One Day in Bangkok
buebo | März 8, 2006 12:49Es ist elf Uhr morgens, ich liege auf meinem Bett im Hotel und schwitze als wuerde ich in der Hoelle braten. Im Fernsehen laufen auf HBO Amerikanische Action-Filme mit thailaendischen Untertiteln. Die Kiste toent auf voller Lautstaerke um das fickende Paerchen im Nebenzimmer zu uebertoenen, aber keine Chance. Die Luft in Bangkok muss wohl aphrodisierende Wirkung haben, zumindest der maennliche Part stoesst Laute aus die nur auf Herzinfarkt oder oder hoechsten Lustgewinn schliessen lassen.
Apropos die Luft in Bangkok. Eigentlich ist das schon gelogen. Was in Bangkok als Luft durchgeht wuerde bei uns jeden Umweltschuetzer in den Suizid treiben. Sie ist so dich das man sie nicht nur schneiden koennte, sie wuerde wahrscheinlich auch noch bluten.
Langsam und nach zwei grossen Flaschen Wasser beginne ich mich wieder halbwegs menschlich zu fuehlen. Hinter mir liegt schon eine abenteuerliche Fahrt vom Flughafen zur Khao Soan Road, an der sich die guenstigen Traveller Hotels aufreihen. Kurz nachdem ich das klimatisierte Flughafengebaeude verlassen hatte, wurde mir schlagartig klar was es bedeuten wird ca. 15kg Reisegepaeck zu bevoerdern. Nachdem ich die Schlange vor den Taxis ueberwunden hatte, begann der Streit mit dem Taxifahrer.
Bangkoks Taxis wollen grundsaetzlich zu Festpreisen fahren. Mit dem Taximeter ist es aber sehr viel billiger.
“Turn on the meter, please”
“Sorry Sir, meter no work”
“I`ll take another taxi”
“You cannot do this”
usw. usf.
Schliesslich stellt sich der Taximeter als doch nicht ganz so defekt herraus, dafuer der Expressway als boese Ueberraschung. Irgendwo vorne war ein Unfall und jetzt stehen wir hier. Der Fahrer flucht, duch ich geniesse zunaechst die Air Condition und staune durchs Fenster die Stadt an. Neben goldenen Tempeln stehen die Hochhauser. Auf ueberladenen Pick-Up Trucks draengen sich Bauarbeiter, Huehner und Arbeitsgeraet, daneben die neue S-Klasse.
Nach einer halben Stunde ohne Bewegung bin ich auch genervt. Der Fahrer hat erkannt das er zwar nicht mehr weiter kommt, sich ihm dafuer aber auch der Kunde nicht entziehen kann, also werden saemtliche Tricks angewandt, er kennt alle “nice Girls”, sein Cousin ist der beste Schneider in Bangkok und er wuerde mich gerne seiner Familie vorstellen. Irgendwann beginne ich ihn zu ignorieren und – Buddha sei Dank! – beginnt sich der Stau aufzuloesen.
Gegen Mittag, als sich das Paerchen im Nebenzimmer fuer die zweite Runde durch ausgiebiges, gegenseitiges Anschreien in Stimmung bringt, entschliesse ich mich Hunger zu haben und die naehere Umgebung zu erkunden.
Die Khao San Road ist das Zentrum fuer Traveler in Bangkok, billiges Internet, gutes und guenstiges Essen und all die Idioten die man eigentlich gar nicht sehen will. Um gleich dem Magen fuer die Zukunft auszutreiben entscheide ich mich gegen die vielen Restaurants und gehe zu einer fahrbaren Garkueche am Strassenrand, bei der sich grade zwei Motorbike Taxi Fahrer versorgen. Bestellen funktioniert fuer mich als Farrang mit mit Fingerzeigen und viel Grinsen. Die Alte hinter dem Wagen bereitet meine Nudeln zu und wie ich es bei den beiden Fahrern vor mir gesehen habe streue ich noch selbst Gewuerze rein. Ich gebe ihr 20 Baht (unter 50 Cent) und beginne mir Nudeln in den Mund zu schaufeln, die Alte grinst mich an und beim ersten Bissen wird mir auch klar warum.
Scharf ist gar kein Ausdruck mehr fuer das was ich da in den Haenden halte und dabei habe ich hoechstens die halb so viel scharfes Pulver drinn wie die beiden anderen. Mein Kopf laeuft knallrot an und die Schwitzerei beginnt auch wieder. Wenn ich mich zum Idioten machen wollte, war es ein voller Erfolg. Um mich rum aber nur freundliches Gegrinste, bin wohl kaum der Erste der aussieht als stuende ihm der Mund in Flammen. Nach ca. zwei Litern Wasser und einem Jogurt-Drink mit Fruechten die ich nicht erkannt habe, gehts mir wieder besser. Kurz darrauf laufe ich Holzbaer ueber den Weg, der einen spaeteren Flug erwischt hat.
Nach Duschen, Kaffee und Essen stuerzen wir uns ins Nachtleben. Natuerlich nicht ohne uns vorher ausgiebig an unserem zollfreien Chivas Regal zu verkoestigen. “Gegen den Jet-Lag!” bemerke ich, “Auf Asien!” bekomme ich als Antwort.
Dannach wird alles etwas undeutlich. Alldie vielen Eindruecke von Bangkok vermischen sich zu einem scharfen Thai-Curry in dem einzelne Erinnerungsbroken schwimmen, ab und an nach oben treiben und dann wieder auf den Grund sacken.
Wir kommen in eine Kneipe, auf der Tanzflaeche tanzen Thai-Girls in Bikini. Waehernd Table-Dance in Europa oder den Staaten noch etwas athletisches hat, geht es hier nur um die Fleischbeschau. Im Halbdunkel die prototypischen Farrangs an runden Tischen. Die meisten mit Girls. Wir trinken zwei Bier und verschwinden wieder. Nicht unsere Art von Versuchung.
Ich sitze hinten auf einem Motorrad. Wir rauschen durch die naechtlichen Strassen von Bangkok, als ich einen Blick auf den Tacho riskiere steht die Nadel bei 90 km/h. Da kommt Holzbaers Motorbike Taxi von hinten herrangeschossen und ueberholt uns. An der naechsten Ampel schafft mein Fahrer den besseren Start, die beiden naechsten roten Lichter werden ueberfahren und wir kommen als erstes ans Ziel. Holzbaer will nicht mehr als 100 Bath fuer beide Fahrten bezahlen, der erste Fahrer ist sauer und haut ab, dem zweiten druecke ich die 120 Bath in die Hand. In der naechsten Bar fragen wir die Bediehung wieviel sie bezahlt haette; “I`m Thai, I pay 80 Bath. You are Farrang, you pay more.”
Nach ein paar Runden Pool und noch einigen weiteren Bieren entschliessen wir uns die Nacht mit einem Absacker im Hotelzimmer zu beenden. Am naechsten Morgen wache ich mit einem schlimmen Kater und schweissgebadet auf, gehe ins Bad sehe Holzbaers Duschgel. “Anti-Hangover”. Alles wird gut.
Tags: Thailand,Unterwegs
Kategorien: Asien '06, Buebo's World
1 Kommentar »












Eine Antwort zu “One Day in Bangkok”
[...] naechste Beitrag kam dann erst am 8.3. und markiert dann sowohl den Anfang meiner Reise nach Suedost-Asien, wie auch [...]
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