Reise, Reise – Nun aus Hanoi

buebo | September 18, 2007 13:41

In ganz SO-Asien sind die Vietnamesen bekannt als kleinkriminell, geizig und unglaublich Geldgierig. Sie sind fast noch unbeliebter als die Chinesen, was nicht einfach ist. Hier in Hanoi, wo wir sogar in der Strasse zehn Minuten hart feilschen muessen um den korrekten Preis fuer eine Flasche Wasser zu bekommen und wo wir tatsaechlich vierzig Minuten von einem Hotel-Schlepper verfolgt werden, den wir teilweise “Go Away” und deutsche Beleidigungen zurufen, erscheint mir das Vorurteil recht glaubwuerdig.

Dies koennte aber auch an einem gewissen Kulturschock liegen. Ich bin von Mandalay nach Yangon und am naechsten Tag ueber Bangkok – wo ich sechs Stunden zwischen Siam Square und Flughafen mit Einkaufen, Internet und einem Telefonat mit der besten Freundin von allen verbracht habe – nach Hanoi geflogen. Nun fuehle ich mich leicht desorientiert.

In Hanoi angekommen war die erste Aufgabe das Hotel zu finden indem Michi abgestiegen ist. Also suche ich am Flughafen ein Taxi. Es ist Asien also findet mich der Taxifahrer. Ich laufe mit ihm hinaus und bietet mir acht Dollar an. Ich frage einen anderen Taxifahrer nach dem Preis und er sagt zehn. Ich drehe mich um und sehe nur meinen Fahrer in der Menge verschwinden. Eine halbe Stunde in Hanoi und die Stadt ist schon seltsam.

Das teure Taxi in die Stadt scheint mein Hotel nicht zu finden, wir fahren kreuz und quer durch die Innenstadt, ich zeige ihm die Adresse nun zum dritten mal und trotzdem ist der Fahrer hilflos. Irgendwann – nachdem ich zwei Mal mit irgendwem telefoniert habe der tatsaechlich Englisch spricht – landen wir vor einem anderen Hotel. Ich will erst nicht aussteigen, aber irgendwann bekomme ich ein Motorrad-Taxi zum richtigen Hotel. Eine Stunde in Hanoi und es wird noch seltsamer.

Nachdem sich die Leute im richtigen Hotel als voellige Idioten entpuppen mache ich mich auf die Suche nach Michi. Bisher konnte ich immer davon ausgehen das Menschen die viel mit Touristen zu tun haben passables Englisch sprechen. Anscheinend ist das in Hanoi anders. Egal was ich sage sie wiederholen es einfach und schauen mich dannach fragend an.

“You have a room resevered for me?”

“Room reservered for me?”

“German Guy, Michael, he reservered a room for me?”

“Yes. Michael. Reservered Room?”

“Your Papa sells your Momma in the streets?”

“…”

Ich gebe es auf und greife mir einfach den Schluessel der am Empfang liegt und dessen Nummer ich aus einer Mail wieder erkannt habe. Darunter noch ein Zettel von Michi, der mich wissen laesst wo er sich grade betrinkt. Ich deponiere mein Zeug in dem Zimmer und mache mich auf den Weg zu einem Abend der sich doch noch als recht vergnueglich rausstellen soll.

Doch was mache ich eigentlich in Hanoi? War ich nicht eben noch in Myanmar, irgendwo bei Mandalay? Nun, es hat gekocht, gebrodelt und geblubbert und irgendwann war der Entschluss gefasst. Zeit doch noch so ganz auf die Schnelle ein Visum zu bekommen und da Kumpel Michi grade seinen Vietnam-Trip von Saigon nach Hanoi zu Ende bringt bietet sich Hanoi als Treffpunkt an. Wiso, weshalb, warum? Hummeln im Arsch und noch ein paar Dollar zum ausgeben.

Am naechsten Morgen stehen wir frueh auf um nach Halong Bay zu kommen. Noch auf Burmesische Zustaende geeicht gehe ich irgendwie davon aus in einer kleinen verlassenen Bucht zu landen, wo nackte Kinder im Sand spielen und die Locals bisher zehn Weisse gesehen haben. Weit gefehlt. Halong Bay ist ungefaehr so unberuehrt wie ein Frankfurter Bahnhofsklo, wenn auch viel sauberer und angenehmer.

Viel Strand gibt es nicht und so besteht unsere Tour darauf mit einem Boot hinaus in die Bucht zu fahren. Im Hafen draengeln sich wahrscheinlich hunderte Boote, die mehr oder weniger exakt gleich assuehen. Unser Guide bringt uns zu einem, das sich als recht gut entpuppt. Wir haben Zweier-Zimmer mit Klima-Anlage und eigenem Klo, das auch meinen hygienischen Anforderungen entspricht. Ich kann mich nicht recht entscheiden ob ich froh sein soll ueber die gute Unterbringung oder enttaeuscht ueber den riesigen Tourismus.

Die erste Nacht geht mit Bier und Kartenspiel zu Ende und am Morgen darauf koennen wir noch etwas das warme Wasser geniessen, bevor wir uns auf den Rueckweg nach Hanoi machen. Ich bin gespannt was die Stadt – ausser der konservierten Leiche von Uncle Ho – noch zu bieten hat.

 Bilder folgen

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