Nach der Busfahrt sacke ich ziemlich erschoepft im Hotelzimmer zusammen und versuche erstmal zu schlafen, leider immer wieder unterbrochen von Stromausfaellen. Unser Guesthouse-Besitzer hatte uns schon gewarnt das immer wieder der Strom ausfallen wuerde. Das ich mir erstmal im Dunkeln mein Bein am Bett anhaue und weder Ventilator noch Klima-Anlage funktionieren finde ich weniger schlimm. Nur jedes Mal wenn der Strom wieder angeht springt die Anlage mit einem asthmatischen Roecheln und Husten an, das mich zuverlaessiger als jeder Wecker aus dem Schlaf holt.

Vroni schaut sich waehrend dessen die Stadt an. Nach meinem Schlaefchen treffe ich sie wieder und anscheinend hat sie Freundschaft mit allen geschlossen, irgendwelche Kleinkinder durch Handauflegen gesegnet und auch die kulinarischen Attraktionen schon getestet. Die Stadt gefaellt ihr und auch ich finde es angenehm. Im Gegensatz zu Yangon und sogar Pyay scheint man es hier deutlich gelassener zu nehmen. Selbst auf den Hauptstrassen herrscht vornehmlich Fahrrad und Kutschenverkehr, was die Luft angenehmer macht. Wir sind beide erschoepft und lassen es am ersten Abend frueh zu Ende gehen, jedoch nicht ohne Plaene fuer den naechsten Tag zu machen und uns eine Pferdekutsche klar zu machen. Unserer Fahrer (”My name Coco”) ist enthusiastisch. Das Tourismus-Geschaeft scheint sehr schleppend zu laufen.

Am naechsten Morgen und nach einem kurzen Blick in den Reisefuehrer wird mir wieder einmal klar wie verdammt viele Tempel hier eigentlich in der Landschaft herum stehen. Ich habe mir Bagan so wie Angkor vorgestellt. Ein Park voller halb oder ganz verfallener Ruinen. Statt dessen scheinen sich die Bauten in der eher trockenen Luft viel besser gehalten zu haben und so stehen ueberall mehr oder weniger intakte Tempel, bei denen teilweise noch die tausend Jahre alten Wandmalereien zu sehen sind (nachdem die Unesco sie wohl ‘97 gesaeubert hat).

Jetzt, ein paar Tage danach und in Mandalay, muss ich zugeben das ich nicht mehr besonders gut auseinander halten kann was wir wann und wie gesehen haben, aber ich kann mit Bestimmtheit behaupten es waren eine ganze Menge Tempel und es hat viel Spass gemacht. Besonders gefallen hat uns der bei den Locals als Sunset Pagoda bekannte Shwesandaw Paya, von dem man auch bei hellichtem Tage eine beeindruckende Aussicht hat. Die Gegend um Bagan ist flach wie ein Reiskuchen und bis zum Horizont sieht man in alle Richtungen gruene Felder und Wald. Mittendrinn ragen hunderte rote oder weiss-goldene Pagoden auf.

Auch die Momente wenn man in der Pferdekutsche gemuetlich in Richtung eines neuen Tempels zockelt sind etwas Besonderes. Ich weiss gar nicht ob ich mich vor lauter Begeisterung lieber in Stanley oder Livingston umbennen soll. Allerdings verwandelt sich die Begeisterung meistens in leichte Gereiztheit sobald man bei jedem Tempel wieder mit irgendwelchen Angeboten genervt wird.

Ich werde die Mentalitaet des asiatischen Verkaeufers nie verstehen. Ein Tourist schiebt sich schwitzend und mit rotem Kopf durch ein Spalier von Verkaeufern die ihm alle genauso lauthals wie vergeblich das exakt gleiche T-Shirt fuer den exakt gleichen Preis anbieten. Was bringt noch den zehnten von zehn dazu es auch noch einmal zu probieren?

Die Kinder sind auch noch einmal eine andere Liga. Anscheinend verschenken Touristen gerne Muenzen aus ihrem Heimatland an Kinder. Die rennen dann jedem Touristen hinter her und versuchen die Muenzen wieder gegen Kyat einzutauschen. Ein besonders hartnaeckiges Teufelsblag rennt uns rund um einen Tempel von Fenster zu Fenster hinterher um immer und immer wieder “Exucse me, change money?” hinein zu schreien. Ich beginne mich zu fragen ob ich nicht doch einen Hang zur Gewalt besitze.

Am Ende unserer Pferdetour geht es mir nicht besonders. Ich muss dauernd niesen und mein rechtes Auge hat Form, Farbe und Konsistenz einer ueberreifen Tomate angenommen. Wahrscheinlich Dreck im Auge und eine zu kalte Air-Con denke ich mir. Wir wechseln die Zimmer zum New Park Hotel (das ich an dieser Stelle einmal ausdruecklich empfehlen will) und mieten uns dort ein paar Fahrraeder um auf eigene Faust die Gegend zu erkunden.

Die erste Tour geht zum Markt, danach wollen wir uns um Boot-Tickets nach Mandalay kuemmern. Der Markt ist eine typisch asiatische Angelegenheit, wie man sie auch in Thailand, Kambotscha und Laos finden koennte. Mit Wellblech ueberdacht gibt es von Gewuerzen ueber frischen Fisch oder Fleisch bis Kleidung und Andenken alles was das Herz begehrt.

Die Kleidungsabteilung ist allerdings nerven aufreibend. So bald man nicht bestaendig in Bewegung ist vergehen keine zwanzig Sekunden bis einem nicht irgendwer ein Longyi (den traditionellen Rock, den hier Maennlein und Weiblein tragen) umbindet, ein Hemd vor die Brust haellt und dabei “No buy, no problem” ruft. Ich muss niesen, mein Auge juckt und ich bin genervt. Vroni kauft sich schliesslich eine Stofftasche und wir machen uns wieder auf den Weg.

Nach einigem Suche finden wir das IWT-Office (Inland Water Transport). Es besteht aus einem halb verotteten Holzhaus mit einem grossen und fast komplett leeren, blau getuenchten Raum. Der einzige Einrichungsgegenstand ist eine Bastmatte auf dem Boden, auf der ein tief schlafender alter Mann liegt, der uns den Rueck zu kehrt.

Wir stehen etwas ratlos grinsend herum, bis wir hinter uns eine Kinderstimme hoeren. Sie schreit dem alten Mann etwas auf Burmesisch zu. Er hebt die Hand. Die Stimme verstummt. Die Hand geht runter. Schnarchen ertoent. Das Kind ruft wieder etwas, lauter diesmal. Es hoert sich an wie “Opa! Opa! Da stehen zwei Auslaender hinter dir und wollen irgendwas!” auf burmesisch. Die Hand geht wieder hoch. Kind verstummt, alter Zausel schlaeft weiter. Wir grinsen breiter.

Das Kind nimmt zuflucht zur List. “Hello!” ruft es uns zu, wir antworten instinktiv mit “Hello!”. Der alte Zausel erschrickt und alles geht schief. Er versucht ziemlich erfolglos sich gleichzeitig umzudrehen, den Longyi unten zu halten, aufzustehen und hilfsbereit auszusehen. Nichts davon klappt besonders gut und als er uns schliesslich gegenueber steht und aus blutunterlaufenen Augen anstarrt koennen wir das Kichern kaum noch unterdruecken.

Die Kommunikation gestaltet sich auch eher schwierig. Schliesslich kommt jemand, schnappt sich einen Kalender von August 2004 von der Wand und versucht uns anhand dessen zu erklaeren wann, wo und wie das Boot nach Mandalay fahert. Es klappt nicht und ohne auch nur Luft zu holen beginnt er dannach seine Vorzuege als Trishaw-Fahrer anzupreisen. Wir brechen ab, radeln zurueck in Richtung Hotel und bestellen uns dort ein paar Tickets fuer das Speedboat in Richtung Mandalay.

Nachmittags drehen wir noch eine angenehme Runde auf unseren Drahteseln zwischen den Tempeln. Es ist heiss und ich nutze die Gelegenheit um mir mal wieder einen ausgiebigen Sonnenbrand einzufangen. Das der Mensch lernfaehig ist halte ich immer noch fuer ein Gerruecht.

Am naechsten Tag machen wir uns Mittags wieder auf den Weg mit einer Pferdekutsche und mein gesundheitlicher Zustand geht wieder rapide Bergab. Ich huste, roechele, niese und meine Augen jucken wie verrueckt. Nach einer halben Stunde in luftiger Hoehe und im frischen Wind der Sunset Pagoda geht es mir wieder besser, doch kaum unten angekommen geht die Pest wieder los. Gegen Ende des zweiten Tages unterwegs mit Pferden kommt uns irgendwann die Erleuchtung. Ich bin tatsaechlich nicht nur gegen Katzen, nervige Verkaeufer und irgendwelche Pflanzen allergisch, sondern tatsaechlich auch gegen Pferde. Nicht das ich in meinem Leben jemals etwas mit diesen Biestern zu tun gehabt haette…

Das Speedboat am naechsten Morgen ist eine nette Ueberraschung, da wir es komplett fuer uns alleine haben. Ein Boot wohlgemerkt das locker 150 bis 200 Leute fassen wuerde. Selbst die Crew ist leicht verdutzt. “You must be a very rich man”, scherzen sie, “you rented a whole boat”. Wir ueberlegen was wir mit unserer Privat-Yacht auf dem Ayeryawaddy so machen koennten. Walzer an Deck und Karaoke in der Kabine fallen uns spontan ein.

Unser deutsches Guidebook scheint unsere Crew besonders zu interessieren. Sie leihen es sich irgendwann aus und verschwinden damit fuer Stunden unter Deck, waehrend wir oben zu erste die Sonne und die frische Luft und dannach den Fernseher und die Aircon geniessen. Sie tauchen wieder auf und lassen sich Passagen in unserem Buch erklaeren. Irgendwann werden wir von ihnen mit “Guten Morgen” begruesst und nach sechs Stunden in Mandalay mit “Auf Wiedersehen” verabschiedet.

(Bilder kommen morgen)

Social Bookmarks:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • StumbleUpon
  • Technorati

Eine Antwort zu “Bagan, Stadt der Tempel oder die Entdeckung meiner Pferdeallergie und Tango an Deck”

Andi schrieb einen Kommentar aktiv September 10, 2007

*schnüff* Jetzt ist schon “morgen” und noch keine Bilder da! :-(

Lust zu kommentieren?