Rund um Chiang Mai – zwischen Hilltribes und Hofbraeuhaus
buebo | August 25, 2007 9:29
Mittlerweile bin ich (Air Asia sei Dank!) in Chiang Mai gelandet, Thailand’s zweit groesster Stadt. Unter Experten, Touristen, Expats und jedem anderen, der einschlaegige Reisefuehrer liest, auch als “Rose des Nordens” bekannt. Die Stadt selbst ist meiner Meinung nach nix besonderes. Natuerlich ein Haufen Tempel, diverse Meditations, Joga, Massage und andere Kurse fuer den angehenden Yogi oder Weltverbesserer. Dazwischen Buerger King, Pizza Hut und der ganze andere Rest, der in jede Thailaendische Grossstadt gehoert.
Trotzdem ist die Stadt angenehm. Einerseits nicht so Nerven aufreibend wie Bangkok – nach einer Woche in Bangkok habe ich das Gefuehl mein Kopf platzt- andererseits aber auch gross genug um alles zu haben, was man brauchen koennte.
Die wahre Attraktion, soll aber die Umgebung von Chiang Mai sein, daher finden sich auch an jeder Ecke Agenturen die Trecks zu Hilltribe Doerfer, Elefanten Camps oder Aussichtspunkten anbieten. Ich bin allerdings nicht besonders scharf darauf mir zusammen mit einem Rudel anderer Traveller irgendwelche Bergvoelker anzuschauen, die sich wahrscheinlich mittlerweile so authentisch wie Disneyland sind.
Statt dessen miete ich mir bei Mr. Mechanic ein Motorrad und beschliesse die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Beim Golden Triangle Rider finden sich diverse Vorschlaege fuer Touren in die Umgebung und ich beschliesse spontan den Samoeng Loop zu fahren.
Mein erster Gedanke, nachdem ich Chiang Mai verlassen habe und die Strasse beginnt korkenzieherartig die Berge hoch zu winden: Ich hatte vergessen wie schoen Asien sein kann.

Die kleine Honda
Die kleine 400 ccm Honda entpuppt sich als gute Wahl fuer die Berge. Einerseits nicht zu schwer um angenehm leicht durch die Kurven zu gleiten, andererseits aber auch noch genug Dampf um nicht voellig am Berg zu kleben. Nur der Motor will gedreht werden und hoert sich ab 6000 rpm an wie ein angekettetes Rudel heulender Hoellenhunde.
Trotzdem habe ich meinen Spass, nur das Wetter spielt nicht ganz mit und zeigt mir das Regenzeit in Chiang Mai doch etwas anderes ist als Regenzeit in Phnom Penh oder auf Koh Samui. Zehn Kilometer aus der Stadt raus beginnt es stetig – mal staerker, mal schwaecher – fuer die naechsten 50 km zu regnen. Ich mache mir jedoch nichts daraus, lasse mir den Spass nicht verderben, bewundere die wunderschoene Landschaft und haenge der melancholischen Erinnerung an die Fahrt von Vang Vieng nach Luam Prabang nach.

Unterwegs mache ich irgendwo Pause um etwas zu trinken und unterhalte mich mit den Locals. Einer spricht passabel englisch und wir plaudern etwas ueber das Leben in den Bergen, Thailands Regierung und – wie koennte es anders sein – Fussball, wovon ich eigentlich keine Ahnung habe. Deutschland hat gegen England gewonnen, was ich ganz nett finde. Mein Gespraechspartner fuehrt das auf irgendwelche voellig obskuren Vorkommnisse in der Englischen Liga zurueck. Ich verstehe kein Wort, mache aber ein freundliches Gesicht.
Wie immer bin ich erstaunt darueber, wie freundlich man ueberall empfangen wird und stelle mir vor ein Thai wie sich wohl ein Thai, der nur Englisch spricht, irgendwo in Oberhutzenbach in Bayrisch Sibirien vorkommen wuerde.
Ich mache mich wieder auf den Weg und bekomme direkt Gelegenheit die Gelaendetauglichkeit meiner kleinen Honda auszutesten. An der Strasse wird gebaut und man muss aussen rum fahren. Natuerlich versinkt die ‘Umleitung’ im Schlamm und ich rutsche direkt in die groesste Pfuetze. Zur kleinen Enttaeuschung der Bauarbeiter fliegt der fluchende Farrang aber nicht in hohen Bogen ins Wasser. Das Hinterrad dreht kurz durch, ich versaue mir meine Air Max mit roten Schlamm und dann bin ich durch.

Das neue Hochgefuehl auf meine ueberlegenen Fahrkuenste bekommt aber gleich einen Daempfer. Ich durchzirkele sportlich enge Kurven, lege mich in die Serpentinen und komme mir vor wie eine Mischung aus Rossi und Gottvater Zeus. Ploetzlich ueberholt mich ein kicherndes Schulmaedchen auf einem knatternden Honda Motorroller. Ich fuehre das auf die bessere Aerodynamik zurueck, sie hatte keinen Helm auf.

Wieder zurueck in Chiang Mai siniere ich ueber meine Erkaeltung, die ich seit Bangkok mit mir herum schleppe (Aircon ist toetlich). Nachdem ich heute stundenlang durch den Regen gefahren bin, fuehlt sich mein Kopf an wie mit Zement ausgegossen und das sinnvollste waere wahrscheinlich sich im Hotel unter der Decke zu verkriechen, Suppe zu essen und auf Besserung zu hoffen.
Statt dessen schaue ich mir den Nachtmarkt an und bin etwas enttaeuscht. Nichts was man nicht auch in Patpong haben koennte. Die ueblichen gefaelschten Uhren und Designer Klamotten, jede Menge Hilltribe Sachen und die gleichen Gesichter. Nacht einmal durchlaufen verfluche ich zudem meine Kleidungswahl. Ich trage mein Bruce Lee T-Shirt, was jeden zweiten Haendler animiert Geraeusche von sich zu geben, die irgendwo zwischen Teenage Mutant Ninja Turtles und Katzen in der Waschmaschine liegen.
Ich biege in eine Strasse ab und stehe ploetzlich vor dem Hofbraeuhaus. Dem Hofbraeuhaus von Chiang Mai, wohlgemerkt. Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen. Volksmusik dudelt aus den Lautsprechern, es gibt Schweinshacksen, Schnitzel und Erdinger Hefeweizen und die Uniformen der Bediehnungen sind irgendwo zwischen russischer Putzfrau und irgendwas in dem man sich Uschi Glas in seinen Alptraeumen vorstellen koennte.

O’zapft is!
Ein teures Hefeweizen spaeter beschliesse ich den Abend doch lieber wo anders ausklingen zu lassen und ziehe weiter und werde schliesselich auf der Suche nach etwas orignal Thailaendischen bei Tequilla und Burger landen.
Tags: Photoblog,Thailand,Unterwegs
Kategorien: Asien '07
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