Von Yangon nach Bagan ueber Pyay und die erste Begegnung mit der asiatischen Siffe
buebo | September 6, 2007 14:40Wir – das sind immer noch Vroni, Sven und meine Wenigkeit – beschliessen von Yangon den Bus nach Pyay zu nehmen, das ungefaehr auf halber Strecke zwischen Yangon und Bagan liegt. Bagan ist so etwas wie Angkor Wat of Myanmar, also ein Dorf rund um ein Haufen Tempel, aber leider 18 knallharte Bus-Stunden von Yangon entfernt. Pyay liegt geographisch ziemlich in der Mitte.
Wir lassen uns also von unserem Guesthouse per Taxi fuer gigantische 7000 Kyat zur Bus Station transportieren um dannach fuer 4000 Pro Nase den Bus zu nehmen. Asiatische Preise werde ich wohl dieses Leben nicht mehr verstehen…
Unser Taxi Fahrer streitet etwas mit dem Busfahrer herum und schliesslich koennen wir aus dem Taxi aus und in den Bus einsteigen. Irgendjemand kommt und will 5000 Kyat, wir geben sie ihm, er kommt zurueck und gibt uns jeweils 1000 Kyat zurueck.
Die Strasse nach Pyay ist angeblich die beste des Landes und die sechs Stunden Fahrt vergehen recht angenehm. Es rumpelt und holpert zwar etwas aber soweit kein Vergleich zu manchem Kambodschanischen Highway.
Im Bus schliessen wir ausserdem Bekanntschaft mit einer netten Dame die sich als ‘Burmese Ghurka’ vorstellt und sehr freundlich auf ziemlich unverstaendlichem Englisch wichtige Dinge in der Landschaft erklaert. Welche wichtigen Dinge genau bleibt mir verschlossen, aber sie rufen grosse Heiterkeit hervor. Ganz besonders auch mein Schirm. “Umbrella? (Gelaechter) Tsunami! (Gelaechter)”.
Vor uns machen sich zwei Betel-Nuss kauende Halbstarke breit, die grossspurig den roten Saft aus dem Fenster spucken, der darauf hin prompt an unsere Scheiben klatscht. Madame Ghurka spricht ein paar scharfe Worte und die Halbstarken sind plotzlich nur noch halb so gross und spucken brav in eine Plastiktuete.

Vroni und Sven im Bus
Pyay selbst entpuppt sich als angenehme Stadt, mit nicht viel Los. Es gibt ein paar Guesthouses, einen Fluss und ein riesen Kloster mit einem Aufzug, soweit zumindest unsere Reisefuehrer. Wir machen uns auf die Suche nacht etwas Essbaren und werden fuendig im Pyay Star Restaurant.
Am naechsten Morgen geht es Sven nicht besonders und er beschliest im Hotel zu bleiben. Vroni und ich machen einen Spaziergang zum Kloster. Der Aufzug ist unuebersehbar. Wiso soll man auch Treppen laufen, wenn man einfacher zu Buddhas Segnungen kommt?

Wir entscheiden uns fuer die Treppen und werden mit einem beeindruckenden Ausblick und einem frischen Lueftchen belohnt, die wir auch im Aufzug bekommen haetten. Waehrend unten die stickige Mittagshitze herrscht weht hier oben ein kuehler Wind, der es jedoch auch nicht schafft die traege Mittagsstimmung zu durchbrechen. Die Verkaeuferinnen an den Treppen (alles von Buddha bis Plastik-Maschinengewehr) schauen kaum auf als wir vorbei gehen. Ein Kind kommt und zu betteln, wir winken ab, es legt sich vor unseren Fuessen auf die kuehle Steintreppe und ist scheinbar innerhalb von Sekunden eingeschlafen.

Stupa in Pyay
Oben wird klar warum man Myanmar auch ‘das goldene Land’ nennt. Auf der anderen Fluss-Seite erheben sich die goldenen Stupas wie auf der Perlenschnur gezogen und ergeben ein beeindruckendes Panorama und ein Vorgeschmack auf die Pagoden-Landschaft von Bagan.

Obstverkaeuferin
Auf dem Rueckweg kehren wir wieder im Pyay Star ein um zu Mittag zu essen. Nach dem Essen taucht Sven auf. Es geht ihm schlecht, er hat gebrochen und will nach Hause. Gefuehlte zwei Minuten spaeter sitzt er in einem Pickup Richtung Bus Bahnhof um zurueck nach Yangoon zu fahren, und von dort nach Bangkok und dann nach Hause zu fliegen.
Mir hat mal jemand von seinem Urlaub erzaehlt:
“Ich war in Sri Lanka aber dann habe ich mich versifft.”
“Wie?”
“Versifft. Bin direkt nach Hause.”
Ich bin zwar nicht Dr. House, aber das sieht fuer mich nach einer klaren Diagnose aus. Die Asien-Siffe.
Vroni und ich fahren Abends nach Bagan. Unsere Tickets haben wir von irgendeinem Local Guy gekauft, der das perfekteste Englisch spricht das ich bis jetzt in Myanmar gehoert habe. Vom Aktzent her koennte er aus Kalifornien kommen, nur mit den Vokabeln hapert es noch etwas.
Um viertel vor Acht geht es zur Bus-Station. Um Zehn sitzen wir immer noch dort im Tea-Shop. Die Smalltalk Themen gehen langsam aus und wir werden etwas nervoes. Unser Guy macht sich auf den Weg um rauszufinden was das Problem ist und wir unterhalten uns mit unserem Fahrer. Irgendwann kommt der andere zurueck und wir erfahren das der Bus eine Panne hatte.

Die Jungs und ich warten auf den Bus
Ich erlaeutere das die Panne gut ist weil es auf jeder Reise eine gibt und daher nun keine mehr auftreten wird. Sie lachen und die Goetter werden mir das Gegenteil beweisen.
Irgendwann kommt schliesslich doch noch der Bus. Es ist ein Aircon-Bus und daher muessen wir die Fenster geschlossen lassen, auch wenn die Aircon eigentlich gar nicht an ist.
Die Sitze fuehlen sich an wie aus Beton gegossen und die Strasse wie in der Hoelle aus Wellblech zusammen geklebt. Nur Schlimmer. Wellblech haette eine stetigen Rythmus, diese Strasse tritt einem immer den Betonsitz in den Ruecken wenn man grade nicht damit rechnet. Es sollte einem doch zu denken geben wenn fuer ca. 300 km 14 Stunden veranschlagt werden. Die Locals schlafen natuerlich alle seelenruhig.
Wir stellen uns also auf eine unruhige Nacht ein. Ich falle irgendwann in eine Art unruhiges Wachkoma, in dem ich bei jedem Schlagloch die aufwache, die Augen aufreisse und sofort wieder einschlafe. Irgendwann wache ich auf, weiss nur das irgendwas furchbar schief lauft und spuere mir schon den Chinesen vom Mittag den Rachen hinauf marschieren. Vroni reagiert mit den geschulten Reflexen der Sonderpaedagogin und reisst das Fenster auf. Keine Sekunde zu frueh.
Nach dem Zwischenfall auf Koh Tao jetzt also schon wieder. Entweder werde ich alt und fragil oder habe mir auch die Asiatische Siffe eingefangen. Beides keine angenehmen Gedanken fuer den Rest der Nacht.
Irgendwann haelt der Bus und ich bin mir sicher das der Motor wieder kaputt gegangen ist. Mir ist vorher schon aufgefallen das er oefter abgestorben ist, ich habe aber gehofft das es normal ist und wir ohne weitere Probleme ankommen.
Ein Haufen Leute verlassen den Bus und auch ich steige aus, setze mich auf einen Steinhaufen und harre der Dinge die da kommen werden. Irgendwo aus der Ferne hoere ich Rufen und Keuchen. Irgendwas das sich vage anhoert wie “Go! Go!” und kurzes Gejubel. Dann wird einiges klar. Es ist nicht unser Bus der nicht mehr laeuft, es ist ein anderer. Vor uns stehen einige Laster die anscheinend von dem liegen geblieben Bus aufgestaut wurden. Jetzt kam unserer, der andere wurde gemeinschaftlich angeschoben und jetzt muesste es weiter gehen.
Die ersten Leute kommen auch schon wieder, einige erleichtern sich in die Buesche und dann geht es tatsaechlich weiter.
Morgens irgendwann wache ich auf und irgend etwas ist anders. Nach kurzer Meditation faellt mir auf was es ist. Die Strasse ist besser geworden und schlaegt mir nicht mehr dauernd den Beton-Sitz in den Ruecken. Auch die Landschaft hat sich veraendert. Bagan liegt mitten in der Burmesischen Trockenzohne und es sieht eher aus wie ich mir die afrikanischen Savanne vorstelle, als wie in Sued-Ost Asien. Statt Reis-Feldern sehen wir viele Buesche und niedrige Baeume.
Nicht viel spaeter kommen wir in Bagan an und machen uns auf die Suche nach einem Guesthouse. Die Stadt macht den Eindruck das Siam Reap von Myanmar zu sein. Ein Haufen Guesthouses, Indische, Chinesische und Burmanische Restaurants und den obligatorsichen Hustle von Trishaws, Schleppern und Pferdekutschen, die hier anstatt motorisierter Taxis verkehren.
Mehr von hier im naechsten Artikel.
Tags: Myanmar,Photoblog,Unterwegs
Kategorien: Asien '07, Buebo's World
2 Kommentare »












2 Antworten zu “Von Yangon nach Bagan ueber Pyay und die erste Begegnung mit der asiatischen Siffe”
Hey,
also ich plädiere wenn schon für die Siffe als Grund für deine… ääh Zwischenfälle… das Thema mit dem Alter hatten wir doch schon…
Bis bald*,
Andi
Wie der gibt wegen einer einfachen “Travellers Desciese” auf?
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