Bin wohl nicht der einzige, der im Moment in Richtung Süden unterwegs ist. Irgendwann beginne ich mich zwischen den Autos durch zu quetschen. Die Speed Triple ist ein gutes Stau-Motorrad, anscheinend lösen die zwei großen Scheinwerfer im Rückspiegel Urängste in der Seele des durchschnittlichen Autofahrers aus, weswegen immer recht flott Platz gemacht wird.
Irgendwann ist dann jedoch auch für mich kein Durchkommen mehr. Vor mir eine BMW GS. Die große Tourenenduro von BMW ist so ziemlich das fetteste was man zur Zeit fahren kann. Liebhaber schwören zwar, das Gewicht (von immerhin so ca. 230kg) verschwinde sobald die Fuhre erstmal rollt, die Abmessungen bleiben aber offensichtlich, zumal wenn man noch diverse Koffer und Gepäckrollen aufläd, wie der Fahrer vor mir.
Es ist ein einigermaßen enervierendes Spektakel. Der Fahrer der Riesenmopete hat offensichtlich irgendwo aufgeschnappt, man dürfte, als Motorradfahrer, zwischen den Autos im Stau durch fahren. Was er vergessen zu haben scheint ist das seine rollende Schrankwand selbst die Abmessungen eines Kleinwagens hat. Es wird also todesmutig in die Lücke gefahren, dannach kommen panische Blicke in alle Richtungen, ob noch alle Aussenspiegel dran sind, ist kurzzeitig mal eines der Autos schneller wird sich diagonal aus der Lücke gewieselt, bleiben sie jedoch auf gleicher Höhe steckt er fest wie ein Korken in der Flasche. Irgendwann wird mir das traurige Schauspiel zu viel und ich vollstrecke linksaußen.
Keine Verschönerung (aufgenommen daheim in der Garage)
An der Grenze kommt das nächste Rätsel. Ist ja nett das die Vignette nur 4,40 kostet (für zehn Tage), aber wo klebt man die auf ein Motorrad? Ich entscheide mich für die denkbar unschönste Option: Direkt auf die Instrumenten-Abdeckung. Ist jetzt aber auch egal, eigentlich will ich nur noch ankommen.
Stundenlanges Autobahngebolze ist auf dem Motorrad doch deutlich anstrengender als mit dem Auto. Vielleicht macht das auf einer vollverkleideten Rennsemmel sogar Spaß aber auf einer nackten Hängt man im Wind wie ein Segel und bekommt irgendwann die Nackenstarre vom Gesicht in den Wind drücken.
Gegen fünf Uhr Abends bin ich endlich in Lustenau. Die Jungs sind auch da: Vor dem Haus diverse leere Bierflaschen und ein kalter Grill. Ich mache einen auf Spurenleser und schaue in die Glut. Scheint noch nicht so alt zu sein. Die Tür geht auf, ein zerzauster Kopf schaut raus und Wolfgang murmelt irgend etwas von “Turntable Rockers in Dornbirn” und macht generell den Eindruck als ob es gestern spät gewese wäre.
Ist doch immer schön wenn’s im Urlaub auch nicht sehr anders ist als zu Hause.
Fortsetzung folgt.
Tags: Alpen,Österreich,Unterwegs
Kategorien: Buebo's World
Keine Kommentare »












Keine Antworten zu “Kurztrip nach Vorarlberg (Teil 1)”
Lust zu kommentieren?