By the old Moulmein Pagoda, lookin’ lazy at the sea,
There’s a Burma girl a-settin’, and I know she thinks o’ me;
For the wind is in the palm-trees, and the temple-bells they say;
Come you back, you British Soldier; come you back to Mandalay!
Come you back to Mandalay,

Where the old Flotilla lay;
Can’t you ‘ear their paddles clunkin’ from Rangoon to Mandalay?
On the road to Mandalay,
Where the flyin’-fishes play,
An’ the dawn comes up like thunder outer China ‘crost the Bay!

Mandalay, ein bisschen der Grund warum ich ueberhaupt nach Myanmar gekommen bin. Ich weiss nicht warum. Den Robbie Williams Song kenne ich nicht, das Gedicht von Kippling auch nicht und konkret etwas unter dem Namen vorstellen konnte ich mir auch noch nie. Trotzdem war mein erster Gedanke, als sich die Reise nach Myanmar langsam abzeichnete: “Du kannst nach Mandalay fahren”. Ich konnte mir keine exotischere Stadt vorstellen.

Hohe Erwartungen also und ich war einigermassen skeptisch ob ich nicht letztlich enttaeuscht werde und auch im Reisefuehrer liest sich die beschreibung nicht besonders gut. Wenn in einem Reisefuehrer von einer geschaeftigen Innenstadt die Rede ist, kann man davon ausgehen das einem Lastwagen ueber die Fuesse fahren und es 30 Minuten dauert bis man in der Lage ist die Strasse zu ueberqueren. Keine schoenen Aussichten also.

Doch die Stadt entpuppt sich als weitaus angenehmer als gedacht und auch die ersten Eindrueck die wir – frisch vom Boot – sammeln sind positiv. Ueberall wo Flugzeuge landen, Busse oder Boote ankommen, lungern ueblicherweise ein paar ambitionierte Transporteure und Schlepper fuer Hotels herum. Mandalay macht da keine Ausnahme und nach ein paar kurzen Verhandlungen sitzen wir hinten in einem winzigen, blauen Mazda Pickup und knattern der Innenstadt entgegen. Das erste Hotel wuerde ich auf Reisefuehrerisch als “rustikal mit interessanter Botanik” beschreiben. Mit anderen Worten ziemlich abgewrackt mit Schimmel an der Decke. Wir gehen wieder raus und treffen auf unseren Taxi-Fahrer.

Ich rolle innerlich mit den Augen und auch Vroni schaut eher gereitzt. Wir wollen laufen und nicht schon wieder bezahlen. Weit gefehlt. Er besteht darauf uns zum naechsten Hotel zu fahren und ich begreife das er uns tatsaechlich so lange durch die Stadt fahren will, bis wir ein Hotel gefunden haben das uns passt. Nette Menschen in Mandalay.

Wir beschliessen den Rest des Tages gemaechlich angehen zu lassen und erst einmal etwas zu essen und die Stadt anzuschauen. Vor dem Hotel lassen wir uns von einem Trishaw-Fahrer ansprechen, der uns zu einem indischen Restaurant faehrt, anscheinend ist es spezialisiert auf Nepalesisches Essen. Ich bin mal wieder darueber erstaunt wie viele Kuechen (und Kulturen) hier neben einander bestehen. Es gibt Shan, Burmesisch, Chinesisch, Mon, Chinesisch-Moslemisches und wahrscheinlich noch mehr verschiedene Indische Kuechen als man auseinander halten kann. Zwischen den Restaurants stehen dann noch an jeder Strasse Garkuechen mit Nudeln und Currys und Tea-Shops in denen es neben Tee und Kaffee meist noch sehr leckere und ziemlich frische indische oder chinesische Snacks gibt.

Nach unserem Essen lassen wir uns zurueck ins Hotel chaufieren. Waehrend er uns ueber die staubigen und holperigen Strassen bugsiert, Autos und Hunden ausweicht und alle paar Sekunden laut klingelt, erklaert uns unserer Fahrer die Vorzuege seiner ganztaegigen Stadt-Touren. Vroni ist nicht ueberzeugt aber ich ueberrede sie schliesslich doch.

Ist ja kein Problem wenn du einen hart arbeitenden Familienvater nicht unterstuetzen willst, Vroni. Es ist ja nicht so als waere das hier eines der aermsten Laender weltweit.

Eigentlich bin ich vor allem zu faul mich den ganzen Tag lang durch die Hitze zu schleppen und dabei alle paar Meter Taxi und Trishaw-Fahrer abzuwimmeln, aber etwas Moral schadet nie und so vereinbaren wir 8:30 fuer den naechsten Morgen.

Abends gehen wir noch ein Eis essen. Wer Sued-Ost Asien kennt wird sich vielleicht jetzt die Augen reiben, schliesslich ist Speise-Eis bekannt dafuer Magenprobleme zu verursachen. Doch das Nylon Eis Cafe wird erstens vom Reisefuehrer empfohlen (wobei der auch oefter einmal falsch lag) und zweitens ist der Laden voll von Locals (die bessere Referenz). Ich esse Eis und Vroni nimmt den Milch-Shake. Beides schmeckt gut, aber auch ziemlich synthetisch. Trotzdem zu empfehlen.

Der naechste Tag wird angenehm. Wir stehen frueh auf und genehmigen uns das uebliche Fruehstueck, das man hier praktisch ueberall vorgesetzt bekommt. Eier in irgendeiner Form und sueslich schmeckendes Brot. Nachdem wir das hinter uns gebracht haben treffen wir vor dem Guesthouse unseren Fahrer und brechen auf zur Stadtrundfahrt.

Vorher drueckt uns jedoch einer der Fahrer, die vor dem Guesthouse auf Kundschaft warten, ein Mandalay Kombi-Ticket in die Hand. Normalerweise muss man so ein Ticket kaufen, das dann fuer alle Eintrittsgebueren gilt. Er ist irgendwie zu einem gekommen das nur ein Tag alt ist und von zwei Deutschen stammt. “It works, you pay me after, no problem.” Wir beschliessen es auszuprobieren.

In der Wooden Monastery
In der Wooden Monastery

Wir sehen diverse Pagoden und Tempel die mittlerweile in meiner Erinnerung ziemlich durcheinander gewuerfelt sind. Unser Kombi-Ticket funktioniert auch tadellos und ich werde ueberall als Mr. Betina mit Begleitung eingetragen. Am besten gefallen hat mir die Wooden Monastery, auch wenn sie etwas von einer spanischen Reisegruppe uebervoelkert war, komplett mit spanisch sprechendem Guide. Wir fragen uns mal wieder welchen Reiz eine Gruppenreise in ein Land wie Burma wohl hat. Besonders viel Kontakt zu Land und Leuten scheint es nicht zu geben, sie haben sogar einen Polizisten der ihnen nachlaeuft und die Bettler abschreckt.

Kurz vor Sonnenuntergang beginnen wir den Mount Mandalay zu ersteigen. Ich merke mal wieder das Reisen wohl nicht viel zur Fitness beitraegt, nach nicht einmal der Haelfte aller Stufen beginnen mir die Seiten zu brennen und ich bin nassgeschwitzt. Irgendwann kommen wir auf der Haelfte des Weges an und machen Pause.

Nicht nur wir geniessen die Aussicht
Nicht nur wir geniessen die Aussicht

Kurz vor dem Erschoepfungstod werde ich von einem Moench angesprochen. Er bewegt seinen abgemagerten Koerper so leichtfuessig die Stufen hinauf und spricht ohne aus dem Atem zu kommen, also beisse auch ich die Zaehne zusammen. Wir unterhalten uns ueber alles Moegliche. Er zeigt mir wo sein Kloster liegt und ich deute auf ein Gebaeude mit gruenem Dach in einem Park. Ich halte es fuer die Uni, tatsaechlich ist es aber das Gefaengniss. Ich bin daher etwas verlegen doch er erklaert mir das er dort oefter aus und eingeht. Die Gefangenen sind natuerlich Budhisten und wollen Meditation und religioese Texte lernen. Anscheinend sind sie auch sehr gut und er haelt oefter Wetbewerbe mit kleinen Preisen unter seinen Schuelern wer mehr Pahli rezitieren kann.

Vroni wandert rund um die Plattform, waehrend ich mir die Aussicht erklaeren lasse. Die weiter entfernten Berge sind der Kachin State, waehrend die naeheren der Shan State sind (zu dem wir zwei Tage spaeter aufbrechen werden). Die goldenen Pagoden funkeln und der Ayeryawady leuchtet im Sonnenuntergang. In diesem Moment kann ich mir kaum eine schoenere Stadt vorstellen.

Nach etwas Smalltalk machen wir uns auf den Weg um Vroni zu suchen. Sie unterhaelt sich mit einem Englisch-Lehrer. Er klettert jeden Tag die 1729 Stufen hinauf und hofft Auslaender zu finden, mit denen er sprechen und sein Englisch verbessern kann. Wir verabschieden uns und klettern wieder hinunter.

Mandalay Hill ist wahrscheinlich der angenehmste Ort in ganz Mandalay. Es weht ein frischer Wind, die Aussicht ist fantastisch und es wimmelt von freundlichen Leuten die einem nichts verkaufen wollen, sich aber trotzdem gerne unterhalten. Wir sind entsprechend gut gelaunt auf der Heimreise und goennen uns neben ein paar Myanmar Beer auch wieder ein Milch-Shake und ein Eis im Nylon.

Am naechsten Morgen beschliessen wir eine Tour zu machen mit dem Fahrer, von dem wir die Tickets bekommen haben. Sein Bruder ist auch dabei und die beiden entpuppen sich als mit allen Wassern gewaschen. Erster Stop ist der Hintereingang eines weiteren Aussichtstempels. Der Hintereingang weil man vorne bezahlen muss. Wir klettern hinauf, geniessen die Aussicht und einen Coffee-Mix (ein knallsuesser Instant-Kaffee den man ueberall bekommt) und klettern wieder hinab zu unserem blauen Mini-Pickup.

Dannach geht es zu einer alten Stadt die man mit einer Pferdekutsche besichtigen kann. In Anbetracht meiner neu entdeckten Pferdeallergie beschliesse ich den Tempel auszulassen. Vroni schliesst sich an und wir trinken Kaffee waehrend unser Fahrer und sein Bruder zusammen Mittag essen.

Der naechste Halt ist ein Nat-Festival. Nats sind Geisterwesen von deren Existenz in Sued-Ost Asien eigentlich jeder ueberzeugt ist. Natuerlich sind hier alle glaeubige Buddhisten, aber der Buddhismus ist fuer das grosse Ganze zustaendig. Es geht um das kosmische Gleichgewicht, Karma und das naechste Leben. Alles nicht unbedingt die Sorgen, die man hat wenn das neue Motorrad kaputt ist, die Geschaefte schlecht laufen oder einen der eigenen Mann betruegt. Nats oder Geister dagegen bestimmen den Alltag und werden gerne mit Opfergaben wie Zigaretten, Bananen oder Limo oder auch grossen Feiern gnaedig gestimmt.

Das Gedraenge ist gross und irgendwie ist die Nachricht das jeder schneller ist, wenn einer dem anderen ab und zu einmal Platz macht hierzulande noch nicht angekommen. Besonders an einer engen Stelle zwischen zwei Essenstaenden wird es so schlimm das ich kaum noch vorran komme. Der juengere Bruder (der mitgeschickt wurde um auf die genauso dummen wie wertvollen Farangs aufzupassen) und Vroni koennen sich schliesslich auch durchquetschen. Mir schlagen von hinten alte Frauen ihre Ellenbogen in die Nieren, kleine Kinder treten mir auf die Fuesse aber ich komme nicht vorran. Schliesslich versuche ich es, werde aber so gedraengelt und gestossen das ich zur grossen Erheiterung des juengeren Bruders in einen Obststand falle.

Auf dem Nat Festival
Auf dem Nat Festival

Wir erreichen schliesslich eine Buehne auf der ein burmesischer Ladyboy (einer der wenigen die ich sehen sollte) im Nat-Kostuem tanzt. Vor der Buehne schneinen ein paar Betrunkene eine Art Pogo zu tanzen. Kurzfristig fliegen die Faeuste und jemand wird festgehalten und weggebracht. Alles scheint eine Zuegellose und vage bedrohliche Stimmung zu haben. Ich kann mir gut vorstellen wie es spaeter zu einer Massenschlaegerei kommt. “Die Eingebohrenen werden unruhig”, denke ich mir und mustere die latent aggresiv aussehende Menge. Kurz darauf frage ich mich ob ich mir die Bedrohung vielleicht nur einbilde.

Trotz allem bin ich froh sobald wir uns durch den engen Korridor zurueck gedraengelt haben und wieder in unserem Pick-Up sitzen. Vor allem Vroni zieht eine Menge Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder kommen betrunkene, junge Kerle, starren sie an, grinsen duemmlich und rufen “Hello!”, wahrscheinlich das einzige Wort das sie koennen.

Beim naechsten Stop, der laengsten Teakholz-Bruecke der Welt, sieht es nicht anders aus. Jede Menge dummes Gegrinse, Rufe auf burmesisch und alkoholisierte Scherze. Wir treten recht schnell wieder den Rueckweg an. Die lokalen Maedchen scheinen auch nur im Pulk unterwegs zu sein.

Spaeter fragen wir uns ob wir nicht ueberreagiert haben. Doch die Kombination aus betrunkenen Asiaten die ziemlich die Kontrolle verloren zu haben scheinen und dem Fakt das man keine Ahnung hat ueber was gesprochen wird, ausser das es mit einem selbst zu tun hat, schafft eine ziemlich unangenehme Stimmung. Ich bin zwar fest davon ueberzeugt das nichts passiert waere, muss aber auch zugeben das ich recht froh war wieder aus der Menschenmenge zu verschwinden.

Unser naechstes Ziel ist Hsipaw, das im Loose als Traveller Oase beschrieben wird. Es soll morgens um sieben bei dem Buero der Bus-Firma losgehen. Um zwanzig nach kommt ein Pickup-Truck und bringt uns zum Busbahnhof. Der Bus ist schon beladen mit irgendwelchen Pflanzen, raetselhaften Geraetschaften, einem Fass Bier und einem Haufen Kartons die anscheinend Zahnpasta enthalten. Wir legen unsere Rucksaecke dazu und ziehen uns in den naechsten Teashop zurueck. Kurz vor neun kommt dann Bewegung auf und wir steigen ein. Irgendwann kommt der Busfahrer und setzt sich hinter das Steuer, dann beginnen ein Haufen Leute den Bus anzuschieben, anscheinend ist der Starter kaputt.

Schieb!

Anschieben
Die Busfahrt beginnt recht angenehm und sobald die Strasse auf die Berge trifft wird es interessant. Sie ist genauso breit das der Bus grade noch durch die Kurven kommt. Waere er ein paar Zentimeter laenger oder die Strasse etwas schmaler wuerden wir wahrscheinlich irgendwo stecken bleiben. Entsprechend langsam geht es natuerlich vorran, doch wir geniessen die Aussicht und den frischen Wind, immerhin sind wir so langsam einiges gewohnt.

Irgendwann am Nachmittag hoeren wir ploetzlich ein lautes Zischen. Ein Reifen ist platt. Natuerlich hat jeder Bus in Asien nicht nur einen Fahrer, sondern eine ganze Crew, die unterwegs Reparaturen vornehmen, den Geistern opfern und sich um alles moegliche andere kuemmern. Einer der Crew steigt aus und inspiziert den Schaden. Tatsaechlich ein platter Reifen. Als Profi faehrt der Busfahrer natuerlich noch etwas weiter bis wir an einer Schraege stehen, wo wir den Bus nicht wieder anschieben brauchen. Ein halbe Stunde spaeter geht es weiter.

Nachdem wir noch eine lange Pause im Dorf vor Hsipaw haben geht es schliesslich nach Einbruch der Dunkelheit weiter. Wie es scheint hat unser Bus auch kein Abblendlicht mehr. Doch das ist uns nach zehn Stunden nun genauso egal wie das unser Busfahrer scheinbar auf einem Auge blind ist. Eine Stunde spaeter kommen wir schliesslich mehr tot als Lebendig an und werden sogar direkt vor unserem Guesthouse abgesetzt.

Unser Teashop
Unser Teashop

Hsipaw. Viel zu sagen gibt es eigentlich nicht darueber. Angeblich kann man gut trecken und alles soll irgendwie toll sein. Wir sehen nicht viel davon und verbringen den naechsten Tag mit nichts anderem als kurz die Stadt zu erkunden, den besten Teashop zu entdecken und uns bei Kaffee, frischen Samosas und irgendwelchen fettigen Broetchen die mit Cocos und Zucker gefuellt sind zu entspannen. Kein Fehler in Anbetracht des naechsten Tages.

Hsipaw Bahnhof
Hsipaw Bahnhof

Wir wollen mit der Bahn zurueck nach Mandalay fahren. Ich habe fuer den naechsten Tag ein Flug nach Yangon von wo aus ich weiter will. Morgens kaufen wir um acht Tickets und werden von der Staatsbahn betohnt unhoeflich behandelt. Auslaender muessen ihre Tickets in Dollar bezahlen und in Myanmar ist nicht nur das Geld an und fuer sich wichtig, sondern auch der Zustand der Scheine. Schliesslich muessen wir erst ein paar Scheine vorzeigen bis einer gefunden wird der aktzeptiert wird.

Bahnfahrt
Unterwegs in den Reisfeldern

Die Bahnfahrt ist wunderschoen aber auch anstrengend. Es geht zwischen Reisfeldern hindurch und durch enge, in den stein gehauene Tunnel und Schluchten. Die meiste Zeit rumpelt der Zug gemuetlich vor sich hin, wird es einmal etwas schneller beginnen die Wagons zu schaukeln wie auf hoher See. Hier scheint fast jedes Haus seinen eigenen Bahnhof zu haben. Teils wird auch aus irgendwelchen Gruenden einfach auf offener Strecke angehalten und es springen Haendler auf die Nudeln, Getraenke oder Kekse verkaufen. Auch an jedem Bahnhof werden laut alle moeglichen Waren angepriesen und durch die offenen Fenster verkauft.

Reiseverpflegung
Reiseverpflegung

Hoehepunkt ist die Fahrt ueber das Gokteik Viadukt, eine hohe Bruecke von der man einen beindruckende Aussicht ueber den gruenen Dschungel und die Berge hat. Fotografieren ist hier leider verboten. Als sich ein Polizist zu uns Auslaendern stellt wird auch klar warum unsere Plaetze alle nebeneinander sind. Letztlich bleibt uns nichts anderes uebrig als die Fahrt zu geniessen und nicht zu fotografieren.

Nach ungefaehr zehn Stunden kommen wir in Pyin U Lwin an einer Stadt die von den Englaendern in der Kolonialzeit als Flucht vor der Hitze in Mandalay gebaut wurde. Alle Auslaender bis auf uns gehen von Bord und wir muessen wohl etwas gequaelte Gesichter gemacht haben, den wir bekommen sofort das Mitleid der anderen ausgesprochen. Als erfahrene Traveller geben wir uns jedoch unbesorgt.

Dies schlaegt allerdings ziemlich schnell in leichte Besorgniss um. Die Stadt ist ein grosser Armeestuetzpunkt und anscheinend haben alle Soldaten ihren Sold in Alkohol angelegt und wollen jetzt mit dem Zug in die grosse Stadt fahren. Angeblich sollen die Buddhisten nur massvoll trinken, es dauert jedoch nicht lange bis wir die ersten Stockbesoffenen sehen, teilweise “von oben bis unten eingeschifft” um Vroni zu zitieren. Ein mulmiges Gefuehl macht sich breit. Wird das die Wiederholung vom Nat-Festival, nur das wir diesmal nicht einfach im Pickup-Truck abhauen koennen?

Der Zug steht eine gefuehlte Ewigkeit, die Besoffenen kommen immer naeher, unterhalten sich auf burmesisch ueber uns und mit huschen im Dunkeln Ratten ueber die Fuesse. Der Tiefpunkt scheint erreicht.

Unter dem Zug wird gehaemmert und ein Metalteil wird hinausgerreicht. Ein Inder scheint die Aufsicht zu fuehren, deutet auf das Teil und erklaert “Brakeblock”. Anscheinend werden nach der Fahrt durch die Berge alle Bremsbloecke ausgetauscht. Ich seufz. Das kann laenger dauern.

Schliesslich ist es stockfinster bis sich die Bahn wieder in Bewegung setzt. Ich will etwas essen und Vroni reicht mir aus den unergruendlichen Tiefen ihres Rucksacks ein Desinfektionstuch. Eigentlich bin ich kein Freund dauernder Desinfektion von allem und jedem. schliesslich muss sich der Koerper auch an ein paar neue Keime gewoehnen. Nach zwoelf Stunden in der burmesischen Staatsbahn kann etwas Sauberkeit aber nicht schaden.

Die Einheimischen von der naechsten Bank schauen neugierig und ich tupfe mir zum Spass noch den Hals ab. Sie grinsen. Erfrischungstuecher kennen sie wahrscheinlich nur aus dem Fernsehen und uns geht auf wie exotisch es auf sie wirken muss. Etwa so als wuerde Harrison Ford im ICE ein paar Semmeln mit einem Lichtschwert zerschneiden. Vroni reicht ein paar Tuecher weiter und sofort desinfizieren sie sich froehlich Haende und Gesichter.

Vroni und die Einheimischen
Frisch Desinfiziert

Unser Sitznachbar spricht ein paar Woerte Englisch und wir werden neugierig ausgefragt. Ob wir ein Paar sind. Sind wir nicht. Bruder und Schwester dann? Auch nicht. Die Idee das Maennlein und Weiblein einfach so miteinander unterwegs sind scheint in Myanmar zu fremd zu sein.

Ich frage “Sa Pi Bi La?”. Woertlich bedeutet das “Hast du schon gegessen?”, es entspricht aber eher dem “How do you do?” im englischen. Die Begeisterung ist gross und alles lacht. Wir haben anscheinend ein paar Freunde gefunden.

Ich kann weder in Bussen noch im Zug besonder schlafen und so starre ich in die Nacht hinaus, waehrend um mich herrum alle langsam einschlafen. Schliesslich stecke ich meinen Kopf aus dem offenen Fenster, schaue nach oben und sehen den perfektesten Nachthimmel meines Lebens. Jeder Stern leuchtet heller als ich es jemals gesehen habe und die Milchstrasse zieht sich als leuchtendes Band quer durch das Bild. In diesem Moment, ungewaschen, erschoepft und hungrig, eingeklemmt zwischen Fracht und betrunkenen Soldaten weiss ich nicht nur genau warum ich reise, sondern auch das es alle Strapazen und Schmerzen wert ist.

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